Statine fördern abhängig von Dosierung und Potenz die Osteoporose

Skeletterkrankung Osteoporose © Lightspring / shutterstock.com

Skeletterkrankung Osteoporose © Lightspring / shutterstock.com

Wiener Forscher zeigen den Zusammenhang: Statine können abhängig von der Dosierung und der Potenz das Entstehen einer Osteoporose begünstigen.

Forschende der MedUni Wien konnten unlängst in Kooperation mit dem Complexity Science Hub Vienna anhand von mehreren Millionen Datensätzen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Potenz und Dosierung der Statine mit einer Diagnose von Osteoporose gibt. Zentrales Ergebnis: Je höher die Dosierung der Statine, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Osteoporose. Die Studie wurde in „Annals of the Rheumatic Diseases“ publiziert.

 

Statine begünstigen Osteoporose

Der Fokus in der Erforschung von Statinen lag bisher primär im Bereich der Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen. Wissenschaftlich belegt ist, dass es unter Statin-Therapien durch die cholesterinsenkende Wirkung zu einer signifikanten Risikoreduktion von kardiovaskulären Ereignissen kommt. Die bahnbrechenden Ergebnisse von Statinen im Bereich der Prävention und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen haben in den letzten JAhren dazu geführt, dass Fachgesellschaften die Zielwerte von LDL-Cholesterin bei Hochrisiko-PatientInnen auf unter 55mg/dl senkten. Jedoch hat aber man kaum erforscht, inwieweit sich diese niedrigen Konzentrationen von Cholesterin auf die Synthese von lebensnotwendigen Hormonen wie Sexualhormonen und mit damit zusammenhängenden Erkrankungen wie Osteoporose auswirken.

Statine sorgen generell für eine selektive Hemmung der 3-Hydroxy-3Methyl-Glutarat-CoA-Reduktase (HMG-CoA-Reduktase). Dadurch kommt es zu einer eingeschränkten Cholesterin-Synthese. Damit ist eine therapeutische Senkung des Cholesterinspiegels möglich. Kautzky-Willer: „Cholesterin ist der Grundbaustein für die Synthese von Sexualhormonen wie Östradiol und Testosteron. Aber auch von Mineralo- und Glukokortikoiden wie Aldosteron und Cortisol. Aus früheren Studien geht hervor, dass niedrige Konzentrationen von Sexualhormonen – und hier vor allem der Abfall von Östrogen in der Menopause – maßgeblich für den Anstieg von Osteoporose bei Frauen verantwortlich sind. Dies resultiert hauptsächlich daraus, dass die niedrigen Konzentrationen von Östrogen zu einer gesteigerten Knochenresorption führen und damit die Knochenmineraldichte abnimmt. Auch für Testosteron konnte ein ähnlicher Zusammenhang mit der Knochendichte gefunden werden.“

 

Zusammenhang unterschiedlich potenter Statine und deren Dosierungen mit der Diagnose von Osteoporose

Auf Basis dieses biochemischen Hintergrundes wurde der Zusammenhang von unterschiedlich potenten Statinen und deren Dosierungen mit der Diagnose von Osteoporose untersucht. Aus den Gesundheitsdaten von mehr als 7,9 Millionen ÖsterreicherInnen aus den Jahren 2006 und 2007 haben die Forscher jene herausgefiltert, die über mindestens ein Jahr hinweg regelmäßig Statine eingenommen haben. Daraus konnten sie die tägliche Dosierung von Statinen ableiten und verschiedene Dosierungsgruppen bilden.

In den Gruppen mit niedrigen Statin-Dosierungen gab es weniger Osteoporose-Fälle, als für diese Bevölkerungsgruppe zu erwarten war. Im Grunde genommen waren Dosierungen bis 10 mg der üblichen Wirkstoffe wie Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin oder Rosuvastatin mit einem niedrigeren Risiko verbunden, eine Osteoporose zu haben. Und zwar verglichen mit jenen PatientInnen ohne Statin-Therapie.

 

Höhere Dosierung, mehr Osteoporose-Fälle

Allerdings änderte sich das Ergebnis ab einer Dosierung von 20 mg für Simvastatin, Atorvastatin und Rosuvastatin. Ab diesen Dosen fanden die Forscher in der Gruppe der Statine-Anwender eine Überrepräsentation von Osteoporose-Fällen. Dieser Trend blieb auch bestehen, nachdem man das erhöhte Osteoporose-Risiko durch Übergewicht und andere Vorerkrankungen herausgerechnet hatte. Untermauert werden konnten die Ergebnisse in einer geschlechtsspezifischen Analyse. Diese zeigten eine ähnliche Dosisabhängigkeit von Statinen mit der Diagnose von Osteoporose bei beiden Geschlechtern.

 

Neue Einsichten durch interdisziplinäre Kooperation

Möglicherweise könnte es durch die noch effektivere Cholesterinsenkung unter höheren Dosierungen von Statinen zu einer potenteren Hemmung der Synthese von Sexualhormonen und dadurch zu einer vermehrten Knochenresorption kommen, was in weiterer Folge zu einer Abnahme der Knochenmineraldichte führen könnte.

Daraus lässt sich folgendes Resümee schließen: Vor allem Hochrisiko-Patientinnen für Osteoporose wie postmenopausale Frauen sollten unter einer Therapie mit Statinen regelmäßigen Kontrollen des Knochenstoffwechsels unterzogen werden.


Literatur:

Leutner M, Matzhold C, Bellach L, et al. Diagnosis of osteoporosis in statin-treated patients is dose-dependent. Annals of the Rheumatic Diseases Published Online First: 26 September 2019. doi: 10.1136/annrheumdis-2019-215714


Quelle: Medizinische Universität Wien

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