Stress-Kardiomyopathie verursacht hohes Schlaganfall-Risiko

Ventrikulografie der linken Herzkammer bei einer Stress-Kardiomyopathie © Tara C Gangadhar, Elisabeth Von der Lohe, Stephen G Sawada and Paul R Helft / CC BY 2.0 / wikimedia

Eine Stress-Kardiomyopathie erhöht das Schlaganfall-Risiko stärker als ein Herzinfarkt. Eine rezente Studie analysierte dazu Fünfjahresdaten.

Die Stress-Kardiomyopathie – auch als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, Takotsubo-Syndrom oder Broken-Heart-Syndrome bezeichnet – ist eine seltene Erkrankung des Herzmuskels, die akut auftritt. Die Takotsubo-Kardiomyopathie (TTC) ist eine akute und reversible Störung der Herzwandbewegung des linken Myokards. Sehr häufig sind Frauen in der Postmenopause (nach Ende der Regelblutungen) nach heftigen emotionalen Stress-Situationen auftritt. Die Stress-Kardiomyopathie bietet jedenfalls im Zusammenhang mit einem höheren Risiko für Schlaganfall ein ähnliches klinisches Bild wie ein akutes Koronarsyndroms (ACS) beziehungsweise ein akuter Myokardinfarkt. Rezente Daten weisen darauf hin, dass das Takotsubo-Syndrom mit Kammerflimmern, kardiogenem Schock, rechtsventrikulärer Beteiligung sowie thromboembolischen Ereignissen assoziiert ist.

 

Studie zeigt, dass eine Stress-Kardiomyopathie ein hohes Schlaganfall-Risiko bringt

Im Grunde genommen hate man früher die Prognose des Takotsubo-Syndroms als günstig eingeschätzt. Neuere Studien zeigen aber, dass Betroffene eine gleich hohe Sterblichkeit haben wie Patienten mit einem akuten Herzinfarkt. Wobei die Patienten mit einer Stress-Kardiomyopathie innerhalb von fünf Jahren nach dem Ereignis deutlich häufiger einen Schlaganfall erleiden. Und zwar im Vergleich mit Herzinfarkt-Patienten. Das zeigte unlängst eine Studie der Universitäts-Medizin Mannheim, bei der die Forscher die Patienten über fünf Jahre lang nachbeobachteten. Die Daten zeigten, dass die Langzeit-Inzidenz für Schlaganfälle nach fünf Jahren bei Patienten mit dem Takotsubo-Syndrom mit 6,5 Prozent deutlich höher war als bei Patienten mit Herzinfarkt mit 3,2 Prozent.

 

Komplikationen und Komorbiditäten der Stress-Kardiomyopathie

Stress-Kardiomyopathie bezeichnet die vorübergehende Funktionsstörung des Herzens, die Frauen häufiger betrifft als Männer. Die genaue Ursache für die akut einsetzende Stress-Kardiomyopathie ist bislang nicht geklärt. Wobei das Takotsubo-Syndrom wiederholt auftreten kann. Zudem kann es verschiedene Komplikationen verursachen. Dazu gehören Thromboembolien, kardiogener Schock, Rhythmusstörungen und erhöhte Sterblichkeit.

Ein Vergleich der Begleiterkrankungen wie zum Beispiel dem Vorhofflimmern, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Adipositas sowie Bluthochdruck erbrachte keine relevanten Unterschiede. Interessanterweise litten allerdings mehr Patienten in der Gruppe mit Stress-Myokardiopathie an Karzinomen als in der Herzinfarkt-Gruppe.

 

Stress-Myokardiopathie häufiger mit neurologischen und psychiatrischen Störungen verbunden

Zudem steht die akute Herzfunktionsstörung offenbar auch in Verbindung mit neurologischen und psychiatrischen Störungen. Bei Patienten mit Stress-Myokardiopathie wurde eine hohe Prävalenz von psychiatrischen und neurologischen Störungen berichtet. Unter dem Strich treten Angstzustände und Depressionen bei Stress-Myokardiopathie häufiger auf als bei Patienten mit Herzinfarkt oder gesunden Kontrollpersonen.


Literatur:

Sylvia J. Buchmann, Dana Lehmann, Christin E. Stevens. Takotsubo Cardiomyopathy – Acute Cardiac Dysfunction Associated With Neurological and Psychiatric Disorders. Front Neurol. 2019; 10: 917. Published online 2019 Aug 22. doi: 10.3389/fneur.2019.00917

Jelena-Rima Ghadri, Ilan Shor Wittstein, Abhiram Prasad, Scott Sharkey, Keigo Dote, Yoshihiro John Akashi. Victoria Lucia Cammann, Filippo Crea, Leonarda Galiuto, Walter Desmet, Tetsuro Yoshida. Roberto Manfredini, Ingo Eitel, Masami Kosuge, Holger M Nef, Abhishek Deshmukh. Amir Lerman, Eduardo Bossone, Rodolfo Citro, Takashi Ueyama. Domenico Corrado, Satoshi Kurisu, Frank Ruschitzka, David Winchester, Alexander R Lyon. Elmir Omerovic, Jeroen J Bax, Patrick Meimoun, Guiseppe Tarantini. Charanjit Rihal, Shams Y.-Hassan, Federico Migliore, John D Horowitz, Hiroaki Shimokawa, Thomas Felix Lüscher, Christian Templin. International Expert Consensus Document on Takotsubo Syndrome (Part I): Clinical Characteristics, Diagnostic Criteria, and Pathophysiology. Eur Heart J. 2018 Jun 7; 39(22): 2032–2046. Published online 2018 May 29. doi: 10.1093/eurheartj/ehy076

I. El-Bettrawy et al. Short- and long-term incidence of stroke in Takotsubo syndrome. Clin Res Cardiol 107, Suppl 1, April 2018

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