Schwarzkümmelöl, Schwarzkümmel, und seine vielseitigen Wirkungen

Auch in unseren Breiten schätzt man die Wirkung von Schwarzkümmelöl (Schwarzkümmel gedeiht beispielsweise im österreichischen Marchfeld sehr gut). © Geo-grafika / shutterstock.com

Eiweiß und pflanzlichen Fetten, ätherischen und fette Öle sowie Aminosäuren bringen sorgen bei Schwarzkümmel oder Schwarzkümmelöl für starke Wirkungen.

Schwarzkümmel – Nigella sativa (N. sativa) – wird seit Jahrtausenden erfolgreich in verschiedenen heilkundlichen Systemen eingesetzt. Wenngleich Schwarzkümmel als Nahrungsmittel eine wichtige Rolle einnimmt, kommt er oder Schwarzkümmelöl mit den zahlreichen Wirkungen auch als natürliches Heilmittel für viele Krankheiten zur Anwendung. Und zwar in der Ethnomedizin der graeco-arabischen Medizin Unani, Ayurveda und der Traditionellen Chinesischen Medizin sowie anderen Arabischen Heilkünsten.

Das pfefferartige Gewürz Schwarzkümmel erinnert geschmacklich etwas an Sesam mit einer leichten Kreuzkümmel-Note. Auch heute noch streut man die schwarzen Samen – die im asiatischen Raum auch als „black onion seed“ – „schwarzer Zwiebelsamen“ – bezeichnet werden – ähnlich wie Sesam auf Fladenbrot.

 

Die zahlreichen Wirkungen von Schwarzkümmel und Schwarzkümmelöl

Viele aktive Inhaltstoffe des Nigella sativa wurden in den letzten Jahrzehnten isoliert. Einschließlich Thymoquinon (Thymochinon), Thymohydroquinon, Dithymoquinone, Thymol, Carvacrol, Nigellimine-N-oxid, Nigellicin, Nigellidin und Alpha-Hederin. Darüber hinaus wurden etliche pharmakologischen Wirkungen von Schwarzkümmel-Samen, Schwarzkümmelöl, Schwarzkümmel-Extrakten entdeckt:

 

Schwarzkümmel gedeiht hervorragend in Mitteleuropa

Der Echte Schwarzkümmel – das heute auch im Marchfeld angebaut wird und hervorragend gedeiht – wächst als schlanke bis gedrungene einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 cm. Die oberirdischen Pflanzenteile sind locker behaart, manchmal mit drüsigen Trichomen. Der aufrechte und einfache oder verzweigte Stängel ist im oberen Bereich gestreift. Die gefiederten Laubblätter besitzen 0,8 bis 2 mm breite Blattabschnitte mit spitzen oberen Enden.

Die einzeln stehende Blüte ist nicht von Hüllblättern umgeben. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Die fünf freien, kronblattartigen, weißlichen bis hellblauen Blütenhüllblätter sind eiförmig mit mehr oder weniger stumpfen Enden und fallen früh ab. Die zehn Honigblätter sind zweilappig und besitzen ein kurzes, dickes, pfriemlich-kopfiges Anhängsel. Es sind viele Staubblätter vorhanden.

Die Balgfrüchte sind auf ihrer ganzen Länge geschlossen, aufgeblasen und warzig. Die dreikantigen Samen sind runzelig. Sehr bekannt ist er vor allem als Gewürz auf türkischem Fladenbrot.

Die ursprüngliche Heimat vom Echten Schwarzkümmel ist Westasien, Irak und die Türkei. Er gedeiht aber auch in Südeuropa, dem Mittelmeerraum, Indien und Nordafrika sowie mittlerweile auch in Mitteleuropa.

 

Inhaltsstoffe von Schwarzkümmelöl

Echter Schwarzkümmel ist auch als Römischer Koriander, Spargelsamen, Brotwürze, Brotkraut, Nonnenengelein oder Nonnensamen bekannt. Seine Samen (Semen Nigella sativa oder Semen Melanthii) enthalten 0,5–1,5% ätherische Öle, 25–40% ­fettes Öl, etwa 1,5% des Saponins Melanthin, den Bitterstoff Nigellin, Gerbstoffe sowie das Nigellon und Thymochinon.

Während letzteres choleretisch wirkt, löst Nigellon Bronchialspasmen. Nigella sativa setzt man als Karminativum Tee- und Kräutermischungen zu. Die Homöopathie verwendet die Pflanze bei Magenerkrankungen, Gelbsucht und Lebererkrankungen.

Man schätzt die Samen als Gewürz für Backwaren und in der Parfümerie und gewinnt aus ihnen das Oleum Nigellae sativae, das in Ostindien als Speiseöl verwendet wird.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Schwarzkümmelöl sind 21 Prozent Eiweiß und 35 Prozent pflanzliche Fette. Letztere bestehen aus ätherischen und aus fetten Ölen.

Die fetten Öle enthalten fast 60 Prozent der mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Durch diese Linol- und Gamma-Linolensäuren wird die Synthese wichtiger immunregulatorischer Substanzen wie beispielsweise Prostaglandin E1 ermöglicht. Die Linolensäure stabilisiert die Zellmembranen, das Prostaglandin wirkt entzündungshemmend.

Bei den ätherischen Ölen handelt es sich hauptsächlich um das Nigelon Semohiprepinon, das bei Keuchhusten und Bronchialasthma wirkt. Es ist ein ätherisches Öl, das auch zehn Prozent Fettsäure-Ethylester enthält. Bei der Lagerung bilden sich aus Thymoquinon und Dithymochinon die höheren Oligokondensationsprodukte des Nigellons.

Darüber hinaus fanden sich darin die Aminosäuren Arginin, Asparagin, Cystin, Glutamin, Glycin, Leucin, Lysin und Methionin sowie die Sterole Sitosterol, Cholesterol, Stigmastanol und Campesterol, die meist mit Fettsäuren verestert sind.

 

Positive Wirkungen von Schwarzkümmelöl auf das Immunsystem

Nach Untersuchungen des Sloan Kettering Krebsforschungsinstituts von Hilton Head Island,  South Carolina/USA, hat das ägyptische Schwarzkümmelöl signifikant positive Wirkungen auf das menschliche Immunsystem, kann Knochenmarkszellen stimulieren, die Produktion der Immunzellen steigern und die Interferonproduktion erhöhen.

Von der Schutzwirkung des Öls bei Bestrahlungen berichteten ägyptische Wissenschaftler der Universität Kairo. Am King’s College in London fanden Forscher heraus, dass ägyptisches Schwarzkümmelöl stark entzündungshemmend wirkt und dadurch bei Rheuma und Gelenksteife eingesetzt werden kann. In einer Studie der Berliner Charité wurden Heilwirkungen des Schwarzkümmels bei Asthma nachgewiesen.

Die Einnahme von Schwarzkümmelöl könnte auch bei einer Covid-19-Erkrankung als zusätzliche Behandlung sehr positive heilende Wirkungen bringen könnte. Verantwortlich dafür soll vor allem das enthaltene Thymoquinon sein. Auch aktuelle In-silico-Studien zeigen, dass die Inhaltsstoffe von Schwarzkümmel beziehungsweise Schwarzkümmelöl potenzielle Wirkungen gegen SARS-Cov-2 und Covid-19 haben können. Jedenfalls bestätigen mittlerweile verschiedene randomisierte kontrollierte Studien, Pilotstudien, Fallberichte sowie In-vitro- und In-vivo-Studien, dass Schwarzkümmel antivirale, antioxidative, entzündungshemmende, immunmodulatorische, bronchodilatatorische, antihistaminische und antitussive Aktivitäten im Zusammenhang mit COVID-19 aufweist. Schwarzkümmel beziehungsweise Schwarzkümmelöl könnten als adjuvante, zusätzliche Therapie zusammen mit konventionellen Medikamenten zur Selbstbehandlung sowie auch zur Behandlung der Patienten mit COVID-19 eingesetzt werden.

 

Stellenwert von Schwarzkümmel oder auch Schwarzkümmelöl in der Geschichte

Nigella, der Schwarzkümmel, besitzt schwarze Samen. Die lateinischen Begriffe »niger« = schwarz oder »nigellus« = schwärzlich fanden ihren Niederschlag im Gattungsnamen. Die 22 bekannten Arten sind besonders im Mittelmeerraum heimisch. Es handelt sich um einjährige Kräuter, die als »Melanthion« vielleicht schon Hippokrates (4. Jh. v. Chr.) bekannt waren.

Denn dem Schwarzkümmel oder auch dem Schwarzkümmelöl haben die Menschen schon in der Antike zahlreiche Heilkräfte zugeordnet. Und diese versucht die Wissenschaft gegenwärtig neu zu entdecken. In diesem Zusammenhang fanden Forscher im Grab des Pharao Tut-ench-Amun beispielsweise ein Fläschchen Schwarzkümmelöl als Beigabe.

Dioskurides – der berühmteste Pharmakologe des Altertums – empfahl Melanthion als Umschlag bei Kopfschmerzen, Leberflecken, Verhärtungen, Aussatz und innerlich gegen Spulwürmer, ferner als Emmenagogum, Diuretikum und als Mittel zur Anregung der Milchsekretion. Er warnt jedoch vor zu großen Dosen, weil diese giftig seien.

In Europa sind die positiven Wirkungen von Schwarzkümmel etwa ab dem 16. Jahrhundert in Vergessenheit geraten.

Den Gebrauch der Samen als Wurmmittel nennt jedenfalls auch bereits der griechische Arzt und Anatom Aellius Galenus. Weiter berichtete Plinius von der Vertreibung der Schlangen durch den Git oder Melaspermon. Das waren antike Bezeichnungen von Schwarzkümmel.

Im Grunde genommen wussten arabische Gelehrte wie der berühmte Avicenna, dass die Leibärzte der Pharaonen Schwarzkümmelöl gegen Erkrankungen der Atemwege einsetzten. Weiter gegen Frauenbeschwerden sowie gegen körperliche Schwäche. Vor allem aber galt Schwarzkümmelöl als Heilmittel gegen Hauterkrankungen und bei unerklärlichen Entzündungen. Zudem erwähnt auch bereits das Alte Testament – sowie der Prophet Mohammed – den Schwarzkümmel als Heilmittel.

Außerdem empfahlen auch die Berater von Karl dem Große schon in der Landgüterverordnung „Capitulare de Villis“ den Anbau von Schwarzkümmel als Gewürz. Und zwar im Jahr 812 machte man diese Anweisung für den Anbau von Heil- und Nutzpflanzen in den ­Palastgärten.

Schließlich kannten auch die europäischen Botaniker die heilende Wirkung des „schwartzen Kümmels“ – wie Schwarzkümmel damals genannt wurde. Und deswegen nutzten sie sie auch bis in das 16. Jahrhundert. Dann geriet allerdings die Heilpflanze in Europa etwas in Vergessenheit.

 

Stellenwert von Schwarzkümmel in der Nahrung

In den Kräuterbüchern des 16.Jahrhunderts war Schwarzkümmel übrigens auch unter der ­Be­zeichnung »Schwarzer Koreander« bekannt. Offizinell wurden die Samen als »Semina Nigellae seu Melanthii seu Semina ­Cumini« bezeichnet.

Die ­Schwarzkümmel-Samen, welche beim Zerreiben würzig und Petersilie ähnlich ­riechen, haben einen scharfen, kratzenden Geschmack und werden in Ägypten und im Orient heute noch als Brotwürze benützt.

Im Islam scheint der Schwarz­kümmel jedenfalls besondere Bedeutung gehabt zu haben. Denn Mohammed lehrte bereits, dass Schwarz­kümmel vor allen Krankheiten schütze. Daher nehmen viele Moslems heute noch eine Prise des Samens in Honig, um den Appetit anzuregen. Daraus entwickelte sich wohl auch, dass in Frankreich Schwarz­kümmel-Samen als Pfefferersatz benutzt wurde und dass man dem Schwarzkümmel im Volksglauben oft eine zauberabwehrende Wirkung bei Krankheiten der ­Tiere zusprach.


Literatur:

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Quellen: Schwarzkümmel – geschichtlich und pharmakologisch im Blickpunkt. MEDMIX 5/2007.

Prof. Dr. Sigrun Chrubasik-Hausmann. Schwarzkümmel (Nigella sativum). Universität Freiburg im Breisgau.

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