Stress-Erfahrungen erhöhen bei Frauen das Risiko für Gedächtnisverlust

Stress-Erfahrungen, Stressoren, beeinträchtigen Frauen stärker als Männer. © Dundanim / shutterstock.com

Stress-Erfahrungen, Stressoren, beeinträchtigen Frauen stärker als Männer. © Dundanim / shutterstock.com

Stress-Erfahrungen erhöhen bei Frauen im mittleren Alter das Risiko für einen größeren Gedächtnisverlust. Sie könnten damit auch eine Ursache für Demenz sein.

Wissenschaftler der Johns Hopkins Medicine haben die Daten von mehr als 900 Erwachsenen aus Baltimore zum Thema Stress und Gedächtnisverlust analysiert. Dabei zeigte sich, dass Stress-Erfahrungen – Stressoren – bei Frauen mittleren Alters mit einem größeren Gedächtnisverlust im späteren Leben zusammenhängen. Allerdings war das aber nicht bei Männern der Fall.

 

Stresshormone beeinflussen geschlechtsspezifische Stress-Erfahrungen

Die Forscher sehen mit den Ergebnissen den Beweis erbracht, dass die Stresshormone die Gehirngesundheit der Geschlechter unterschiedlich beeinflussen. Dies stimmt auch mit den wissenschaftlich belegten höheren Raten der Alzheimer-Krankheit bei Frauen überein.

Unter dem Strich zeigen die Daten, dass Stress-Erfahrungen auch eine Ursache für Demenz sein können. Damit könnten Wirkstoffe gegen die chemischen Reaktionen des Körpers auf Stress den Beginn des kognitiven Abbaus verhindern oder verzögern helfen.

Nach Angaben der Alzheimer’s Association wird 1 von 6 Frauen über 60 Jahren an Alzheimer erkranken, verglichen mit 1 von 11 Männern. Es gibt derzeit keine bewährten Therapien, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder stoppen.

 

Neue Behandlungsoptionen finden

„Man kann Stress-Erfahrungen nicht loswerden. Aber wir könnten die Art und Weise, wie wir auf Stress reagieren, anpassen. Damit können wir auf die Gehirnfunktion beeinflussen, wenn wir altern“, sagt Dr. Cynthia Munro, außerordentliche Professorin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Johns Hopkins University School of Medicine. „Und wenngleich die Daten nicht den gleichen Einfluss bei Männern zeigte, bieten sie neue Aspekte im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Stressoren auf das Gehirn. Hierzu könnten sich potenzielle neue Behandlungsmöglichkeiten sowohl für Männer als auch Frauen ergeben“, fügt sie hinzu.

Bereits früher hatten Studien gezeigt, dass der Einfluss des Alters auf die Stressoren bei Frauen dreimal so stark ist wie bei Männern. Zudem ergaben andere Forschungen, dass belastende Lebenserfahrungen zu vorübergehenden Gedächtnis- und kognitiven Problemen führen können.

 

Verschiedene Stress-Erfahrungen in Zusammenhang mit stärkerem Gedächtnisverlust untersucht

Die Wissenschaftler befragten die Studienteilnehmer zu bestimmten Stress-Erfahrungen in ihrem Leben. Dazu zählten zuerst Gewalt- und Kampfsituationen, Vergewaltigung, Überfall oder anderer körperliche Attacken. Weiter auch die Beobachtung eines anderen Angegriffenen oder Getöteten sowie das Durchleben einer Naturkatastrophe. Etwa 22% der Männer und 23% der Frauen berichteten von mindestens einem traumatischen Ereignis im vergangenen Jahr vor der Befragung.

Weitere relevante Stress-Erfahrungen waren Heirat, Scheidung, Tod eines geliebten Menschen, Arbeitsplatzverlust, schwere Verletzung oder Krankheit. Sowie der Auszug eines Kindes, der Ruhestand oder die Geburt eines Kindes. Etwa 47% der Männer und 50% der Frauen gaben an, dass sie im Jahr vor der Befragung mindestens eine belastende Lebenserfahrung durchlebten.

Schließlich konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die größere Anzahl von stressigen Lebenserfahrungen im letzten Jahr in der Lebensmitte bei Frauen mit einem stärkeren Gedächtnisverlust verbunden war.


Literatur:

Cynthia A. Munro Alexandra M. Wennberg Nicholas Bienko William W. Eaton Constantine G. Lyketsos Adam P. Spira. Stressful life events and cognitive decline: Sex differences in the Baltimore Epidemiologic Catchment Area Follow‐Up Study. International Journal of Geriatric Psychiatry. First published: 22 March 2019 https://doi.org/10.1002/gps.5102


Quelle: JOHNS HOPKINS MEDICINE

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