Skin Picking, Dermatillomanie: Die große Sucht nach reiner Haut

Viele Menschen kennen den Skin Picking Drang (Dermatillomanie), an der eigenen Haut Pickel oder Mitesser auszudrücken. © cheryl casey / shutterstock.com

Viele Menschen kennen den Skin Picking Drang (Dermatillomanie), an der eigenen Haut Pickel oder Mitesser auszudrücken. © cheryl casey / shutterstock.com

Skin Picking, Dermatillomanie, ist die Sucht nach reiner Haut, die die Betroffenen dazu bringt, an der eigenen Haut zu kratzen und zu zupfen.

Das Skin Picking – auch Dermatillomanie genannt – geschieht meist im Verborgenen, aber die Folgen sind unübersehbar, denn das zwanghafte Kratzen und Zupfen an der ­eigenen Haut hinterlässt deutliche Spuren. Dabei ist die Zwangsstörung mit erheblicher Komorbidität und psychosozialer Dysfunktion verbunden. Die Erkrankung betrifft in allen Studien wesentlich mehr Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter ist aber unterschiedlich: von der Jugend bis ins höhere Erwachsenenalter.

Wichtig ist jedenfalls, Skin Picking, Dermatillomanie, ausführlich klinisch und dermatologisch zu untersuchen, die Ursachen zu erheben sowie eine multidisziplinäre Therapie einzuleiten.

Eine aktuelle US-Studie zeigte übrigens, dass Skin Picking in der Allgemeinbevölkerung relativ häufig sind und typischerweise verschiedene Begleiterkrankungen auftreten.

Eine andere Forschungarbeit fand heraus, dass Skin Picking speziell in höherem Alter sehr häufig der Grund für Scheidungen ist.

 

Skin Picking – Dermatillomanie

Im Grunde genommen ist Skin Picking eine psychische Erkrankung, die eben durch wiederholtes Zupfen und Kratzen der Haut gekennzeichnet ist. Es kommt dabei zu Gewebeschäden sowie Funktionsstörungen sowie Belastungen.

Viele Menschen kennen den Drang, an der eigenen Haut Pickel oder Mitesser auszudrücken. Bis zu einem gewissen Ausmass wird dieses angeborenes Verhalten der Selbstpflege zugeschrieben. Häufig sind Gesicht, Hals, Schultern, Brust und Hände betroffen. Die negativen gesundheitlichen Konsequenzen ist den Betroffenen bewusst, sie können das aber nicht verhindern.

Manchmal können sie gar nicht mehr damit aufhören und bearbeiten über lange Zeiträume hinweg selbst kleinste Hautunreinheiten hinter verschlossenen Privaträumen. Manche melden sich sogar bei der Arbeit krank, um ihre Skin Picking-Sucht ausleben zu können.

 

Skin Picking: Dermatillomanie hinterlässt deutliche Spuren

Durch Skin Picking belastete Hautpartien sehen oft so mitgenommen aus. Die betroffenen Menschen trauen sich dann nicht mehr in die Öffentlichkeit. Nicht selten führen die Wunden zu Entzündungen und es können Narben entstehen. Viele Menschen leiden Jahre lang, können aber nicht aufhören – oft müssen Betroffene stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

Dabei ist das Problem der Dermatillomanie nicht neu und auch nicht selten. Mehr als Prozent der Bevölkerung sollen darunter leiden. In den letzten Jahren ist allerdings das Problembewusstsein größer genommen. Die Ursachen für die Zwangsstörung Skin Picking liegen aber im Dunkeln.

Möglicherweise hängt die Zwangsstörung Skin Picking mit dem Schönheitsideal in unserer Gesellschaft zusammen. Dementsprechend sollte die Haut perfekt aussehen, und die betroffene Person akzeptiert ihre Hautunreinheiten nicht. Hier liegt die Verbindung der Zwangsstörung: Die Patienten füh­len sich unrein und müssen deshalb Pickel, Mitesser oder eingewachsenen Haare beseitigen.

Andere Betroffenen kratzen und zupfen aus einem Impuls heraus – beispielsweise, um Stress abzubauen. Häufig treten beide Formen des Skin Picking parallel auf. Viele Patienten berichten weiters über depressive Phasen oder Ängste. Nicht nur im Gesicht, sondern auch in Körperregionen, die einfacher zu verstecken sind, kratzen und drücken die Betroffenen: am Rücken, im Brustbereich oder an den Beinen.

Manche Skin Picking-Betroffenen greifen zu Scheren, Pinzetten oder Messern. Andere kratzen auch den Schorf alter Wunden wieder ab. Paradox daran ist, dass das eigentliche Ziel, Hautunreinheiten zu beseitigen, konterkariert wird und stattdessen die Haut nach dementsprechender Bearbeitung von roten Stellen, Quaddeln und blutigen Wunden übersät ist.

 

Psychotherapeutische und medikamentöse Therapien bei Dermatillomanie

Betroffene befinden sie sich beim Skin Picking oft in einer Art Trance und spüren Schmerzen nicht. Spätestens sobald eine durch die Dermatillomanie betroffene Person im Alltag eingeschränkt ist, sollte eine Arzt einbezogen werden, der entscheiden muss, ob eine ambulante oder gar stationäre Therapie notwendig ist. Die Heilungschancen liegen laut der Psychologen durch Psychotherapeutische Intervention gut.

Die Patienten finden während der Behandlung heraus, in welchen Situationen oder zu welchen Anlässen sie ihre Haut malträtieren und lernen gemeinsam mit dem Therapeuten, dem Drang bewusst zu widerstehen. Daneben probieren sie alternative Methoden zum Spannungsabbau aus, wie das Kneten eines Balls oder das Ausführen einer bestimmten Handbewegung. Sie werden auch motiviert, gängige Schönheitsideale zu hinterfragen. Besonders wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass man der Zwangsstörung Dermatillomanie nicht ausgeliefert ist und sie bekämpfen kann.

Medikamentös kann man eine Behandlung der Dermatillomanie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Antipsychotika und glutaminergen modulierenden Wirkstoffe versuchen. Dabei konnten Studien zeigen gezeigt, dass SSRIs und N-Acetylcystein die wirksamsten medikamentösen Therapien sind.


Literatur:

Muhlbauer JE, Ferrão YA, Eppingstall J, Albertella L, do Rosário MC, Miguel EC, Fontenelle LF. Predicting marriage and divorce in obsessive-compulsive disorder. J Sex Marital Ther. 2020 Aug 12:1-9. doi: 10.1080/0092623X.2020.1804021. Epub ahead of print. PMID: 32783604.

Grant JE, Chamberlain SR. Prevalence of skin picking (excoriation) disorder [published online ahead of print, 2020 Jul 29]. J Psychiatr Res. 2020;130:57-60. doi:10.1016/j.jpsychires.2020.06.033

Jafferany M, Patel A. Skin Picking Disorder: A Guide to Diagnosis and Management. CNS Drugs. 2019 Apr;33(4):337-346. doi: 10.1007/s40263-019-00621-7.

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