Fatale Abwärtsspirale: Spielsucht, Depression, Drogen, Schulden

Spielsucht und Depression werden von chronischen Spielern als Problem häufig ignoriert. © attila dudas / shutterstock.com

Spielsucht und Depression werden von chronischen Spielern als Problem häufig ignoriert. © attila dudas / shutterstock.com

Spielsucht und Depression treten oft gemeinsam auf, wobei Probleme wie Schulden und der Konsum von Drogen die Situation häufig noch verschärft.

Spielsucht und Depression sind sehr oft miteinander vergesellschaftet. Denn viele Menschen mit Spielsucht leiden auch an Depression und andere psychische Störungen. Deswegen ist es wichtig, dass man einerseits sowohl die Spielsucht, als auch die psychischen Störungen gemeinsam behandelt. Andererseits sollte man auch bei dem Auftreten einer dieser Störungen, die Betroffenen auch auf die andere untersuchen. Übrigens hängen Spielsucht und Depression auch oft mit einem zwanghaften, sexuellen Verhalten sowie mit dem Konsum von Drogen und Schulden zusammen.

Hierzu ist anzumerken, dass eine Depression vor allem auch eine häufige Begleiterkrankung einer Internet-Spielsucht ist. In vielen Fällen entsteht dadurch eine enorme psychiatrische Belastung. Wobei ein problematisches Verhalten zu Glücksspielen und dementsprechende Störungen weltweit ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen. Und zwar mit allen damit verbundenen negativen Folgen. Mittlerweile hat auch der Wunsch nach effektiven Therapiemöglichkeiten zugenommen.

Hierzu bieten heute auch Internet basierte Behandlungen eine vielversprechende Alternative für eine evidenzbasierte Behandlung zu geringen Kosten. Für Hoffnung sorgt eine neuartige, im Internet angebotene kognitive Verhaltensbehandlung für Menschen mit Spielsucht. Diese basiert auf qualitative Interviews mit behandlungssuchenden Spielern, Verhaltensforschung zu deren Spielverhalten und einem Modell für Spielsucht.

 

Kanadische Studie zu Spielsucht und Depression

Dementsprechend waren auch die Ergebnisse einer kanadischen Studie, die Forscher der Frédéric Dussault of the University of Quebec in Montreal/Kanada durchführten. Die Wissenschafter untersuchten, in welchem Umfang sich Spielsucht und Depression im Zusammenhang mit Glücksspiel von den Teenager-Jahren bis ins frühe Erwachsenenalter entwickelt. Spielsucht und Depression gingen Hand in Hand und wurden im Laufe der Zeit immer schwerwiegender. Die Daten ergaben auch, dass vor allem impulsive Jungen im Erwachsenenalter zu Glücksspiel, Spielsucht und Depression tendierten.

 

Pathologisches, krankhaftes Spielen

Krankhaftes Spielen wird fachlich als Pathologisches Spielen beziehungsweise pathologisches Glücksspielen bezeichnet. Und deswegen haben es Experten im Jahr 1980 in das internationale Klassifikationssystem der Psychiatrie DSM III aufgenommen. DSM ist die Abkürzung für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Und später kam dann auch noch das Klassifikationssystem psychischer Störungen ICD-10 als eigene Diagnose dazu. ICD ist die Klassifikationssystem der WHO, Weltgesundheitsorganisation, für medizinische Diagnosen.

Bei der Glücksspielsucht hören die Betroffenen trotz größter negativer persönlicher und sozialer Konsequenzen nicht zum Spielen auf. Das können beispielsweise eine Verschuldung sowie Probleme im persönlichen sowie beruflichen Umfeld sein.

Chronisches, zwanghaftes und pathologisches Spielen ist oft mit einer gedanklichen Beschäftigung im Zusammenhang mit Erfolg versprechenden Spieltechniken oder anderen – auch falschspielerischen –Optionen beim Glücksspiel verbunden. Man kann der Spielsucht schwer widerstehen.

 

Abwärtsspirale ins Unglück: Spielsucht und Depression gehen oft mit Drogen und Schulden einher

Spielsucht und Depression führen häufig auch zu kopflosen Spielaktionen sowie schwerwiegenden finanziellen Konsequenzen mit Schulden. Und daran zerbrechen dann häufig auch Beziehungen. Auch hierzu begleiten meistens Depressionen den ganzen Prozess.

Das Fortsetzten des (Glück-)Spielens soll Probleme oder negative Stimmungen wie Depressionen aber auch Ängste und Schuldgefühle verdrängen. Nicht selten kommt der Missbrauch von Drogen und/oder Alkohol sowie Prostitution zur Spielsucht dazu.

 

Spät oder gar nicht Hilfe suchen

Oft erst sehr spät oder gar nicht wenden sich die Betroffenen unter Spielsucht und Depression leidenden Personen professioneller Hilfe zu. Dabei steht dann in Folge meistens eine psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund. Der Arzt kann aber auch eine medikamentöse Behandelt erwägen.

In verschiedenen Studien haben Wissenschaftler auch entdeckt, dass chronisches, pathologisches Spielen häufig mit Persönlichkeitsstörungen einhergeht. Das gilt besonders für Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

Die Entwicklung von Spielsucht und Depression ist ausserdem häufig mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) in der Kindheit oder vorangegangenen Angststörungen vergesellschaftet.


Literatur:

Molander O, Lindner P, Ramnerö J, Bjureberg J, Carlbring P, Berman AH. Internet-based cognitive behavior therapy for problem gambling in routine care. Protocol for a non-randomized pilot and feasibility trial. Pilot Feasibility Stud. 2020;6:106. Published 2020 Jul 21. doi:10.1186/s40814-020-00647-5

Linnet J, Jeppsen Mensink M, de Neergaard Bonde J, Winterdahl M. Treatment of gambling disorder patients with comorbid depression. Acta Neuropsychiatr. 2017 Dec;29(6):356-362. doi: 10.1017/neu.2017.5. Epub 2017 Mar 27.

Cowie ME, Kim HS, Hodgins DC, McGrath DS, Scanavino MDT, Tavares H. Demographic and psychiatric correlates of compulsive sexual behaviors in gambling disorder. J Behav Addict. 2019 Sep 1;8(3):451-462. doi: 10.1556/2006.8.2019.35. Epub 2019 Aug 16.

Wang HR, Cho H, Kim DJ. Prevalence and correlates of comorbid depression in a nonclinical online sample with DSM-5 internet gaming disorder. J Affect Disord. 2018;226:1–5. doi:10.1016/j.jad.2017.08.005


Quelle: http://www.springer.com

Die mobile Version verlassen