Welche sexuelle Nebenwirkungen Antidepressiva verursachen können

Sexuelle Nebenwirkungen und Antidepressiva. © Photographee.eu / shutterstock.com

Sexuelle Nebenwirkungen und Antidepressiva. © Photographee.eu / shutterstock.com

Bekanntlich können sexuelle Nebenwirkungen und Funktionsstörungen durch Antidepressiva entstehen, und die Sexualität bei Frauen und Männern beeinträchtigen.

Dass sexuelle Nebenwirkungen und Funktionsstörungen Antidepressiva-assoziiert sind, ist seit langem ein Besorgnis erregendes Thema für die betroffenen Patienten. Denn sowohl bei Frauen als auch bei Männer können Antidepressiva sexuelle Nebenwirkungen verursachen beziehungsweise die Sexualität negativ beeinträchtigen. So untersuchten beispielsweise vor kurzem Forscher über 300 Fälle von anhaltender beeinträchtigter Sexualität aus 37 Ländern.

Im Fokus stehen das Einsetzen einer vorzeitigen Ejakulation, eine anhaltende, andauernde, genitale Erregung (PGAD), Lustlosigkeit oder Orgasmusstörungen sowie Libidoverlust und Impotenz. Auch sekundäre Konsequenzen wie Beziehungsabbruch und eingeschränkte Lebensqualität haben große Relevanz. Oft verändern sich auch allgemein die sexuellen Wünsche der Patienten.

Unter dem Strich ist das Absetzen der Antidepressiva aufgrund sexueller Nebenwirkungen ein häufiges Problem. Dies bedeutet für die meisten Menschen allerdings, dass die Depressionen wieder verstärkt auftreten.

 

Welche Nebenwirkungen der Antidepressiva bei welchen Patienten die Sexualität mit welcher Intensität mit sich bringen

Welche sexuelle Nebenwirkungen Antidepressiva verursachen und wie stark diese auftreten, hängt von der Person und der jeweiligen Art und Dosis des Antidepressivums ab. Bei manchen Patienten treten die sexuellen Nebenwirkungen sehr moderat auf und lassen mit der Zeit auch wieder nach, nachdem sich der Körper an die Medikamente angepasst hat. Hingegen können bei anderen Betroffenen die sexuelle Nebenwirkungen ein dauerhaftes und beträchtliches Problem sein.

 

Spezielle Antidepressiva und sexuelle Nebenwirkungen

Antidepressiva mit der niedrigsten Rate an sexuellen Nebenwirkungen sind das Bupropion, Mirtazapin, Vilazodon sowie das nicht mehr erhältliche Vortioxetin.

Zu den Wirkstoffen, die am wahrscheinlichsten sexuelle Nebenwirkungen verursachen, gehören die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) die Trizyklische und tetrazyklischen Antidepressiva sowie die Monoaminoxidasehemmer (MAOIs).

Venlafaxin und Desvenlafaxin sowie Duloxetin sind die dazugehörigen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) gehören. Zu den Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) gehören wiederum Citalopram und Escitalopram, Fluoxetin und Paroxetin sowie das Sertralin. Zu den Trizyklischen und tetrazyklischen Antidepressiva gehören wiederum Amitriptylin, Nortriptylin sowie Clomipramin. Phenelzin, Isocarboxazid, Tranylcypromin sowie Selegilin gehören wiederum zu den betroffenen Monoaminoxidasehemmer.

Einige Studien berichteten über bis zu 80% der SSRI-induzierten sexuellen Nebenwirkungen. Zudem scheint das Management der SSRI-induzierten sexuellen Dysfunktion komplex und schwierig zu sein.

 

Darauf sollten betroffene Patienten beachten

Wenn ein Antidepressivum sexuelle Nebenwirkungen verursacht, so kann man dagegen verschiedene Strategien anwenden. Jedenfalls sollte man einige Wochen abwarten und schauen, ob sich die Situation verbessert. Weiter kann der betreuende Arzt die Dosis anpassen, um hier entgegen zu steuern.

Möglich ist auch ein Wechsel des Wirkstoffs sowie die Gabe eines weiteren Antidepressivums in Kombination. So kann beispielsweise das Bupropion sexuelle Nebenwirkungen lindern, die ein anderes Antidepressivum verursacht.

Schließlich können auch Wirkstoffe eingesetzt werden, um beispielsweise Erektionsstörungen entgegenzuwirken. Für Männer sind hier vor allem die sogenannten PDE5-Hemmer interessant – wie Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil.


Literatur:

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Quelle:

Mayo Clinic, https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/depression/expert-answers/antidepressants/faq-20058104

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