Sildenafil gegen erektile Dysfunktion

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Sildenafil zählt weltweit zu den bekanntesten Wirkstoffen – vor allem aber sein Markenname Viagra. Mittlerweile sind zahlreiche generische Sildenafil haltige Präparate am Markt.

Selten zuvor hat die Entdeckung eines Wirkstoffes ein derartiges Aufsehen unter dem Laienpublikum ausgelöst. Vor allem die Markteinführung von Sildenafil hat weiland enorme Beachtung in der Medienwelt gefunden: 1998 kam in den USA Viagra mit dem Wirkstoff Sildenafil auf den Markt.

In nur wenigen Tagen war die oral zu verabreichende »blaue Pille« mit Sildenafil, um eine Erektile Dysfunktion (ED) zu behandeln, weltweit bekannt – seine Entwicklung hat auch tatsächlich die Therapie der ED revolutioniert. Sildenafil wird aber auch sehr oft als Life-Style-Droge misbraucht. Neben sind heute zahlreiche Sildenafil-Generika am Markt erhältlich.

 

Sildenafil gegen Erektionsstörungen

Sildenafil war ein großer Fortschritt für viele Männer, deren Sexualleben aufgrund wiederkehrender Erektionsstörungen sehr beeinträchtigt waren. Besonders die orale Darreichungsform von Sildenafil erwies sich als großer Fortschritt.

Bis zur Einführung stand oral nur das Phytopharmakon Yohimbin zur Verfügung, dessen Wirksamkeit jedoch ausschließlich bei psychogener und nicht bei organisch bedingter Erektiler Dysfunktion bestand.

Bei organischen Erektionsstörungen konnten Männer nur auf intrakavernös per injectionem zu verabreichende Präparate wie Alprostadil und Papaverinpräparate zurückgreifen.

 

Erektile Dysfunktion unter der Lupe

Der Terminus »Erektile Dysfunktion« wurde 1992 von der National Institutes of Health (NIH) Consensus Development Conference on Impotence als „Unfähigkeit eine ausreichende Erektion zu erlangen oder so lange aufrecht zu erhalten, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu haben“ – sprich Erektionsstörungen – definiert. Ihr liegt oft eine organische Problematik zu Grunde: Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung, Diabetes, Schädigung oder Verkalkung von Blutgefäßen, aber auch Nikotin- oder Medikamentenzufuhr.

Auch psychische Ursachen sollte man nicht unbeachtet lassen, denn Leistungsdruck, berufsbedingter Stress, Konflikte in der Partnerschaft und Depressionen gehören zu den vorrangigen Ursachen von Erektionsstörungen.

Oftmals bilden auch organische Störungen in sensiblen Wechselwirkungen mit psychischen Leiden ein komplexes Zusammenspiel und damit ein ernstzunehmendes Krankheitsbild. Schätzungen zufolge macht jeder dritte Mann im Laufe seines Lebens zumindest vorübergehend Erfahrungen dieser Art.

Wider häufiger Annahmen ist die Erektile Dysfunktion aber nicht ausschließlich eine Begleiterscheinung des Älterwerdens. Zwar entspricht es den Fakten, dass das Problem mit zunehmendem Alter an Häufigkeit zunimmt, aber auch viele junge Männer sind davon betroffen.

 

Wie Sildenafil angewendet wird und wirkt

Sildenafil gehört zur Gruppe der selektiven cGMP-spezifischen Phosphodiesterase 5 (PDE-5)-Hemmer und verfügt sowohl bei psychogener als auch somatisch bedingter Erektiler Dysfunktion über eine proerektile Wirkung. Mehrere Studien belegen nicht nur bei Patienten mit Hypertonie, Diabetes mellitus oder Prostataektomie gute Wirksamkeit. Auch bei Patienten mit Rückenmarkverletzungen oder psychischen Störungen konnte die proerektile Wirkung Sildenafils festgestellt werden.

Bei hinreichender sexueller Erregung kommt es in erster Instanz zu einer lokalen Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) aus NANC-Nervenendungen oder aus dem Endothel nach ACH-Freisetzung aus parasympathischen Nervenendungen. Dies wiederum führt über membrangebundene G-Proteine zur Produktion zyklischen Guanosinmonophosphats (cGMP) in den entsprechenden Muskelzellen. In der glatten Muskulatur der Arterienwände im Corpus cavernosum des Penis kommt es zur gewünschten Entspannung, der Gefäßquerschnitt nimmt zu und schafft die Voraussetzung für den arteriellen Blutfluss in die Schwellkörper,

 

Auslöser der Erektion

Die Rolle des molekularen Gegenspielers des cGMP übernimmt das ­Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5), welches für die erfolgreiche Spaltung des cGMPs zuständig ist. Sildenafil bewirkt eine PDE-5-Blockade und sorgt dafür, dass auch geringe Mengen von cGMP zur Erektion führen.

Auch Non-Responder unter den Betroffenen können Untersuchungen zufolge davon profitieren. So wurde gezeigt, dass Sildenafil, bei vorhergehender Arginin-Verabreichung, auch in diesem Betroffenenkreis wirkt.

Darüber hinaus konnte man einen Einsparungseffekt bei der Dosierung feststellen: Arginin setzt ebenfalls Stickstoffmonoxid frei, welches eine Dilatation der Blutgefäße bewirkt.

 

Sildenafil wird oft gefälscht

Aufgrund des sensiblen Indikationsbereiches und »dank« der Medien sowie dem Internet, in dem Sildenafil rezeptfrei und meist gefälscht kursiert, ist das Arzneimittel in die Nähe einer »verpönten Lustdroge« gerutscht. Hier ist großer Aufklärungsbedarf gegeben. So sind Sildenafil-Präparate keinesfalls als »on demand«-Medikamente oder als Aphrodisiakum einsetzbar.

Die lokale Freisetzung des ­cGMP geschieht aus­schließlich aufgrund einer durch sexuelle Stimulation hervorgerufenen NO-Produktion. Bleibt also die entsprechende Stimulation und somit die Freisetzung von Stickstoffmonoxid aus, zeigt Sildenafil keine Wirkung.

Sildenafil ist somit keineswegs libidofördernd und der Begriff »Lustmittel« völlig fehl am Platz. Zahlreiche Hersteller überfluten den Markt mit so genannten potenzfördernden Mitteln – so vielversprechend und durchaus fantasiebegabt die Namen auch klingen: Der Inhalt taugt meist rein gar nichts und ist oft sogar gesundheitsgefährdend.

Besonders im Internet ist Vorsicht geboten – nahezu keines der vermeintlich ähnlichen Präparate, die via Internet problemlos und uneingeschränkt erworben werden können, entspricht der geforderten Sicherheit, Wirksamkeit, Zusammensetzung sowie Herstellungsqualität.

Es kursieren Wirkstoffkopien minderwertiger Qualität, gefährliche ähnliche Wirkstoffe, oft auch mit beigemengten lebensgefährlichen toxischen Stoffen. Für den Wirkstoff Sildenafil wurden mehr als 40 unterschiedliche, illegale Abkömmlinge nachgewiesen.

 

Dosierung von Sildenafil

Da die Dosierung von Sildenafil einiges an Spielraum in Bezug auf den individuellen Fall zulässt, wird sie vom Arzt entsprechend angepasst. Grundsätzlich sind die Filmtabletten in den Stärken 25 mg, 50 mg sowie 100 mg erhältlich. Um eine gewünschte Dosierung zu erreichen, können auch mehrere niedrig dosierte Tabletten gleichzeitig eingenommen werden.

Die am häufigsten empfohlene Dosis liegt bei 50 mg – nur in seltenen Fällen kommt es zu einer Unter- oder Überschreitung dieser Menge, die stets als Einzeldosis verabreicht wird. Je nach Verträglichkeit und Wirksamkeit kann eine Verringerung auf 25 mg oder eine Erhöhung auf maximal 100 mg stattfinden.

Mögliche Gründe für eine Mengenreduktion sind beispielsweise Funktionsstörungen von Niere oder Leber. Optimal ist die Einnahme eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr, nüchtern und mit ausreichend Wasser.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich Interaktionen mit anderen Arzneimitteln sollten Patienten mit Leber- oder schwerer Nierenfunktionsstörung oder jene, die Wirkstoffe wie Ketoconazol, Erythromycin oder Cimetidin einnehmen, einhalten. Hier kann es zu einem verzögerten Sildenafilabbau kommen – empfohlene Dosis: 25 mg.

 

Pharmakokinetik von Sildenafil – gleichzeitige Einnahme fettreicher Nahrung vermeiden

Der wahrscheinlich wichtigste Vorzug dieses Präparates ist seine orale und somit unkomplizierte und unauffällige Verabreichung – stellt dies doch eine enorme Entlastung gegenüber früheren lokal angewandten potenzfördernden Injektionen dar. Der oralen Einnahme des Wirkstoffes folgt eine rasche Resorption, sodass so binnen 30 Minuten maximale Plasmaspiegel erreicht werden. Voraussetzung dafür ist der Verzicht auf eine Kombination mit einer fettreichen Mahlzeit. Wird das Arzneimittel in Verbindung mit nahrhafter Kost eingenommen, so dauert es etwa eine Stunde länger, bis maximale Spiegel erreicht sind; gegenüber der Nüchterneinnahme sind die maximalen Plasmakonzentrationen dann um etwa 30% erniedrigt.

Sildenafil erreicht eine Bioverfügbarkeit von etwa 40 Prozent und wird in der Leber – mittels Zytochrome – verstoffwechselt. Hauptrolle in diesem Metabolisierungsprozess spielt das Enzym CYP 3A4. Die Demethylierung führt zu einem Metaboliten, der pharmakologisch ähnlich wirkt, jedoch eine herabgesetzte Aktivität aufweist.

Sildenafil und sein Hauptmetabolit haben eine terminale Plasmahalbwertszeit von etwa 4 Stunden. Bei Männern über 65 Jahren sowie bei solchen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist die Clearance der Substanz herabgesetzt. Etwa 80% der Substanz findet sich in metabolisierter Form im Stuhl, etwa 13% im Urin.

 

Nebenwirkungen von Sildenafil

Am häufigsten kämpfen Patienten mit vorübergehenden Kopfschmerzen und Gesichtsröte. Zu den als häufig gelisteten Nebenwirkungen gehören auch Schwindel, verstopfte Nase, Herzklopfen oder Sehbeeinträchtigungen.

Weiters wurde in Studien gezeigt, dass Sildenafil die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten verstärkt, daher darf das Arzneimittel nicht von Personen angewendet werden, die Nitrate in jeglicher Form einnehmen.

Von der gleichzeitigen Einnahme von Silde­nafil mit bestimmten AIDS-Medikamenten wird ebenfalls abgeraten, da diese Medikamente den Abbau von Sildenafil behindern.

Nach der anfänglichen Euphorie, die die Einführung von Sildenafil begleitet hatte, kam es sehr schnell zu Kritik, denn es wurde unterstellt, dass mehr als 100 Männer nach Einnahme von Sildenafil einem Herztod erlagen.

Es zeigte sich jedoch als nicht erwiesen, dass die Verstorbenen aufgrund der Sildenafil-Einnahme, und nicht aufgrund der sexuellen Anstrengungen, starben – Analysen der Vorfälle konnten eine mögliche Gefahr für das Herz ebenfalls nicht bestätigen. Weiterführende Studien untermauerten diese Ergebnisse: Bei Probanden, die nur ein Placebo erhielten, war das Auftreten eines Herzinfarktes ebenso häufig.

Fazit. Entgegen vielfacher Falschinformationen ist Sildenafil ein Arzneimittel und kein Aphrodisiakum, keine »Lustpille« und keine »Life-Style-Droge«. In der Behandlung der Erektilen Dysfunktion stellt Sildenafil im Bereich Sexual Health einen großen Fortschritt dar, sofern eine eingehende Anamnese durchgeführt und etwaige Kontraindikationen minutiös berücksichtigt werden.

Quellen und weiterführende Informationen:

http://www.drugs.com/pro/viagra.html

http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/medicines/human/medicines/000202/human_med_001136.jsp&mid=WC0b01ac058001d124

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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