Spermien älterer Männer bringen Risiken für Mutter und Kind

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Eine späte Vaterschaft birgt Risiken für Mutter und Kind. Denn auch Spermien altern. Deswegen brauchen älterer Paare mit Kinderwunsch professionelle Beratung.

Auch Spermien unterliegen Alterungsprozesse, wobei die DNA der Samenzellen im Laufe der Jahre Schaden nehmen kann. Infolge kann das Risiko von Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Nachwuchses steigen. Außerdem treten bei den werdenden Mütter häufiger Komplikationen in der Schwangerschaft auf. Deswegen brauchen ältere Paare mit Kinderwunsch umfassende Beratung und Aufklärung.

Sowohl Mütter als auch Väter werden immer älter. Demgemäß steigt das Durchschnittsalter der Frau bei der Geburt des ersten Kindes kontinuierlich. So waren Frauen 2007 im Schnitt 29,8 Jahre, hingegen waren es 2017 laut Statistischem Bundesamt 31,2 Jahren. „Mögliche Risiken einer späten Elternschaft wurden lange Zeit hauptsächlich in Bezug auf das Alter der Frau betrachtet. Der Einfluss des Alters des Vaters wurde bislang vernachlässigt“, berichtet Universitätsprofessor Dr. rer. nat Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster.

 

Spermien-DNA

Während der lebenslange Keimzellen-Pool von Frauen, bestehend aus rund 400.000 unreifen Eizellen pro Eierstock, bereits zum Zeitpunkt der Geburt angelegt ist und ab diesem Datum altert, produzieren Männer im Laufe ihres Lebens Millionen von Spermien täglich immer wieder neu.

„Daraus leitete sich die Annahme ab, männliche Keimzellen würden nicht altern“, erklärt Schlatt. Dabei würde jedoch nicht berücksichtigt, dass auch bei älteren Männern die Integrität der Spermien-DNA beeinträchtigt sein könnte. Etwa durch genetische sowie epigenetische Veränderungen. „Das dadurch verursachte veränderte Ablesen von Genen könnte sowohl die Embryonal- als auch die Plazentaentwicklung beeinträchtigen“, so Professor Schlatt.

 

Auswirkungen das Alter der Eltern für die Gesundheit von Mutter und Kind

Eine aktuell im British Medical Journal veröffentlichte populationsbasierte Kohortenstudie untersuchte, welche Auswirkungen das Alter der Eltern für die Gesundheit von Mutter und Kind hat. Die Forscher werteten die vorliegenden Daten von mehr als 40,5 Millionen Lebendgeburten in den USA zwischen 2007 und 2016 aus. Sie erfassten neben verschiedenen Angaben zur Person (wie soziale Herkunft, Schulbildung, Nationalität) auch das Alter der Väter.

Registriert wurden Ereignisse wie Frühgeburtlichkeit (Schwangerschaftsdauer unter 37 Schwangerschafts­wochen), ein geringes Geburtsgewicht (unter 2 500 Gramm), Atemhilfe nach Geburt, Aufnahme auf eine neonatologische Intensivstation, Antibiotikagabe sowie das Auftreten von Krampfanfällen. Bei der Gesundheit der Mütter wurde vor allem nach Schwangerschaftsdiabetes und -vergiftung (Präeklampsie sowie Eklampsie) geschaut.

Das Ergebnis zeigt, dass die Schwangerschaften mit den ältesten Vätern den ungünstigsten Verlauf nahmen. Ein Alter des Vaters ab 45 Jahren ging im Vergleich zum Referenzalter zwischen 25 und 34 Jahren mit einem signifikant höheren Risiko für eine Frühgeburt sowie für ein niedriges Geburtsgewicht einher. Die Kinder der ältesten Väter benötigten auch deutlich häufiger eine Atemunterstützung nach der Geburt sowie Behandlung in eine neonatologischen Intensivstation.

 

Risiko für Schwangerschaftsdiabetes

Das Risiko für die Frau, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, nahm bei einem Vater im Alter zwischen 45 und 54 Jahren um 28 Prozent und bei einem Alter des Mannes ab 55 Jahre um 34 Prozent zu. Das Risiko für die schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen Präeklampsie und Eklampsie bei der Mutter war mit alten Vätern jedoch nicht höher.

 

Kryokonservierung

„Diese Studie macht deutlich, dass ein höheres Alter des Vaters Komplikationen beim Kind und der Mutter begünstigt. Andere frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie ebenfalls mit dem Alter des Vaters assoziiert sind“, ergänzt Schlatt. Ob und welche Risiken in der alternden Keimzelle genau auftreten, werde zurzeit intensiv erforscht, berichtet der Androloge.

Jedenfalls können die gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind gravierend sein. Deswegen sollten Paare mit Kinderwunsch auch darauf hingewiesen werden, dass mit steigendem väterlichem Alter die Spermien Qualität verlieren. Außerdem nimmt die Gefahr weiterer altersbedingter Risikofaktoren zu. Unter diesem Gesichtspunkt sollten Männer unter 40 Jahren daher darüber nachdenken, ob das Einfrieren ihrer Spermien (Kryokonservierung) eine Option sein könnte.

Literatur:

Khandwala YS et al. Association of paternal age with perinatal outcomes between 2007 and 2016 in the United States: population based cohort study. BMJ 2018; 363: k4372. DOI: 10.1136/bmj.k4372. https://www.bmj.com/content/363/bmj.k4372

Lorenz J. Höheres Alter der Väter begünstigt neonatale Komplikationen. Z Geburtshilfe Neonatol 2019; 223(01): 11-12. DOI: 10.1055/a-0818-8072. https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-0818-8072

Gromoll J, Tüttelmann F, Kliesch S. Social freezing – the male perspective. Der Urologe 55(1),· November 2015. DOI: 10.1007/s00120-015-3943-8. https://www.springermedizin.de/andrologie/fertilitaet-und-kinderwunsch/social-freezing-die-maennliche-seite/8081712


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

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