Schwangerschaftsvergiftung, Präeklampsie, früh erkennen

Ursachen einer Präeklampsie, umgangssprachlich Schwangerschaftsvergiftung genannt, sind bislang nicht vollständig geklärt. © Maya Kruchankova / shutterstock.com

Ursachen einer Präeklampsie, umgangssprachlich Schwangerschaftsvergiftung genannt, sind bislang nicht vollständig geklärt. © Maya Kruchankova / shutterstock.com

Zum frühen Erkennen einer Schwangerschaftsvergiftung – Präeklampsie – eignet sich das Verhältnis bestimmter Botenstoffe im Blut von Schwangeren.

Eine internationale Multicenterstudie konnte unlängst zeigen, dass das Verhältnis bestimmter Botenstoffe im Blut von Schwangeren eine Schwangerschaftsvergiftung zuverlässig ausschließen. Infolgedessen kann man auch drohende Komplikationen vorhersagen. Unter dem Strich ist das Verhältnis von löslicher fms-ähnlicher Tyrosinkinase 1 (sFlt-1) zum Plazenta-Wachstumsfaktor (PlGF – placental growth factor) bei Schwangeren vor dem klinischen Einsetzen der Präeklampsie erhöht. Bei Frauen mit Präeklampsie finden sich veränderte Serumspiegel für PGF und sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine kinase-1). Außerdem kann man mittels Nachweis von PlGF und sFlt-1 im Blut eine normale Schwangerschaft von einer mit Präeklampsie einhergehenden Schwangerschaft noch vor Auftreten klinischen Symptome abgrenzen. Jedenfalls konnte man bei Frauen, die eine Präeklampsie entwickeln, höhere sFlt-1-Konzentrationen und niedrigere PGF-Konzentrationen feststellen. Und zwar im Vergleich mit normal verlaufenden Schwangerschaften. Der sFlt-1/PlGF-Quotient scheint somit ein besseres Erkennen einer Schwangerschaftsvergiftung beziehungsweise Präeklampsie zu ermöglichen. Besser als die jeweilige Bestimmung der Konzentrationen für sich alleine.

 

Ursachen einer Schwangerschaftsvergiftung

Die Ursachen einer Präeklampsie, umgangssprachlich auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, sind bislang nicht vollständig geklärt. Doch die Multiorganerkrankung zählt heute zu den Hauptursachen für Komplikationen während der zweiten Schwangerschaftshälfte. Bei zwei bis fünf Prozent aller werdenden Mütter tritt diese Erkrankung mit den typischen Merkmalen Bluthochdruck und einer erhöhten Ausscheidung von Eiweiß im Urin auf. Da das Erkennen einer Schwangerschaftsvergiftung, Präeklampsie, häufig zu spät erfolgt, kann das im schlimmsten Fall sogar zum Tod von Mutter und Kind führen.

 

Schwangerschaftsvergiftung, Präeklampsie, früh erkennen

Bisher konnten ein erhöhter Blutdruck und Eiweißausscheidungen im Urin die Erkrankung und die dadurch bedingten Komplikationen nur ungenau vorhersagen. In der PROGNOSIS-Studie gelang es den Forschern, einen Trennwert für den sFlt-1/PlGF-Quotienten zu ermitteln. Damit konnte man die Erkrankung zuverlässig innerhalb einer Woche ausschließen. Weiter war es möglich, auch das Auftreten der Erkrankung und dadurch bedingter Komplikationen zu prognostizieren.

Das Verhältnis der Proteine sFlt-1 und PlGF spielt eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung. Wobei beide Botenstoffe in der Plazenta produziert werden und im mütterlichen Blut zirkulieren. Mit einem Serumtest kann man den Quotienten aus den beiden plazentaren Faktoren bestimmen. Zudem kann man damit auch bei fehlenden Symptomen anzeigen, ob eine Frau eine Präeklampsie oder dadurch verursachte Komplikationen entwickeln wird. In der Multicenterstudie haben die Forscher über tausend Schwangere untersucht. Wobei alle Probanden ein hohes Risiko oder klinische Anzeichen für die Erkrankung hatten.

Unter dem Strich ist eines der großen Probleme der Präeklampsie, dass man die Symptomatik dieser Schwangerschaftsvergiftung häufig nicht eindeutig erkennen kann. In diesem Sinne kann das klinische Bild unklar sein. Der sFlt-1/PlGF-Quotient kann deswegen dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung oder deren Verlauf besser einzuschätzen. Damit kann man schließlich vermeiden, dass eine Schwangere zu früh entbunden oder zu spät behandelt wird. mit anderen Worten macht ermöglicht der sFlt-1/PlGF-Quotient, die Erkrankung sicher für eine Woche auszuschließen. Das trägt schließlich auch entscheidend zur Beruhigung der Patientinnen bei.

 

Vorhersagewahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaftsvergiftung – um eine Präeklampsie früh erkennen zu können

An der Studie nahmen insgesamt 1.273 Schwangere mit Verdacht auf Präeklampsie aus 14 Ländern teil. Bei allen wurde der sFlt-1/PlGF-Quotient im Blut mittels eines Serumtests bestimmt. Bei einem Wert von unter 38 konnte eine Präeklampsie mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Woche ausgeschlossen werden. War der Wert von 38 überschritten, so betrug die Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Präeklampsie innerhalb der nächsten vier Wochen 36,7 Prozent. Das Auftreten von mütterlichen oder kindlichen Komplikationen einer Schwangerschaftsvergiftung innerhalb der nächsten vier Wochen konnte mit einer 65,5 prozentigen Genauigkeit vorhergesagt werden.


Literatur:

Zeisler H, Llurba E, Chantraine F, Vatish M, Staff AC, Sennström M, Olovsson M, Brennecke SP, Stepan H, Allegranza D, Dilba P, Schoedl M, Hund M, Verlohren S. Predictive Value of the sFlt-1:PlGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. N Engl J Med. 2016 Jan 7;374(1):13-22. doi: 10.1056/NEJMoa1414838. PMID: 26735990.

Die mobile Version verlassen