Stromtherapie bringt positive Wirkung auf Schlafqualität und Bildgedächtnis

Positiver Effekt einer Stromtherapie während der frühen Tiefschlafphase auf Schlafqualität und Gedächtnisleistung bei älteren Menschen. © mrspopman1985 / shutterstock.com

Eine Stromtherapie des Gehirns während der Mittagsruhe verhilft Senioren zu erholsamerem Schlaf und verbessert das Bildergedächtnis.

Die Elektrostimulation des Gehirns – eine Stromtherapie – während der Mittagsruhe entfaltet eine positive Wirkung, sodass Senioren in der Nacht einen erholsamerem Schlaf und allgemein eine verbessertes Bildergedächtnis haben. Deswegen vermuten Experten, dass eine Elektrostimulation auch eine Möglichkeit darstellen könnte, Demenz bei Senioren vorzubeugen.

 

Die positive Wirkung der Stromtherapie für besseren Schlaf und besseres Gedächtnis

Viele Senioren haben Probleme nachts durchzuschlafen, sind tagsüber müde und schlafen insgesamt weniger als junge Erwachsene. Bei Demenzkranken sind diese Störungen noch ausgeprägter. Da Schlaf wichtig ist, um Erinnerungen im Gedächtnis abzuspeichern, geht man davon aus, dass Schlafstörungen und kognitiver Verfall sich gegenseitig beschleunigen.

Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass die transkranielle Gleichstromstimulation – eine Methode, bei der schwache Stromimpulse über Elektroden durch den Schädel ins Gehirn geleitet werden – die Gedächtnisleistung bei jungen Probanden verbessert. Unlängst haben Neurophysiologen nun untersucht, welche Wirkung die Stromtherapie während der frühen Tiefschlafphase auf Schlafqualität und Gedächtnisleistung bei älteren Menschen hat.

 

Untersuchung im Schlaflabor

Berliner Experten baten 18 gesunde Probanden zwischen 50 und 80 Jahren zu drei Sitzungen ins Schlaflabor und gaben ihnen je 90 Minuten Zeit, einen Mittagsschlaf zu halten. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt während des Schlafs eine transkranielle oszillierende Hirnstimulation. Bei den Probanden der Kontrollgruppe brachten die Neurowissenschaftler ebenfalls Elektroden an, durch die aber kein Strom floss.

Während der Schlafenszeit erstellten die Forscher von jedem Teilnehmer ein Elektroenzephalogramm (EEG), um Veränderungen in der Hirnaktivität abzulesen. Bei elektrisch stimulierten Probanden fanden sie dabei mehr Schlafspindeln – ein bestimmtes Muster im EEG – als bei der Kontrollgruppe. Diese Strukturen sind ein Zeichen dafür, dass das Gehirn Wahrnehmungsreize aus der Umwelt abblockt. Eine hohe Zahl Schlafspindeln im EEG steht also für einen tieferen und erholsameren Schlaf. Außerdem weiß man, dass Schlafspindeln eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung von Erinnerungen während des Schlafs spielen.

Um die Gedächtnisleistungen der Probanden zu prüfen, führten die Wissenschaftler jeweils vor und nach der Schlafphase unter anderem einen Bilderkennungstest durch. Vor dem Einschlafen sollten sich diese 38 Bilder merken, die ihnen auf einer Leinwand vorgeführt wurden. Nach der Schlafphase wurden 38 neue Bilder zufällig hinzugemischt. Die Probanden sollten die bekannten Bilder identifizieren. Die Gruppe mit elektrischer Stimulation schnitt in diesem Test nach dem Mittagsschlaf besser ab als davor, während die Gruppe mit Scheinstimulation sich verschlechterte. Tests für andere Gedächtnisfunktionen ergaben keine Unterschiede im Leistungsvermögen.

Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie weit das Einflussvermögen der oszillierenden Stimulation reicht. Einige Probanden hatten auch Schwierigkeiten, in der fremden Umgebung einzuschlafen. Häufigere Sitzungen und eine längere Ruhezeit könnten ihnen helfen, sich an das Schlaflabor zu gewöhnen, hoffen Forscher.


Literatur:

Ladenbauer J, Külzow N, Passmann S, Antonenko D, Grittner U, Tamm S, Flöel A. Brain stimulation during an afternoon nap boosts slow oscillatory activity and memory consolidation in older adults. Neuroimage. 2016 Nov 15;142:311-323. doi: 10.1016/j.neuroimage.2016.06.057. Epub 2016 Jul 2. PMID: 27381076.

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