Simeprevir bei chronischer Hepatitis

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Das komplexe Molekül Simeprevir ist schwer löslich und wenig permeabel und wird als sprühgetrocknetes Natrium-Salz angewendet.

Etwa 170 Millionen Menschen leiden weltweit an einer chronischen Hepatitis-C-Virus-Infektion. Die neuen wirksamen Therapien sind sehr teuer und nur für etwa 10 Millionen Europäer und Amerikaner verfügbar. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe gehören in den Industrienationen mittlerweile zum Behandlungsstandard, wobei verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung stehen. Schließlich ist ein interessierter Wirkstoffkandidat dieser Gruppe das Simeprevir.

 

Simeprevir im Fokus

Der Proteasehemmer muss nur einmal täglich eingesetzt werden, was im Vergleich zu anderen Wirkstoffen wie Telaprevir und Boceprevir von Vorteil ist. Simeprevir gilt als besser verträglich und führt zu weniger kritische Interaktionen mit anderen Substanzen.

Simeprevir ist ein spezifischer Inhibitor der HCV-NS3/4A-Serinprotease, die für die virale Replikation essenziell ist. In einem biochemischen Assay hemmte Simeprevir die proteolytische Aktivität von rekombinanten HCV-Genotyp-1a- und -1b-NS3/4A-Proteasen.

Anwendung. Simeprevir wird zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Hepatitis C eingesetzt. Der sogenannte Proteasehemmer darf nicht als Monotherapie, sondern nur in Kombination mit anderen Hepatitis-C-Arzneimitteln angewendet werden, wobei sich der Wirkstoff bei HCV-Patienten vom Genotyp 1 und 4 sowohl bei Therapienaiven als auch bei Therapieversagern als erfolgreich erwiesen hat.

Pharmakokinetik. Die Bioverfügbarkeit des Proteasehemmers beträgt 62 %. Nahrung erhöht die AUC um 61 bis 69 %, der cmax tritt nach 4 bis 6 Stunden ein. Daher sollte Simeprevir mit einer Mahlzeit eingenommen werden, einmal täglich über 12 Wochen.

Dosierung. Die Dosis darf nicht verringert, die Therapie nicht unterbrochen werden, damit es nicht zu einem virologischen Therapieversagen kommt. Sollte die Behandlung abgebrochen werden müssen, kann der Behandlung kann Simeprevir nicht neuerlich eingesetzt werden.

Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Simeprevir sind Übelkeit, Hautausschlag, Pruritus, Dyspnoe, Anstieg der Bilirubinkonzentration im Blut und Photosensitivitätsreaktion. Aufgrund von Nebenwirkungen wurde die Behandlung bei etwa 1 % der Patienten, die eine Kombinationstherapie mit Simeprevir und Peginterferon alfa sowie Ribavirin erhielten, abgebrochen.

 

Hepatitis-C-Virus-Infektion ohne klare Symptome

Die Dunkelziffer von Patienten mit Hepatitis-C-Virus-Infektion ist sehr hoch. Denn Hepatitis-C hat keine klaren Symptome. Das häufigste Symptom Müdigkeit ist sehr unspezifisch. Meistens wird Hepatitis C – der Entzündung der Leber aufgrund einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus – zufällig anhand schlechter Leberwerte entdeckt. Eine Gelbsucht kann – muss aber nicht – mit einer Infektion einhergehen.

Übertragen wird Hepatitis C über das Blut, etwa bei Tätowierungen, bei Drogenkonsum mit Spritzen, kontaminierte Blutkonserven usw. Die Infektion kann bereits Jahre bis Jahrzehnte zurückliegen. Eine Übertragung im Alltag ist praktisch nicht möglich. Menschen, die in Risikogruppen fallen, sollten sich testen lassen.

 

Früherkennung sowie Durchführung von Screenings

Unlängst wurden in einer Studie die Auswirkungen unterschiedlicher Behandlungsstrategien auf die Mortalität sowie auf Folgekosten von Hepatitis C untersucht. Auf Grund der Resultate plädierten die Wissenschaftler für ein früheres medikamentöses Eingreifen und die Durchführung von Screenings.

Mit einer frühzeitigen Hepatitis C-Therapie kann die Sterblichkeit um 90 Prozent gesenkt und die langfristige Entwicklung der Krankheitskosten positiv beeinflusst werden. Der Grund: Frühe Behandlungen können so die schweren Hepatitis-Folgeschäden und die entsprechenden Folgekosten reduzieren.

 

Fazit

Jedenfalls besteht die Herausforderung für Proteasehemmer – einschließlich Simeprevir sowie neuer Hepatitis-C-Virus-Behandlungsoptionen – darin, die SVR-Raten (das virologische Ansprechen) in Kombination mit der Standardversorgung zu optimieren. Schließlich soll der Wirkstoff gleichzeitig die Behandlungsdauer verkürzen. Jedenfalls wurde bislang die Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik der neueren Arzneimittel auch bei Kindern nicht nachgewiesen. Dementsprechend sind diese Arzneimittel nicht für die Anwendung bei Patienten unter 18 Jahren zugelassen.

Simeprevir unterscheidet sich von den anderen Proteasehemmern der ersten Generation darin, dass es einmal täglich verabreicht wird und ein unterschiedliches Verträglichkeits- sowie Resistenzprofil aufweist. Die untersuchte Dreifachtherapie ermöglicht es, die Behandlungsdauer von 48 Wochen oder länger auf 12 oder 24 Wochen zu verkürzen.

Literatur:

Laure Izquierdo, François Helle, Catherine François, Sandrine Castelain, Gilles Duverlie, Etienne Brochot. Simeprevir for the treatment of hepatitis C virus infection. Pharmgenomics Pers Med. 2014; 7: 241–249. Published online 2014 Aug 14. doi: 10.2147/PGPM.S52715

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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