Spezifische Immuntherapie gegen Allergien und Asthma

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Die Spezifische Immuntherapie hilft rasch gegen die Beschwerden, wirkt präventiv gegen Asthma und kann Neusensibilisierungen verhindern.

Adäquate medizinische Hilfe nehmen sehr viele Allergiker häufig viel spät in Anspruch. Denn wenigen Betroffenen ist bewusst, dass die lästigen, jedoch oft nicht weiter tragischen Beschwerden durch Allergien ohne adäquate Diagnostik und Therapie chronisches Asthma oder einen tödlichen Kreislaufschock zur Folge haben können. Aufklärung über diese Risiken und über effektive Therapieoptionen – wie Allergenkarenz, Medikamente, spezifische Immuntherapie etc. – sind hier angezeigt.

Allgemein ist für die Diagnose und die Therapie von Allergien ein umfassendes allergologisches Fachwissen nötig, über das Allergie-Ambulatorien und spezialisierte Fachärzte verfügen.

 

Rasch wesentliche Besserung durch die spezifische Immuntherapie

Grundsätzlich sind bei Allergien eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente Behandlung Voraussetzung für eine langfristige Besserung der Symptomatik – und somit der Lebensqualität – und das Vermeiden von Neusensibilisierungen sowie chronischem Asthma.

In der Behandlung von Allergien steht allem voran die Allergenkarenz, die möglichst konsequent betrieben werden sollte. Neben der Behandlung mit entzündungshemmenden Anti­­­allergika und topischen Kortikosteroiden, die schnell und effektiv die Symptome lindern und zum Teil auch als OTC-Präparate zur Verfügung stehen, ist die kausale Therapie aus dem Allergie-Management nicht mehr wegzudenken.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) bewirkt rasch eine wesentliche Besserung der Beschwerden, die langfristig oder sogar dauerhaft anhält. So wirkt die SIT präventiv gegen Asthma bronchiale und kann Neusensibilisierungen verhindern.

Die spezifische Immuntherapie wird von der WHO als einzige ursächliche Behandlung von Typ-I-Allergien empfohlen. Sie kommt zurzeit bei Pollen-, Milben-, Insektengift-, Tierhaar- und Schimmelpilzallergien zum Einsatz und hat nicht nur einen therapeutischen, sondern auch einen prophylaktischen Effekt: Sie kann sowohl die Entstehung weiterer Allergien als auch allergisches Asthma verhindern bzw. wesentlich hinauszögern. Patienten sprechen schnell und langfristig auf die Therapie an; In der Regel werden die Symptome bereits nach drei bis sechs Monaten schwächer.

 

Wie die spezifische Immuntherapie eingesetzt werden kann

Verschiedene Formen der spezifischen Immuntherapie stehen zur Verfügung: die subkutane, die sublinguale und die orale Anwendung. Viele Patienten scheuen den Aufwand der spezifischen Immuntherapie, vor allem der subkutanen Form, bei der immerhin regelmäßige Ambulatorienbesuche – in immer längeren Abständen – notwendig sind. Darüber hinaus besteht eine gewisse Furcht vor einem etwaigen allergischen Schockzustand bei Verabreichen des Extraktes. Deswegen ist danach ein Aufenthalt von rund einer Stunde nötig. Doch angesichts der Erfolgsrate und der Vermeidung schwerster Folge-Erkrankungen ist diese einzige Form der Therapie einer Allergie meist unumgänglich notwendig.

Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) werden die Allergene in kleinen Mengen unter die Haut des Oberarms gespritzt. Die zwei Therapiephasen sind die Anfangsbehandlung, während der die Allergendosis langsam gesteigert wird (Aufdosierung), und die Fortsetzungsbehandlung mit weiteren Injektionen im Abstand von 4-8 Wochen. Die Therapie erstreckt sich insgesamt über einen Zeitraum von 3 Jahren.

Je nach Präparat ist ein ganzjähriger, flexibler Therapiestart (auch intrasaisonal) möglich. Bei der subkutanen Kurzzeitimmuntherapie wird den Patienten noch kurz vor Beginn der Pollenflugsaison (präsaisonal) über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen in wöchentlichen Abständen 7 Injektionen mit steigender Allergendosis verabreicht. Weitere Injektionen folgen im Abstand von 1-4 Wochen bis 1 Woche vor Beginn des Pollenflugs. Die Therapie sollte in den beiden Folgejahren entsprechend wiederholt werden.

Bei der sublingualen Immuntherapie wird der standardisierte Allergenextrakt von den Patienten selbst 1 x täglich unter die Zunge getropft und von der Mundschleimhaut aufgenommen. Die Therapie wird über einen Zeitraum von 3 Jahren angewendet.

 

Tabletten-Immuntherapie für Gräserpollenallergiker

Seit etwa einem Jahrzehnt ist die sogenannte kausale Tabletten-Immuntherapie für Gräserpollenallergiker zugelassen (die Gräser-Impf-Tablette). Dabei setzt der Patient die Schmelztablette über einen Zeitraum von 3 Jahren 1x täglich an, indem er sie unter die Zunge legt. Schließlich sind die klinischen Ergebnisse mit der oralen SIT-Verabreichung sehr gut.

 

Subkutane Immuntherapie bei der Behandlung von Asthma bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren effektiv

Unlängst gaben nun Forscher einen Überblick zu den diversen Studienergebnissen zur subkutanen Immuntherapie und der sublingualen Immuntherapie bei Kindern. Dabei zeigte sich, dass die subkutane Immuntherapie den Konsum von Asthma-Medikamenten langfrisitig effekiv reduzieren konnte. Allerdings konnten die Forscher bei der sublingualen Immuntherapie nur moderate Vorteile nachweisen.

Literatur:

Rice JL, Diette GB2, Suarez-Cuervo C, Brigham EP, Lin SY, Ramanathan M Jr, Robinson KA, Azar A. Allergen-Specific Immunotherapy in the Treatment of Pediatric Asthma: A Systematic Review. Pediatrics. 2018 May;141(5). pii: e20173833. doi: 10.1542/peds.2017-3833. Epub 2018 Mar 23.

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