„Sehen im Alter“

Durch den Verlust der Sehkraft wird vielen Senioren ein selbstständiges Leben und der Zugang zu zahlreichen Aktivitäten genommen. Im Jahr der Bundestagswahl muss verhindert werden, dass die wichtigen Themen und tatsächlichen Bedarfe der Menschen von Randthemen oder Nebelkerzen überlagert werden.

Die Auswirkungen altersabhängiger Augenerkrankungen bekommen in Deutschland Millionen von Menschen zu spüren. Dennoch gibt es kaum koordinierte Schwerpunkte der Forschungsunterstützung in diesem Bereich. Der steigende Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist absehbar. Eine bessere Gesundheitskompetenz könnte sich für viele Menschen der Generation „Babyboomer“ auszahlen. Die frühe und rechtzeitige Erkennung der Makula-Degeneration ist nämlich entscheidend: Jede Woche zählt, jede Verzögerung in der Behandlung der neovaskulären Makula-Degeneration verringert die Chancen auf den Erhalt der Lesefähigkeit oder Fahrtauglichkeit und somit auf einen Ruhestand ohne schmerzhafte Einschränkungen.

Worunter zu Zeiten der Covid-19-Pandemie einige vorübergehend litten, wird selbst nächstes Jahr für viele Senioren traurige Gewissheit und unvermeidbare Realität bleiben: das Gefühl, trotz sonstiger Gesundheit und vieler Wünsche oder Pläne „eingesperrt“ zu sein – abgeschnitten von einem selbstständigen Leben mit Einkäufen, Reisen, Besuchen oder Betreuung der Enkelkinder oder zahlreichen anderen Freizeitaktivitäten. Betroffene einer Augenerkrankung bekommen die volle Wucht des Sehverlusts unmittelbar zu spüren. Rückzug, Depression und soziale Isolation sind gerade im ländlichen Raum oft die Folge.

Die 3. Fachtagung „Sehen im Alter“ beschäftigt sich mit den ökonomischen Auswirkungen, den praktischen Anforderungen an Qualität und Ausbildung neuer Fachkräfte, aber auch mit der persönlichen Belastung der Betroffenen und ihrer Familien. Konkrete Tipps und die Vorstellung von gelungenen Leuchtturmprojekten stehen auf der Agenda. In fünf Workshops tauschen sich die Partner aus Pflege, Selbsthilfe, Medizin, Augenoptik und Rehabilitation aus.

In den letzten Jahren ist die fernere Lebenserwartung, das heißt die verbleibende Lebenserwartung im Alter, weiter gestiegen (2019 für 65- jährige Männer beziehungsweise Frauen im Durchschnitt noch 17,9 und 21,1 Jahre). Angesichts von über fünf Millionen mit einer Makula- Degeneration oder einem Glaukom sollte das Wissen um Warnsymptome in die Öffentlichkeit. Schließlich wären mit frühzeitiger Diagnose und Behandlung einige Erblindungen vermeidbar.

Viele Senioren sind nicht mobil genug, um regelmäßig und selbstständig einen Augenarzt aufzusuchen. Wir dürfen die Augen nicht vor Versorgungslücken verschließen. Wie das gemeinsame politische Handeln verbessert werden kann und endlich eine Rehabilitation nach Sehverlust ermöglicht wird, ist Gegenstand der 3. Fachtagung des DBSV „Sehen im Alter“. Die Fachtagung findet in Kooperation mit der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen virtuell statt.


Quelle:

Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV): www.dbsv.org

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