Nach Schlaganfall ist eine umfassende Nachsorge wichtig

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Alfred Felsberger
Alfred Felsbergerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Ein umfassender Ansatz in der Schlaganfall Nachsorge ist notwendig, um verschiedene Symptome zu bekämpfen. Dazu gehören vor allem Knochenbrüche, Fatigue, Angst und Depression.

IM Grunde genommen erleiden Millionen Menschen mindestens einmal in ihrem Leben einen Schlaganfall. Dabei muss fast jeder siebente Patienten nach dem Schlaganfall mit Beeinträchtigungen leben. Davon braucht wiederum jeder Dritte im Alltag Hilfe. Deswegen ist es sehr wichtig, dass das Langzeit-Management in der gesamten Nachsorge nach dem Schlaganfall effektiv ist.

 

Schlaganfall und Risikofaktoren

Schlaganfall tritt für gewöhnlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf. Doch oft bleiben meist chronische Probleme zurück. Dabei entsteht der Schlaganfall fast immer auf der Grundlage von Risikofaktoren von bestehenden chronischen Krankheiten. Dazu gehören Bluthochdruck und Diabetes mellitus.

Insgesamt ist der Schlaganfall eine ganz typische chronische Erkrankung. Bereits 2004 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen drängenden Bedarf für ein Kontinuum der Schlaganfall-Nachsorge angemahnt, um den Bedürfnissen von Patienten, Angehörigen und der Gesellschaft insgesamt gerecht zu werden.

 

Stroke-Checklist für die Nachsorge nach Schlaganfall

Unter dem Strich leiden im ersten Jahr nach dem Schlaganfall etwa 30 Prozent der Patienten an Ängsten und Depressionen. In einer rezenten Langzeitstudie zeigte sich, dass die Schwere der depressiven Symptome bei akutem Schlaganfall keinen Einfluss auf das Langzeitüberleben hatten. Der Beobachtungszeitraum betrug 18 Jahre. Außerdem erleben zehn Prozent einen relevanten kognitiven Abbau. Weitere 50 Prozent stürzen. Davon haben fünf Prozent dann schweren Verletzungsfolgen. Außerdem sind in den ersten Monaten nach dem Schlaganfall auch Fatigue und Müdigkeit stark verbreitet.

Studien zeigen ein um knapp 50 Prozent erhöhtes Risiko für Knochenbrüche nach Schlaganfällen. Jedenfalls ist ein Schlaganfall mit einem stark erhöhten Risiko für Frakturen mit geringem Trauma verbunden. Hierzu kann man allerdings Schlaganfall-Patienten durch die richtige Nachsorge Frakturen ersparen. Im Blickpunkt muss die niedrige Knochenmineraldichte sein. Sofort zu Beginn der Behandlung sind vorbeugende Maßnahmen wichtig..

Weitere wichtige Komplikationen sind epileptische Anfälle sowie Muskelverkrampfungen in gelähmten Gliedern (Spastik). Zudem sind Schmerzen, Inkontinenz sowie Konflikte mit pflegenden Angehörigen häufig.

Die Welt-Schlaganfall-Organisation (WSO/engl.: World Stroke Organization) hat deswegen eine Post-Stroke-Checkliste für die Schlaganfall-Nachsorge entwickelt. Die dazu von einer internationalen multidisziplinären Gruppe von Schlaganfall-Experten entwickelte Liste gibt es auch in deutscher Sprache. Allerdings benutzen sie Ärzte zu selten.

 

Nachsorge für gewöhnlich durch den Hausarzt

Im Grunde genommen liegt die Schlaganfall-Nachsorge in der Hand des Hausarztes. Die Neurologen sind seltener einbezogen. Allerdings bestehen Versorgungslücken und Schnittstellenprobleme in der Schlaganfall-Nachsorge. Zum Beispiel erhalten viel zu wenige Patienten nach einem Schlaganfall eine Krankengymnastik oder Logopädie.

Um individuelles Leid zu verringern und um Kosten für die Gesellschaft zu sparen, ist ein umfassender Ansatz in der Schlaganfall-Nachsorge erforderlich. Wichtige Elemente sind eine eingehende Aufklärung von Patienten und Angehörigen über die Krankheit und deren Risikofaktoren, eine Einbeziehung der Patienten in die Formulierung von Zielen, Ernährungsanalyse und Diätberatung, konkrete lokale Angebote zu mehr körperlicher Aktivität, engmaschige Kontrollen der Risikofaktoren und Rauchentwöhnungsprogramme. Mehrere Ansätze sind denkbar, die Verbesserungen bringen können.

Literatur:

Heuschmann PU, Kircher J, Nowe T, Dittrich R, Zeljko R, Cifkova R, Malojcic B, Mayer O, Bruthans J, Wloch-Kopec D, Prugger C, Heidrich J, Keil U. Control of main risk factors after ischaemic stroke across Europe. Data from the stroke-specific module of the EUROASPIRE III survey. Europ J Prevent Cardiol 2015; 22:1354-1362.

Moira K. Kapral, Jiming Fang, Shabbir M.H. Alibhai, Peter Cram, Angela M. Cheung, Leanne K. Casaubon, Marla Prager, Melissa Stamplecoski, Brennan Rashkovan, Peter C. Austin. Risk of fractures after stroke. Results from the Ontario Stroke Registry. Neurology. 2017 Jan 3; 88(1): 57–64.
doi: 10.1212/WNL.0000000000003457

Kellermann M, Berecz R, Bereczki D. Does the severity of depressive symptoms after stroke affect long-term survival? An 18-year follow-up. PLoS One. 2018 Dec 18;13(12):e0209157. doi: 10.1371/journal.pone.0209157. eCollection 2018.

Delva II, Lytvynenko NV, Delva MY. Post-stroke fatigue and its dimensions within first 3 months after stroke. Wiad Lek. 2017;70(1):43-46.


Quelle:

» Schlaganfall überstanden – und dann? Nachsorge verbessern «. Professor Dr. med. Armin Grau. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft – DSG; Oktober 2017.

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