Schmerzen bei Kindern stärker fokussieren

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Schmerzen bei Kindern sind häufig, doch oft zu wenig beachtet und zurückhaltend behandelt. Hierbei haben sich Ibuprofen und Paracetamol bei kindlichen Schmerzen bewährt.

Wenngleich Schmerzen bei Kindern mittels kindgerechter Schmerz­behandlung an Kinderkliniken versorgt werden, werden Schmerzen bei Kindern an Erwachsenenkliniken – und das sind bis zu 50% – oft viel zu zögerlich therapiert. Dabei ist das Thema Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen durchaus von großer Bedeutung. In Umfragen berichten zwei von drei der Befragten über Schmerzerfahrungen in den vergangenen drei Monaten. Etwa ein Drittel der ­Befragten schildert Schmerz­charakteristika mit erhöhtem Chronifizierungsrisiko, so z.B. Schmerzen mit einer Dauer von länger als sechs Monaten, etwa 20% davon länger als zwölf Monate. Jedes dritte Kind oder Jugendlicher leidet an Schmerzbeschwerden einmal wöchentlich oder häufiger. Die häufigsten Beschwerden sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Gliederschmerzen und Rücken­schmerzen.

 

Probleme mit Schlaf, Hobbys, Schule und Freunden

Schmerz beeinträchtigt das subjektive Wohlbefinden und kann die Lebensqualität stark einschränken. Es treten Schlafprobleme auf, das Ausüben von Hobbys ist eingeschränkt und sogar Beschwerden beim Essen können auftreten. Weiters gaben 48,8% an, wegen Schmerzbeschwerden in der Schule gefehlt zu haben und 46,7% der Kinder mit Schmerzen fühlten sich durch ihre Beschwerden daran gehindert, sich mit Freunden zu treffen. Über die Hälfte der Betroffenen gaben an, Medikamente wegen der Schmerzbeschwerden eingenommen oder einen Arzt aufgesucht zu haben.

 

Ursprung der Schmerz­chronifizierung in der Jugend

Die Ergebnisse dieser Untersuchung geben damit deutliche Hinweise darauf, dass bereits im Kindes- und Jugendalter die Chronifizierung des Schmerzes beginnt. Gerade auch deshalb sind adäquate Präventionsmaßnahmen und Interventionsstrategien bei Schmerzen im Kindes- und Jugendalter so bedeutend um Chronifizierungen bis ins Erwachsenenalter zu vermeiden.

Bedauerlicherweise sind sowohl ambulante als auch stationäre Einrichtungen, die auf chronischen Schmerz spezialisiert sind, selten. Grundsätzlich sind präventive Maßnahmen durchaus sinnvoll, denn die Erfolge einer Schmerz­behandlung sind exzellent. 80% der Kinder kann dauerhaft geholfen werden. Diese Rate bleibt selbst dann so hoch, wenn die Schmerzen schon über Jahre bestehen und die Kinder schmerzbedingt seit Wochen nicht mehr zur Schule gehen konnten.

 

Schmerzen bei Kindern: Diagnose und Therapie

Zwei Besonderheiten erschweren jedoch eine adäquate Schmerz­behandlung. Zum einen untersuchen die wenigsten Studien zu Arzneimittel dessen entsprechende Wirkung bei Kindern. Zum anderen ist es sehr problematisch, die Schmerzen einerseits zu erkennen sowie zu messen. Je jünger das Kind ist, desto schwieriger sind Schmerzerkennung und Schmerzmessung.

Bei Neu­geborenen können ein Anstieg der Herzfrequenz, Abfall der Sauerstoffsättigung und Apnoen auf Schmerzen hinweisen. Ärzte verwenden häufig Schmerzskalen für Kinder unter 4 Jahren, die Weinen und Gesichtsausdruck, Rumpfhaltung und Beinhaltung sowie motorische Unruhe berücksichtigen. Schließlich sind auch Schmerz­fragebögen und Schmerztagebücher diagnostisch sehr hilfreich.

Wenn Schmerzen bei Kindern langsam aus einer Erkrankung entstehen, so sollte eine frühe Behandlung einsetzen. Schließlich sollten auch voraussehbare Schmerzen vorbeugend behandelt werden. Wenn es möglich ist, sollte man bei Kindern nicht nach Bedarf Arzneimittel verordnen, sondern ein fixes Schema festsetzen. Der Arzt muss die medikamentöse Behandlung dabei nicht streng nach WHO-Stufenplan festlegen. Ibuprofen und Paracetamol sind Substanzen, die sich generell für die Behandlung von kindlichem Schmerz eignen.

 

Begleitmaßnahmen sind oft ausschlaggebend

Neben zusätzlichen flankierenden Maßnahmen wie eine verbes­serte Lagerung, Kühlung oder Ruhigstellung sind auch die Betreuungspersonen und der Arzt wesentliche Faktoren, die das Schmerzempfinden des Kindes beeinflussen können. Wenn ein Kind weiss, warum es Schmerzen hat, so kann bereits dadurch das Angst- und Schmerzerleben des Kindes reduzieren. Ähnliches gilt auch, wenn Ärzte und Eltern schon im Vorfeld notwendige Informationen altersgerecht vermittelt haben.

Bei schmerzhaften Eingriffen ohne Allgemeinnarkose oder Analgo-Sedierung kann das Kind »Gefühl des Ausgeliefert-Seins« verspüren. Schließlich kann das erheblich zur Angst-Schmerzspirale beitragen. Durch einfache Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Venenpunktionsstelle oder der Sitzposition bei einer Lumbalpunktion erlangt das Kind das Gefühl, die Situation im Griff zu haben. Nach dem Eingriff helfen Belobigungen und feste Abschlussriten (kleine Geschenke aus der »Nadelkiste«).

 

Fazit: Recht auf spezialisierte Schmerz­behandlung

Schmerzen bei Kindern werden zu oft ignoriert. Präventive Maßnahmen sind dringend erforderlich, um eine weitere Chronifizierung von Schmerzbeschwerden in das Erwachsenenalter mit konsekutiven Belastungen für das Gesundheitssystem zu verhindern. Spezialisten in Krankenhäusern und Kinderarztpraxen sollten die akuten Schmerzen bei ihren kindlichen Patienten schnell und effektiv behandelt. Schließlich wäre eine flächendeckende Versorgung für chronische Schmerzen im Kindesalter sehr wichtig. Bei Kindern kommen spezielle Strategien zur Schmerz­behandlung zum Einsatz. Weiters ist eine besondere Zu- und Hinwendung zum Kind fast ebenso maßgebend wie das geeignete Therapieregime.

Literatur: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/?term=pain+in+children

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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