Strabismus – wenn die Augen schielen

Imagebild Schielen – Strabismus © Julia Kuznetsova / shutterstock.com

Imagebild Schielen – Strabismus © Julia Kuznetsova / shutterstock.com

Beim Strabismus – umgangssprachlich besser als Schielen bekannt – blicken die Augen durch eine Fehlstellung in unterschiedliche Richtungen.

Während die Sinneszellen des Auges erst durch die Reifung des Sehnervs mit dem Gehirn „verkabelt“ werden, sind die jeweils sechs Muskeln der beiden Augen (vier gerade, zwei schräge) bereits bei der Geburt voll entwickelt. Das Baby kann seine Augen also in alle Richtungen bewegen. In den ersten Lebenstagen geschieht das meist noch ruckartig und unkoordiniert. Bei manchen Babys bleibt aber auch danach ein „Engelsblick“ bestehen. Wenn die Synchronisation der sechs Muskeln durch falsche Gehirnimpulse gestört ist, richtet das Kind nur ein Auge auf den fixierten Gegenstand, während das andere Auge abweicht. Dieses Auge oder abwechselnd beide Augen wandern entweder nach innen (das kommt am Häufigsten vor) oder nach außen: man spricht von Strabismus, wenn Kinder schielen.

Räumliches (zweiäugiges, binokulares, 3D-) Sehen ist nur dann möglich, wenn die Bilder bei beiden Augen auf die Stelle des schärfsten Sehens, den so genannten „gelben Fleck“ fallen. Beim schielenden Auge ist das jedoch nicht der Fall. Die Folge: Das Gehirn kann die Bilder aus den beiden Augen nicht zu einem einzigen dreidimensionalen Seheindruck verschmelzen und wird durch Doppelbilder irritiert. Es beginnt deshalb sehr schnell, das vom schielenden Auge übermittelte Bild dauerhaft zu unterdrücken, und schließt dieses Auge vom aktiven Sehen aus. Das arbeitslose Auge verlernt immer mehr das Sehen, es wird schwachsichtig und das Kind ist praktisch einäugig.

 

Was sind die Ursachen?

Die Ursache des Strabismus lässt sich fast nie eindeutig herausfinden. Viele Faktoren können eine Rolle spielen. Am häufigsten ist eine Weitsichtigkeit: Dabei sind die Augen des Kindes um ein winziges Stück zu kurz geraten. Das Gehirn veranlasst deshalb die Augenmuskeln, die Augenlinse stärker zu krümmen, wenn sie scharf sehen soll. Diese Krümmung (die so genannte Akkommodation) bewirkt jedoch gleichzeitig, dass sich beide Augen nach innen drehen.

Auch Virusinfektionen vor und nach der Geburt und Entwicklungsstörungen in diesem Zeitraum können eine Rolle spielen. Deshalb sollten Frühgeborene und andere Risikobabys, bei denen der Verdacht auf eine Entwicklungsverzögerung oder eine Bewegungsstörung besteht, auch auf Schielen und andere Sehstörungen untersucht werden. Denn bei jedem zweiten dieser Babys ist auch mit Augenstörungen zu rechnen. Und umgekehrt: Bei schielenden Kindern ist auch eine genaue kinderärztliche Überwachung nötig, damit eventuelle andere Störungen rechtzeitig entdeckt werden.

Kann Strabismus vererbt werden?

Schon vor 2400 Jahren meinte Hippokrates, der Urvater aller Ärzte: „Wenn von Blauäugigen Blauäugige gezeugt werden, was hindert da, dass von Schielenden wiederum Schielende gezeugt werden?“ Recht hatte er: Wenn beide Eltern schielen, beträgt die Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent, dass ihre Kinder ebenfalls schielen. Sie liegt bei über 20 Prozent, wenn ein Geschwister schielt, und verdoppelt sich bei zusätzlichem Schielen eines Elternteiles.

Früher wurde Strabismus lediglich als niedlicher Schönheitsfehler angesehen und erst mit etwa zwölf Jahren operiert. Heute weiß man: Wenn die Krankheit nicht behandelt wird, bleibt das schielende Auge in mehr als 50 Prozent der Fälle mehr oder weniger schwachsichtig. Je früher Strabismus im Leben des Kindes auftritt und je später es behandelt wird, desto schwerer wird die Sehbehinderung sein. Es gibt zwei drohende Folgen: Die Schwachsichtigkeit (Amblyopie) und der Verlust des räumlichen Sehens.


Literatur:

Ticho BH. Strabismus. Pediatr Clin North Am. 2003 Feb;50(1):173-88. doi: 10.1016/s0031-3955(02)00108-6. PMID: 12713111.


Quelle: www.kindergesundheit.de

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