Effektive Behandlung der Schmerzen bei Sprunggelenk-Arthrose

Das Sprunggelenk ist die Verbindung zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß. © Hamara / shutterstock.com

Das Sprunggelenk ist die Verbindung zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß. © Hamara / shutterstock.com

Am Sprunggelenk sind Abnützungen seltener als an Hüfte oder Knie. Dennoch leiden etwa 1% aller Erwachsenen an Schmerzen durch eine Sprunggelenk-Arthrose.

Bei einer Arthrose im Sprunggelenk hat man vor allem morgens das Gefühl, eingerostet zu sein und sich langsam in Schwung bringen zu müssen. Nach körperlicher Anstrengung kann das Sprunggelenk mit Arthrose außerdem tagelang Schmerzen verursachen, geschwollen sein und eine Behandlung brauchen. Chronische Sprunggelenk-Schmerzen beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen über die Maßen, gewisse Sportarten wie Laufen, Fussball oder Tennis werden nahezu unmöglich, denn das Sprunggelenk wird schmerzhaft und versteift. Im Grunde stellt die Arthrose im Sprunggelenk eine große Belastung für die Gesellschaft dar. Sie gehört sogar zu den Hauptursachen für chronische Behinderungen. Am häufigsten ist sie posttraumatisch und tritt bei jüngeren Menschen auf. Es besteht auch ein starker Zusammenhang mit Fettleibigkeit.

 

Arthrosen: Gelenkabnutzung

Im Grunde genommen sind Arthrosen, das ist der medizinische Ausdruck für Gelenkabnützungen, sind Verschleißerscheinungen unserer Gelenke. Wobei diese mit zunehmendem Alter häufiger werden und die Betroffenen sehr quälen können. Arthrosen zählen außerdem zu den degenerativ-rheumatischen Erkrankungen. Sie sind also rheumatische Leiden und gelten als wahre Volkskrankheit.

Der heute international gebräuchliche Ausdruck „Osteoarthritis“ für Gelenkabnützungen macht klar, dass es sich bei dieser Krankheit um mehr als einen reinen Knorpelschaden handelt. Ausgangspunkt ist eine verminderte Leistung der knorpelaufbauenden Zellen, wodurch der Knorpelbelag dünner und uneben wird. Es kommt zu Reibephänomenen mit anschließender Entzündung, Verformung und Zerstörung unserer Gelenke.

Arthrosen sind aber nicht nur eine Erkrankung des höheren Alters. Denn bereits ab dem 30. Lebensjahr kommt es zu den ersten Abbauprozessen unseres Gelenkknorpels. Betroffen sind vor allem die Gelenke, die wir am meisten beanspruchen: die durch das Körpergewicht belasteten Gelenke der Beine wie Knie-, Hüft- und Sprunggelenke. Verletzungen der Gelenke, übermäßige körperliche Beanspruchung, angeborene Fehlstellungen, schwere Entzündungen, Übergewicht oder Extremsport begünstigen den Knorpelschaden.

Generell sind mit 60 Jahren bei 90% aller Menschen Abnützungen am Bewegungsapparat nachweisbar, mit 40 Jahren immerhin schon bei 50%. Je früher dieser Prozess gestoppt bzw. verlangsamt wird, umso größer ist der Therapieerfolg.


Arthroskopie am Sprunggelenk

Quelle: sebastian kaulitzki / shutterstock.com
Mit der Arthroskopie kann Patienten mit instabilem Sprunggelenk nachhaltig geholfen werden. © sebastian kaulitzki / shutterstock.com

Eine neue Mini-OP – die Arthroskopie – bei instabilem Sprunggelenk hat sich in den letzten Jahren etabliert. Vor allem sportliche Menschen sind oft betroffen. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/arthroskopie-am-sprunggelenk/


Sprunggelenk – ein kompliziertes Gelenk

Das Sprunggelenk ist die Verbindung zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß, wobei man ein oberes (OSG) und unteres Sprunggelenk (USG) unterscheidet.

Wenn wir vom Sprunggelenk sprechen, dann meinen wir den „Knöchel“, das OSG. Dieses Gelenk wird durch die Knochenenden des Unterschenkels, Schien- und Wadenbein, mit dem Sprungbein gebildet und mithilfe zahlreicher Bänder zusammengehalten.

Das untere Sprunggelenk ist bereits Teil des Fußes. Sowohl die Fersenregion als auch jener Teil des Fußes, den wir gerne als „Rist“ bezeichnen, gehören zum USG.

Beide Gelenke zusammen ermöglichen das Abrollen des Fußes und damit die Gehbewegung. Aber auch das Drehen und seitliche Anheben der Fußränder sind Funktionen des Sprunggelenks.

Das Sprunggelenk ist eines der meist belasteten Gelenke unseres Körpers, das bei jedem Schritt die gesamte Körperlast tragen muß. Das alleine begünstigt schon den Knorpelabbau. Zugleich ist es anfällig für Verletzungen: Verstauchungen, Umknicken des Fußes mit Bandverletzungen oder Brüche, die den Verschleiß vorantreiben.


Syndesmosebandriss: Schwellung, Bluterguss, Schmerzen

Syndesmose © Richman Photo / shutterstock.com

Bei einem Syndesmosebandriss kommt es zu Schwellung und Bluterguss mit teilweise starken Schmerzen beim Auftreten. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/syndesmose-bandriss-sprunggelenk/


 

Früherkennung wichtig

Die Sprunggelenk-Arthrose hat einen meist schleichenden Krankheitsverlauf. Da Knorpelzellen keinerlei Schmerz wahrnehmen können, bleiben die Verschleißerscheinungen lange Zeit unbemerkt und Schmerzen treten erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Sprunggelenk-Arthrose auf. Deshalb ist die Suche nach folgenden Frühzeichen der Erkrankung besonders wichtig:

 

Verschiedene Schmerzen bei Sprunggelenk-Arthrose sowie andere fortgeschrittene Anzeichen

Im Spätstadium der Erkrankung kommt es dann zu deutlichen Gelenkdeformierungen und Fehlstellungen der Füße, die meist von Dauerschmerzen begleitet werden. Der Funktionsverlust in der Bewegung behindert schlussendlich Alltagstätigkeiten. Man kann kaum noch gehen! Doch all das kann durch eine rechtzeitige Therapie verhindert werden.

Zur Diagnose der Sprunggelenk-Arthrose wird neben den klinischen Symptomen und konventionellen Röntgenaufnahmen zunehmend die Magnetresonanztomographie eingesetzt. Diese Methode erlaubt neben dem Erkennen von Frühzeichen der Abnützung auch die graduelle Abstufung des Knorpelschadens.

Laborbefunde sind bei Arthrosen in der Regel unauffällig. Lediglich bei stark aktivierten Arthosen sind die Entzündungsmarker im Serum wie Blutsenkung und mäßig erhöht.


Das Rheuma ABC

Das Rheuma ABC bietet Details zu den häufigsten Rheumadiagnosen.

Das Rheuma ABC soll einen kurzen Überblick über verschiedene Aspekte zu Rheuma geben. Wer glaubt, dass Rheuma eine einzige Krankheit ist, irrt gewaltig. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/das-rheuma-abc/


Frühe Therapie ist erfolgreich

Moderne Therapien, verbesserte Medikamente und vor allem die Kombination diverser Behandlungen haben den Arthrosen auch im Sprunggelenk weitgehend den Schrecken genommen und können die Schmerzen erheblich lindern. Am Beginn steht immer eine konservative Therapie.

 

Knorpelschutzpräparate

Knorpelschutzpräparate sollen den weiteren Knorpelabbau verhindern, indem die Herstellung der Grundsubstanz für den Knorpel stimuliert wird. Gleichzeitig lässt sich damit ein besserer Gleiteffekt bewirken. Die Voraussetzung hierfür ist aber das Vorhandensein von noch genügend funktionsfähigen Knorpelzellen, wie das bei gering- und mittelgradigen Arthrosen der Fall ist.

Neben der intraartikulären (direkt in das Gelenk verabreicht) Injektion von Hyaluronsäure, einer künstlichen Knorpelschmiere, stehen verschiedene orale Chondroprotektiva zur Verfügung. Schwefelverbindungen wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat begünstigen die Knorpelregeneration. Diacerein, ein Interleukin-1 Blocker, hemmt diesen Botenstoff, der bei der Gelenkszerstörung eine große Rolle spielt. Alle diese Präparate werden kurmäßig über zumindest drei Monate eingenommen. Auch wenn Studienergebnisse für Knorpelaufbaumittel nicht eindeutig sind, in der Praxis helfen sie den meisten Patienten.


Wirksamkeit von Hagebuttenpulver bei Arthrose

Hagebuttenpulver ist eine gut untersuchte Nahrungsergänzung bei schmerzhafter Gelenkarthrose.

Mehrere Studien konnten die moderate Wirksamkeit von Hagebuttenpulver als ­natürliche Alternative bei Arthrose-Beschwerden zeigen. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/hagebuttenpulver-bei-arthrose/


Wirksame Behandlung der Schmerzen bei Sprunggelenk-Arthrose

Besonders bei fortgeschrittenen Abnützungen durch die Arthrose im Sprunggelenk oder auch im Bedarfsfall kommt man ohne ein effektive Behandlung der Schmerzen nicht aus. Die Schmerztherapie richtet sich dabei nach der Intensität der Beschwerden, aber auch nach vorhandenen Entzündungszeichen der Gelenke wie Schwellung und Erguß im Gelenk.

Unter dem Strich sind hierzu Antirheumatika die mit Abstand am häufigsten verwendeten Medikamente. Sie lindern den Schmerz und wirken gleichzeitig entzündungshemmend. Damit sind sie reinen Schmerzmitteln (Analgetika) etwas überlegen.

Die Gruppe der Antirheumatika setzt sich aus einer Vielzahl völlig unterschiedlicher Substanzen zusammen. Deshalb sollte die Einnahme unbedingt vorab mit Ihrem Arzt besprochen werden, um falsche Dosierungen zu vermeiden.

Einerseits können Antirheumatika lokal als Gel, Salbe oder Pflaster aufgetragen werden. Anderseits gibt es diese Schmerzmittel zudem oral zum Schlucken.

Bei akuten Schüben mit Aktivierung der Arthrosen hat sich die Gabe von antirheumatischen Infusionen in Kombination mit hochdosiertem Vitamin B- und C-Komplex zur raschen Unterdrückung der Entzündung und Beschwerden sehr bewährt.

Wobei man bei der Langzeiteinnahme auf die unerwünschten Nebenwirkungen auf Magen und Darm achten und frühzeitig Magenschutzpräparate einsetzen. Gemeint sind bei vor allem Gastritis, Sodbrennen sowie Durchfälle.

Bei chronischen Schmerzen können als Zusatzmittel Antidepressiva die Schmerzschwelle und -wahrnehmung günstig beeinflussen.

 

Kortisoninjektionen

Bei starken Schmerzen und vor allem bei Gelenksentzündungen bewähren sich Injektionen mit langwirksamen Kortisonpräparaten (Mischung mit einem Lokalanästhetikum), die allerdings auf einige Male beschränkt bleiben sollten.

 

Physikalische Behandlung bei Sprunggelenk-Arthrose

Diverse physikalische Therapiemaßnahmen wie Elektrobehandlungen, Ultraschall, warme oder kalte Packungen, Infrarotbestrahlungen, Magnetfeldtherapie und Lymphdrainagen sind in Verbindung mit Heilgymnastik und Muskeltraining ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Arthrosetherapie. Aktive Bewegungsübungen dienen einerseits der Vergrößerung des Bewegungsumfanges eines Gelenkes, andererseits dem Muskelaufbau. Eine kräftige Muskulatur wiederum entlastet das geschädigte Gelenk und dient als Stoßdämpfer.

Unterwassergymnastik und Kurbehandlungen haben sich als besonders effizient erwiesen, da sich die Patienten unter Wasser durch den Auftrieb leichter und schmerzarmer bewegen können. Die im Heilwasser gelösten Elemente wie Radon oder Schwefel haben einen günstigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf. Auch verschiedene orthopädische Mobilisationstechniken verbessern die Gelenkbeweglichkeit.

Bei schweren Arthrosen muss man auf eine ständige Reduktion der Gelenkbelastung achten. Neben orthopädischen Schuhen mit Schaftversteifung, Pufferabsätzen, Unterschenkelorthesen, Bandagen oder Krücken bringt auch der altbekannte Spazierstock eine gewisse Entlastung.

 

Operative Maßnahmen

Wird durch den gezielten Einsatz aller konservativen Therapien kein ausreichender Erfolg erzielt, steht eine Reihe von unterschiedlichen chirurgischen Möglichkeiten zur Verfügung. Neben Gelenkspiegelungen (Arthroskopien) zur Exploration des Knorpelschadens und zur Knorpelglättung, die beim engen Sprunggelenk teilweise sehr schwierig sind, kommen Versteifungsoperationen und zunehmend der Einbau eines künstlichen Sprunggelenks (Endoprothese) in Frage. Dies ist allerdings nur beim oberen Sprunggelenk möglich.

Aber soweit sollte es schließlich erst gar nicht kommen. Wer drei bis vier Wochen an Schmerzen im Sprunggelenk leidet oder Frühsymptome einer Abnützung wahrnimmt, sollte jedenfalls unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen.

Bei leichter bis mittelschwerer Varusknöchelarthrose hat sich die supramalleoläre Osteotomie in einer rezente Studie bewährt. Allgemein hat die Medizin den Osteotomien bei der Behandlung von Sprunggelenk-Arthrose in den letzten Jahren vermehrt Beachtung geschenkt.


Literatur:

Swaithes L, Dziedzic K, Finney A, Cottrell E, Jinks C, Mallen C, Currie G, Paskins Z. Understanding the uptake of a clinical innovation for osteoarthritis in primary care. A qualitative study of knowledge mobilisation using the i-PARIHS framework. Implement Sci. 2020 Oct 28;15(1):95. doi: 10.1186/s13012-020-01055-2. PMID: 33115490.

Song JH, Kang C, Kim TG, et al. Perioperative axial loading computed tomography findings in varus ankle osteoarthritis. Effect of supramalleolar osteotomy on abnormal internal rotation of the talus [published online ahead of print, 2020 May 5]. Foot Ankle Surg. 2020;S1268-7731(20)30071-0. doi:10.1016/j.fas.2020.04.006

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