Welche Symptome auftreten, wenn Kinder einen Schlaganfall haben

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Wenn Kinder einen Schlaganfall erleiden, dann müssen die Symptome nicht immer schlagartig auftreten. Die FAST-Symptome gelten auch bei Kinder.

Nicht nur Erwachsene können einen Schlaganfall haben. Auch Kinder können betroffen sein und mit einem plötzlichen und hochgefährlichen Verschluss einer Gehirnarterie ins Krankenhaus kommen. Beispielsweise sind das in Deutschland jährlich zwei bis acht von 100.000 Kinder. Wobei bei Kindern jedoch oft wertvolle Zeit verloren geht. Es dauert auch wesentlich länger als bei Erwachsenen. Und zwar bis die Schlaganfall-Symptome richtig zugeordnet werden und die betroffenen Kinder die richtige Behandlung bekommen. Wobei auch bei der Versorgung kindlicher Schlaganfall-Patienten der Grundsatz »Time is Brain« gilt. Wichtig ist, dass man auch bei jungen Menschen, Jugendlichen und Kindern, an einen Schlaganfall denkt, wenn die Symptome dementsprechend sind.



 

Kinder mit Schlaganfall haben nicht nur die FAST-Symptome

In einer aktuellen Studie, für die Dr. med. Lucia Gerstl, Leiterin des Deutschen Netzwerks Pediatric Stroke und Sprecherin der Initiative Pediatric Stroke – ipeds am Klinikum der LMU München gemeinsam mit Kollegen kindliche und jugendliche Schlaganfall-Patienten untersuchte, zeigte sich, dass die überwiegende Mehrzahl (91 Prozent) der Kinder als erste Anzeichen fokale Ausfallerscheinungen wie eine Halbseitenlähmung, Gesichtslähmungen oder plötzlich auftretende Sprachstörungen entwickelten. Dr. Gerstl und ihr Team haben daraus die griffige „beFAST“-Pocketcard für jede Kitteltasche gemacht.

„Die FAST-Symptome sollten daher auch bei Kindern immer an einen Schlaganfall denken lassen und Anlass für eine sofortige bildgebende Untersuchung sein“, betont Dr. Gerstl. Auch dann, wenn gleichzeitig eher unspezifische Beschwerden wie Übelkeit oder Kopfschmerzen oder aber auch Krampfanfälle auftreten. Zudem traten bei einem Teil der Kinder die Symptome nicht schlagartig auf, sondern zeigten einen „stotternden“ oder progredienten Verlauf. Auch das dürfe keinesfalls dazu verleiten, die Diagnose Schlaganfall auszuschließen, mahnt Gerstl.

 

Time is Brain gilt auch bei Kindern

„Während die Behandlung erwachsener Schlaganfall-Patienten in Deutschland einem ausgefeilten Protokoll folgt und auf eine schnellstmögliche Versorgung ausgerichtet ist, dauert es bei Kindern noch immer durchschnittlich 23 Stunden, bis überhaupt die Diagnose gestellt wird“, sagt Dr. Gerstl. Dabei gelte die Devise „Time is Brain“ bei Kindern genauso wie beim Erwachsenen. Denn je schneller die Behandlung einsetze, desto geringer ist das Ausmaß der bleibenden Schäden. Bei Erwachsenen wird eine Wiedereröffnung des blockierten Gefäßes binnen 90 Minuten angestrebt.

Die Folgen der schleppenden Behandlung bei Kindern können gravierend sein. „Nur rund jedes dritte Kind erholt sich nach einem Schlaganfall vollständig. Bei einem Großteil kommt es zu langfristigen neurologischen Beeinträchtigungen wie einer Halbseitenlähmung oder einer Epilepsie“, erklärt Gerstl. „Oft wird allein aufgrund des jugendlichen Alters nicht sofort an einen Schlaganfall gedacht“, ergänzt Professor Dr. med. Armin Grau, Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum der Stadt Ludwigshafen und 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Zudem gebe es bei Kindern mehr mögliche andere Ursachen für die beobachteten Symptome.



 

S3-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des kindlichen Schlaganfalls

Derzeit wird eine S3-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des kindlichen Schlaganfalls erarbeitet sowie ein bundesweites Kinderschlaganfall-Register aufgebaut. Damit soll die Versorgung verbessert werden. Federführend sind Lucia Gerstl und Maja Steinlin (Bern, CH). Sie entwickeln die Leitlinie zusammen mit Mitgliedern des Deutschen Netzwerks Pediatric Stroke. Zudem sind weitere Experten aus Neurologie und Bildgebung daran beteiligt. Das Netzwerk setzt sich außerdem dafür ein, die Kinderneurologie als Notfalldisziplin zu etablieren sowie interdisziplinäre Strukturen zur Akut- und Langzeitversorgung zu schaffen, auch unter Einsatz von Telemedizin. „Das oberste Ziel muss es sein, die Zeit bis zu Diagnose und Therapiebeginn zu verringern, damit auch der Einsatz von Lysetherapie und mechanischer Thrombektomie grundsätzlich möglich ist. In der Postakutphase ist die Verringerung der hohen Rezidivrate von im Mittel rund 30 Prozent bei Kindern eine unserer Prioritäten“, sagt Gerstl.

 

Welche Risikofaktoren Kinder für einen Schlaganfall haben

Eine zentrale Rolle spielt hierbei auch die Ursachenforschung: In ihrer Studie wiesen 40 Prozent der betroffenen Kinder mindestens zwei der bekannten Risikofaktoren für einen Schlaganfall im Kindesalter auf. Dazu zählen etwa Blutgerinnungsstörungen, Herzerkrankungen, Veränderungen der Hirngefäße (zum Beispiel durch Entzündung), schwere Infektionen, Stoffwechselstörungen oder genetische Ursachen. Diesen Risikofaktoren mehr Beachtung zu schenken, könnte den Weg zu einer schnelleren Diagnose, in manchen Fällen auch zu präventiven Maßnahmen und zur Vermeidung weiterer Schlaganfälle ebnen.

Literatur:

Gerstl L, et al. Arterial ischemic stroke in infants, children, and adolescents: results of a Germany-wide surveillance study 2015-2017. J Neurol 2019; Aug 23. doi: 10.1007/s00415-019-09508-5.

Gerstl L, et al. Symptom patterns in childhood arterial ischemic stroke: Analysis of a population-based study in Germany. Klin Padiatr 2018; 230(6): 319-325, DOI https://doi.org/10.1055/a-0684-9794.


Quelle: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

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Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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