Sicca Syndrom – ein Gefühl wie Sandkörner in den Augen

Trockene Augen (Sicca Syndrom) verursachen ein Gefühle wie Sankörner in den Augen zu haben. © Lennon Photo / shutterstock.com

Trockene Augen (Sicca Syndrom) verursachen ein Gefühle wie Sankörner in den Augen zu haben. © Lennon Photo / shutterstock.com

Bei einem Sicca Syndrom – medizinisch für Trockene Augen – haben betroffene Patienten ein Gefühl, wie wenn Sandkörner in den Augen wären.

Beim Sicca-Syndrom haben Betroffene das Gefühl, dass ständig kleine Sandkörner in den Augen reiben. Die Augen tränen und sind gerötet sind. Bereits jeder 5. Österreicher über 40 Jahre leidet an trockenen Augen, wofür der medizinische Fachausdruck Sicca Syndrom steht.

Das Wort „siccus“ kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „trocken“. Das Sicca-Syndrom ist also ein Trockenheitssyndrom, das neben den Augen aber auch Haut und Schleimhäute befallen kann. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Krankheit unbekannt und hat, wenn überhaupt, nur ältere Menschen betroffen.

Das am Sicca-Syndrom nun immer mehr junge Menschen leiden, dürfte einerseits mit den sich stark wandelnden Freizeit- und Arbeitsumfeldbedingungen, aber auch mit verbesserten diagnostischen Möglichkeiten zusammenhängen.

 

Trockene Schleimhäute durch das Sicca-Syndrom

Anhand verschiedener unterschiedlicher Symptome ist das Sicca-Syndrom erkennbar. Zu diesen Symptomen zählen eben das Gefühl von Sandkörnern in den Augen, die ständig reiben. Auch Kratzen und Brennen der Augen, Lichtempfindlichkeit, gerötete Bindehäute und verstärktes Tränen sind typisch für die Erkrankung. Es kommt zu Schleierbildungen und einer Verschlechterung der Sehleistung.

Wenn das Sicca-Syndrom nicht rechtzeitig therapiert wird, so kann es zu vermehrten Augeninfektionen kommen. Denn die Tränenflüssigkeit, die hier zu wenig gebildet wird, wirkt beim gesunden Auge antibakteriell und vernichtet so für das Auge gefährliche Keime. Zusätzlich reibt bei zu wenig Tränenflüssigkeit das Augenlid ständig auf der Hornhaut und macht kleine Schürfwunden und Kratzer. Über solche Wunden dringen dann wieder leicht Bakterien ins Auge ein. Es kommt zu kleinen Geschwüren, die mit Narben ausheilen. Und das beeinträchtigt dauerhaft unser Sehvermögen.

Neben den Augen berichten viele Betroffene auch über eine unangenehme Mundtrockenheit und Schwellung der Speicheldrüsen, weiters über trockene Haut am ganzen Körper mit Schuppenbildung und über allgemein trockene Schleimhäute. Dies führt vor allem im Genitalbereich zu Entzündungen, die sehr unangenehm sind.

So weit sollte es dank der heute zur Verfügung stehenden guten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten aber nicht kommen.

 

Vielfältige Ursachen, warum man ein Gefühl wie Sandkörner in den Augen entwickelt

Für einen Teil der Menschen mit trockenen Augen verursachen Lebens-, Freizeit und Arbeitsstil ein Sicca-Syndrom. Dazu zählt stundenlanges konzentriertes Sitzen vor dem Computerbildschirm, was die Augen enorm anstrengt. Dabei vergisst man oft für längere Zeit auf das Blinzeln, wodurch der Lidschlag, der die Tränenflüssigkeit auf der Augenoberfläche (Hornhaut und Bindehaut) verteilen soll, seltener wird, was zum Austrocknen der Schleimhäute führt.

Auch Kontaktlinsenträger sind gefährdet, da Reibephänomene besonders bei harten Linsen häufig sind. Ständiger Luftzug von Klimaanlagen und Tabakrauch, Allergien auf Gräser und Pollen, häufige Entzündungen aber auch manche Augentropfen trocknen unsere Augen zusätzlich aus. Nicht zu vergessen sind als Verursacher Hormonumstellungen, wie sie bei Frauen im Wechsel, bei Schwangerschaft oder bei einer Hormontherapie vorkommen.

Weiter kann ein Sicca-Syndrom auch chronisch sein. Dann ist die Erkrankung meist genetisch bedingt und kann schon im Kindesalter auftreten. Man spricht hierbei von einer Autoimmunerkrankung. Krankhafte Immunzellen greifen dabei Tränen- und Speicheldrüsen an. Neben einer verringerten Produktion von Tränenflüssigkeit wird gleichzeitig weniger Speichel produziert, was zu Mundtrockenheit führt.

Auch trockene Nasenschleimhäute, die für Infekt anfällig sind, und generell eine Trockenheit von Haut und Schleimhäuten (auch im Genitalbereich) sind für das genetische Sicca-Syndrom typisch. Hierzu sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer (Verhältnis 9:1). Auch Durchblutungsstörungen an den Händen und Füßen sind als Begleitphänomen anzutreffen. Speziell bei Kälteeinwirkung verfärben sich die Finger und Hände bläulich bis weißlich.

Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Nervenstörungen mit Kribbeln und dem Gefühl von Ameisenlaufen in Armen und Beinen gehören ebenfalls zu diesem Syndrom. Bei dieser erblichen Form findet man bei Blutanalysen auch ganz bestimmt Antikörper. Das sind Immunphänomene, die besonders gerne auch bei rheumatischen Erkrankungen vorkommen.

 

Sicca Syndrom in Kombination mit anderen chronischen Erkrankungen

Darüber hinaus tritt ein Sicca-Syndrom oft in Kombination mit anderen chronischen Leiden wie Rheuma, Diabetes, Schilddrüsenstörungen und verschiedenen Autoimmunerkrankungen an Gelenken, Muskeln und Bindegewebe sowie bei Hauterkrankungen auf.

Unter den rheumatische Leiden gehen besonders oft die rheumatoide Arthritis, eine chronische Gelenkentzündung, die Psoriasisarthritis, das ist die Kombination einer Schuppenflechte mit einer Gelenkentzündung, und der Morbus Bechterew, das ist eine schmerzhafte Entzündung der Wirbelsäule, mit trockenen Augen einher. Beim Sjögren-Syndrom, der chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis und der Gruppe der Kollagenosen zugehörig, Mund- und Augentrockenheit typische Symptome.

Auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie dem Lupus und Muskelentzündungen am ganzen Körper oder Entzündungen des Bindegewebes und der Blutgefäße sind trockene Augen häufig zu finden. Alle Erkrankungen, die selbst einen genetischen Ursprung haben und bei denen im Blut Rheumafaktoren und andere Antikörper des Immunsystems nachgewiesen werden können.

 

Genaue Abklärung

Bei einem Sicca-Syndrom sollte unbedingt eine genaue Abklärung der möglichen Ursachen erfolgen. Neben der Konsultation eines Augenarztes ist vor allem bei chronischen Augenbeschwerden eine gründliche internistische und rheumatologische Abklärung (Blutuntersuchungen mit Rheumafaktoren, Hormonen, Schilddrüsenwerten, Entzündungsparametern, Immunstatus) notwendig, um der Ursache der Augenerkrankung auf den Grund zu gehen. Auch das Befragen nach Gelenks- und Muskelschmerzen oder sogar Entzündungen der Gelenke ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig.

Der Augenarzt sollte jedenfalls einen sogenannten „Schirmer-Test“ durchführen. Hierbei wird mit einem kleinen Löschpapierstreifchen, welches in das Augenlid eingehängt wird, die Menge an Tränenflüssigkeit gemessen. Bei extremer Mundtrockenheit und geschwollenen Speicheldrüsen wird manchmal zur Absicherung der Diagnose ein kleines Stück aus einer Speicheldrüse entnommen und untersucht.

 

Sicca Syndrom behandeln

Bei der vorübergehenden Form des Sicca-Syndroms reicht es meist aus Ihre Lebensgewohnheiten zu ändern. Das bedeutet weniger Sitzen vor dem Computer und Fernsehschirm. Weglassen der Kontaktlinsen, augenreizende Tropfen gegen ein anderes Präparat austauschen sowie Augenentzündungen mit entsprechenden Medikamenten behandeln.

Treten trockene Augen im Rahmen anderer Krankheiten wie Schilddrüsenstörungen, Diabetes oder Hormonschwankungen auf, muss natürlich auch die Grunderkrankung behandelt werden. Eine gute Zuckereinstellung, ein Wechsel des Hormonpräparates und das Erzielen einer normalen Schilddrüsenfunktion können hier oftmals das Problem beseitigen.

Etwas schwieriger wird es schon bei den genetisch bedingten chronischen Formen. Augentropfen im Sinne einer künstlichen Tränenflüssigkeit, speichelanregende Maßnahmen wie Kaugummi kauen bei Mundtrockenheit, eine generell ausreichende Flüssigkeitszufuhr (am besten Wasser), eine höhere Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen sowie Ölbäder bei Hauttrockenheit gehören zu den allgemeinen Maßnahmen.

Bei extremen Formen des Trockenheitssyndroms oder beim gleichzeitigen Vorliegen von rheumatischen Erkrankungen, bei denen das Immunsystem gestört ist, kommen spezielle Medikamente zum Einsatz, die unser Immunsystem wieder beruhigen und damit die Entzündungen stoppen. Solche Therapien gehören aber in die Hand eines erfahrenen Spezialisten und regelmäßig kontrolliert.


Literatur:

Ramponi G, Folci M, Badalamenti S, Angelini C, Brunetta E. Biomarkers and Diagnostic Testing for Renal Disease in Sjogren’s Syndrome. Front Immunol. 2020 Sep 17;11:562101. doi: 10.3389/fimmu.2020.562101. PMID: 33042142; PMCID: PMC7527442.

Alan N. Baer, Brian Walitt. Update on Sjögren Syndrome and Other Causes of Sicca in Older Adults. Rheum Dis Clin North Am. 2018 Aug; 44(3): 419–436. doi: 10.1016/j.rdc.2018.03.002

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