Sexualität durch neurologische Erkrankungen beeinträchtigt

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen beeinträchtigen neurologische Erkrankungen die Sexualität der betroffenen Patienten stärker als bisher angenommen.

Im Grunde genommen können neurologische Erkrankungen die Sexualität der betroffenen Patienten sehr durcheinanderbringen. Doch gegen sexuelle Dysfunktionen gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Die Patienten müssen sich somit nicht damit abfinden.

Vor allem ist vorweg die Gesprächstherapie mit dem behandelten Arzt von Bedeutung. Leider wird die sexuelle Funktion bei Patienten mit körperlichen oder neurologischen Behinderungen von Angehörigen der Gesundheitsberufe häufig ignoriert. Zu oft glauben Ärzte, dass Sexualität nicht so wichtig ist. Die Qualität persönlicher Beziehungen, insbesondere sexueller Beziehungen, hat jedoch einen großen Einfluss auf das Selbstwertgefühl der Patienten.

 

Sexualität ansprechen und behandeln

Einschnitte in der Sexualität führen zu Verlust an Lebensqualität und wirken negativ auf das Selbstwertgefühl, das Liebesleben und letztendlich die Partnerschaft der Betroffenen.

Professor Dr. David B. Vodušek von der Universität Ljubljana erklärte unlängst, dass es zahlreiche Möglichkeiten gebe, um den Betroffenen zu helfen. „Eines der besten Mittel, um sexuelle Probleme in den Griff zu bekommen, sind einfühlsame, respektvolle Gespräche, die nicht nur um einzelne Körperteile kreisen, sondern den Patienten ganzheitlich betrachten“, betonte Prof. Vodušek.

„Das hilft, die Patienten für bestimmte Aspekte zu sensibilisieren, die im Zuge der Erkrankung auftreten können. Zeichnen sich dann bestimmte Dysfunktionen tatsächlich ab, fällt es den Betroffenen leichter, sie anzusprechen.“ Beratung zur Sexualität ist somit ein Muss, Partnerin oder Partner sollten in diese Gespräche unbedingt miteinbezogen werden.

Für viele Probleme lassen sich Lösungen finden. Gegen Scheidentrockenheit gibt es beispielsweise Gleitmittel, gegen erektile Dysfunktion helfen orale Medikamente oder Injektionen, Parkinsonpatienten profitieren weiters von Dopamin, um das sexuelle Verlangen wieder zu normalisieren oder zu steigern.

 

Sexualität durch neurologische Erkrankungen und Dysfunktionen

Durch neurologische Erkrankungen verursachte sexuelle Dysfunktionen wiewie Lustlosigkeit, Erektionsprobleme und Unfruchtbarkeit beeinträchtigen das Leben betroffener PatientInnen und ihrer Partner wesentlich stärker, als bisher angenommen wurde. Das Ausmaß ist bei Männern und Frauen ähnlich groß.

Hypothalamus-Hypophysen-Störungen senken bei Männern und Frauen das sexuelle Verlangen und führen bei Frauen zu Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu haben. Betroffen Frauen leiden weiters unter ausbleibenden Regelblutungen, verminderter vaginalen Lubrikation (Feuchtigkeit) bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Besonders Läsionen der Frontal- und Schläfenlappen des Gehirns – beispielsweise durch Schlaganfall – scheinen sexuelle Dysfunktionen zur Folge haben. Bei Epilepsie kommt es zu komplexen sexuellen Problemen – von Hypersexualität bis zu verminderter sexuellen Erregbarkeit.

Frauen wie Männer mit Parkinson-Erkrankung beklagen ein eingeschränktes sexuelles Verlangen. Männliche Parkinson-Erkrankte leiden zusätzlich oft an erektiler Dysfunktion sowie Problemen mit Orgasmus und Ejakulation. Patienten mit Multiple Sklerose kann es ähnlich ergehen.

Auch Männer mit Diabetes bedingter Polyneuropathie leiden häufig an erektiler Dysfunktion sowie einer sogenannten retrograden Ejakulation – es kommt dabei zum Samenerguss in die Blase. Die Sexualität bei Frauen mit Polyneuropathie ist wiederum durch Beeinträchtigungen der sexuellen Erregbarkeit und dem Feuchtwerden der Vagina gestört.


Literatur:

Calabrò RS. Sexual dysfunction in Neurological disorders: do we see just the tip of the iceberg?. Acta Biomed. 2018;89(2):274‐275. Published 2018 Jun 7. doi:10.23750/abm.v89i2.5714


Quelle: EAN 2016 Special Session 04-3, Vodušek DB, Communicating on sexual dysfunction of neurological disorders

Die mobile Version verlassen