Spitalsärzte-Umfrage: Patienten leiden am meisten

Spitalsärzte orten Versäumnisse seitens der zuständigen Behörden. © sfam_photo / shutterstock.com

Spitalsärzte orten Versäumnisse seitens der zuständigen Behörden. © sfam_photo / shutterstock.com

Befürchtungen über Mängel in den Spitälern wurde in einer Umfrage bestätigt: Spitalsärzte orten große Versäumnisse seitens der Stadt Wien und des Krankenanstaltenverbunds.

 

Die Wiener Ärztekammer hat vom 11. bis 29. Jänner 2016 eine Umfrage zum Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) unter allen Wiener Spitalsärzten durchgeführt. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 87 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, dass sie eine Verschlechterung der Patientensituation beobachten. 74 Prozent nehmen sogar eine Verschärfung des Problems der Zwei-Klassen-Medizin wahr.

„Unsere Patienten leiden eindeutig am meisten“, beklagt Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. „Dass die Stadt Wien, die mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV, Anm.) den größten Spitalsträger in Wien stellt, es scheinbar nicht für nötig hält, für ihre Bürger ordnungsgemäß zu sorgen, ist höchst bedenklich“, so Szekeres.

Zum Problem der Wartezeiten gleich vorweg: Keine Ärztin und kein Arzt haben geantwortet, dass sich die Wartezeiten nach Einführung des neuen KA-AZG verkürzt hätten. Sowohl für OP-Termine als auch in den Ambulanzen müssten Patienten demnach nun länger warten (82 Prozent beziehungsweise 79 Prozent), 29 Prozent beziehungsweise 32 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte sehen sogar eine deutliche Verlängerung.

Hermann Leitner, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, kommentiert dies ähnlich wie Szekeres: „Die Tatsache, dass sich die Wartezeiten sowohl bei den Operationen als auch in den Ambulanzen stark verlängert haben, ist auf einen eindeutigen Personalmangel zurückzuführen.“ Interessant: 91 Prozent der Befragten, die mit einer deutlichen Verlängerung der Wartezeiten in beiden Fällen geantwortet haben, sind Turnusärzte.

Ausbildungssituation weiter verschlechtert

Insgesamt stellen die Ärztinnen und Ärzte eine geringere Tagespräsenz sowie einen höheren administrativen Aufwand infolge der KA-AZG-Veränderung fest. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gibt an, dass die Tagespräsenzen weniger geworden sind, im KAV sind es sogar 54 Prozent.

„Unsere Kollegenschaft hat auch hier ein klares Machtwort gesprochen“, kommentiert Szekeres und erklärt: „Wenn die Kolleginnen und Kollegen durch unnötige Bürokratie von ihrem Arbeitgeber zwangsbeschäftigt werden, kann keine Zeit mehr für die Patienten übrig bleiben.“

Das wirkt sich scheinbar auch auf die Ausbildungssituation aus: Satte 74 Prozent sehen die Ausbildung nach Einführung des neuen KA-AZG als verschlechtert an, für 25 Prozent hat sich die Situation nicht verändert, und nur 2 Prozent konstatieren eine Verbesserung. Besonders hoch ist der Anteil derer, die eine verschlechterte Ausbildungssituation bemerkt haben wollen, im KAV (78 Prozent) sowie bei den über 40-Jährigen (76 Prozent).

47 Prozent stellten zudem fest, dass Dienstzeitänderungen nur in geringem Maß an Konsens – oder sogar ohne Konsens – mit der Spitalsleitung erfolgt sind, was im eindeutigen Widerspruch zu den Vereinbarungen mit der Stadt Wien steht.

Brisant ist auch ein weiteres KAV-Unikum: Fast zwei Drittel der Ärzteschaft gibt dort an, dass die Umsetzung einer Zentralen Notaufnahme bis dato nicht erfolgt sei. „Diese Versäumnisse der Stadt Wien und des KAV sind ein Schlag ins Gesicht der Kollegenschaft, die letztes Jahr für diese dringenden Änderungen so hart gekämpft hat“, so Leitner. Man könne sich nur fragen, welche konstruktiven Lösungen die Stadt Wien im letzten Jahr zu den nach wie vor bestehenden Problemen umgesetzt habe. „Außer einer versuchten Überwachung unserer Kollegenschaft sowie dem Versäumnis von Leistungszahlungen offenbar nichts“, kritisiert Leitner.

Quelle: www.aekwien.at

Die mobile Version verlassen