Schmerzen in den Beinen durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit PAVK

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Ann-Marie Nüsslein
Ann-Marie Nüssleinhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Schmerzen in den Beinen sind typisch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit PAVK, die ein Warnsignal für Herzinfarkt und Schlaganfall sein kann.

In unseren leiden Millionen Menschen an tückischen Durchblutungsstörungen der Gefäße. Die Deutsche Herzstiftung e.V. / Deutsche Stiftung für Herzforschung weist aktuell nun darauf hin, dass man beispielsweise Schmerzen in den Beinen ernst nehmen muss. Denn diese typischen Anzeichen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit – kurz PAVK oder umgangssprachlich Schaufensterkrankheit – gelten auch Warnsignal für Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit PAVK verursacht Schmerzen in den Beinen – vor allem in den Waden.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit – kurz PAVK – beginnt mit Schmerzen in den Beinen. Dabei treten die Beschwerden vor allem beim Gehen und dann häufig in den Waden auf. Im Grunde genommen ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit mit Verengungen der Arterien in Becken und Beinen vergesellschaftet. Dadurch gelangt nicht mehr ausreichend Blut in die Extremitäten und es kommt zu Schmerzen in den Beinen. Denn die Muskelzellen vor allem in den Waden erhalten nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe.

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Da Betroffene aufgrund der Schmerzen in den Beinen häufig gezwungen werden, stehen zu bleiben, spricht man bei der PAVK auch umgangssprachlich von der Schaufensterkrankheit. „Mit der pAVK geht ein hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einher“, warnt Herzspezialist Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, die in ihrer aktuellen Ausgabe HERZ HEUTE über die Diagnose und Therapie der pAVK informiert. „Wer erste Anzeichen der Schaufensterkrankheit bemerkt, sollte daher möglichst bald einen Arzt aufsuchen.“ Gleiches gilt für Schmerzen, die sich beim Hinlegen in der Zehenregion bemerkbar machen, besonders wenn Aufstehen für Linderung sorgt. Wird die pAVK nicht erkannt, bleiben möglicherweise auch Gefäßverengungen in anderen Körperregionen wie Halsschlagader, Gehirn, Nieren und Herzen unbehandelt. Die Folge sind beispielsweise Infarkte, wenn die Arteriosklerose stark vorangeschritten ist. Mit einer einfachen Untersuchung lässt sich der Zustand der Gefäße rasch feststellen.

 

Unbehandelt nehmen die Schmerzen in den Beinen zu

Wird die pAVK nicht erkannt, verschlechtert sich die Durchblutung in den Bein- und Beckenarterien weiter und die Beschwerden nehmen zu. Ärzte teilen die pAVK je nach Schweregrad in vier Stadien ein: In Stadium I sind die Arterien zwar verengt, verursachen aber noch keine Beschwerden. In Stadium II spüren Patienten die oben beschriebenen Schmerzen beim Gehen. In Stadium III treten die Schmerzen nicht nur bei Belastung, sondern bereits in Ruhe auf. Folgenschwer wird es in Stadium IV: „Geht die Durchblutung noch weiter zurück und stirbt das unterversorgte Gewebe ab, entsteht ein ,Gangrän‘ oder ein offenes Geschwür“, warnt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Klaus Mathias, Radiologe und Spezialist für Gefäßmedizin (Dortmund) und einer der Autoren des pAVK-Beitrags in HERZ HEUTE. „Wird die Gefäßerkrankung hingegen rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt, lässt sich solch ein dramatischer Verlauf oft verhindern.“

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit erkennen und behandeln

Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit lässt sich durch einen einfachen Test diagnostizieren. Dabei tastet der Arzt den Puls in den Leisten sowie am Fuß und misst den Blutdruck der Knöchel- sowie Zehenarterien. Wenn der Puls abgeschwächt ist oder sogar ganz fehlt beziehungsweise die Drucke reduziert sind, steht die Diagnose Periphere arterielle Verschlusskrankheit fest. Per Ultraschall lässt sich anschließend das Ausmaß der Gefäßerkrankung feststellen.

Zur Therapie empfehlen Ärzte in der Regel eine Umstellung des Lebensstils. Patienten sollten u. a. das Rauchen aufgeben, sich gesund ernähren und regelmäßig bewegen. Dabei sind 30 bis 40 Minuten täglich ideal. „In schweren Fällen ist es allerdings nötig, die Durchblutung durch einen kleinen Eingriff wiederherzustellen“, betont Prof. Dr. med. Sigrid Nikol, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Interventionelle Angiologie der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. „Mit verschiedenen Kathetertechniken kann ein normaler Blutfluss wiederhergestellt werden.“ Dabei wird der Katheter, ein kleiner Schlauch, durch die Blutgefäße bis zur Engstelle vorgeschoben und das Gefäß von innen aufgedehnt. In einigen Fällen wird dabei ein Stent eingesetzt. Die Eingriffe seien in der Regel wenig schmerzhaft und komplikationsarm.

 

Diabetes und Bluthochdruck als Risikofaktoren

Herzpatienten sollten besonders auf erste Anzeichen der Schaufensterkrankheit achten. Denn die pAVK hat die gleiche Ursache wie die Koronare Herzkrankheit. Denn in den Blutgefäßen bilden sich Ablagerungen, die im Laufe der Jahre die Gefäße verengen, weil die Arterien durch Arteriosklerose „verkalken“.

Zwar bilden sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens diese Ablagerungen. Über das Ausmaß bestimmen neben genetischen Faktoren vor allem der Lebensstil sowie verschiedene Vorerkrankungen. Unter anderem erhöhen Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus sowie Fettstoffwechselstörungen das Arteriosklerose-Risiko. Da sich auch die Herzkranzgefäße oder die Arterien im Gehirn verengen können, haben Menschen mit Arteriosklerose ein stark erhöhtes Infarkt-Risiko.

„Bei Patienten mit pAVK sollte immer auch darauf geachtet werden, ob es Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung oder eine Herzschwäche gibt“, rät Gefäßspezialistin Nikol. Umgekehrt sollten Patienten mit solchen Herzleiden auf das Vorliegen einer pAVK untersucht werden.

Literatur:

Mathias K., Nikol S., Kranke Gefäße – gefährdetes Herz: Schon erste Anzeichen der „Schaufensterkrankheit“ ernst nehmen, in: Deutsche Herzstiftung (Hg.), Herz Heute – Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung, Ausg. 2/2019, Frankfurt a. M. 2019.


Quelle: Deutsche Herzstiftung – www.herzstiftung.de/schmerzen-in-den-beinen

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