Fataler Zusammenhang: Übergewicht, Schlafstörungen und Schlafmangel

Schlafstörungen und Übergewicht scheinen in engem Zusammenhang zu stehen. © Lorelyn Medina / shutterstock.com

Schlafstörungen und Übergewicht scheinen in engem Zusammenhang zu stehen. © Lorelyn Medina / shutterstock.com

Schlafstörungen, Schlafmangel und Übergewicht stehen in engem Zusammenhang, denn der Schlaf ist auch für die Regelung des Körpergewichts immens wichtig.

Schlaf ist ein Mysterium: Was passiert mit beim Schlafen, warum schlafen wir? Schlaf ist bekanntermaßen für das Gedächtnis des Menschen sehr wichtig, aber auch für die Regelung des Körpergewichts braucht man einen gesunden Schlaf. Durchschnittlich braucht ein Mensch sieben bis acht Stunden Schlaf, im Alter sinkt dieses Bedürfnis dann auf fünf bis sechs Stunden. Schlaf hat immensen Einfluss auf den gesamten Organismus, zu wenig Schlaf macht langfristig krank. Im Gegenzug wirkt ausreichender Schlaf vermutlich präventiv gegen Zivilisationserkrankungen wie Bluthochdruck oder Übergewicht. Im Gegensatz dazu können aber auch Schlafstörungen und vor allem der daraus entstehende Schlafmangel negative Einflüsse wie beispielsweise Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Übergewicht und hohen Blutdruck bringen.

Angesichts des möglichen Zusammenhangs zwischen Schlafstörungen beziehungsweise unzureichendem Schlaf, Schlafmangel sowie Übergewicht, Fettleibigkeit beziehungsweise Adipositias ist es entscheidend, die sozialen, kulturellen und ökologischen Einflüsse des Schlafes zu identifizieren. Denn das könnte dazu beitragen, gefährdete Bevölkerungsgruppen früh genug zu erkennen.

 

Der Mensch verschlaft ein Drittel seines Lebens

Warum der Mensch ein Drittel des Lebens verschläft und warum der Schlaf so wichtig ist, ist allerdings bis heute ein Rätsel. Wobei die medizinische Forschung mittlerweile fast 100 Ursachen für Schlafstörungen kennt. Dennoch scheint eine gewisse Schlafmenge zwingend notwendig zu sein, denn durch die Belastungen des Alltags besteht Bedarf für einen kraftschöpfenden Ausgleich.

In der Wachphase ist der Mensch mit zahlreichen Stressoren konfrontiert, die allesamt schnelles Reagieren und Bewältigen erfordern.

Verschiedene rasch wechselnde Situationen müssen durch angepasstes Verhalten gemeistert werden, der Stoffwechsel muss sich je nach körperlicher Aktivität, Nahrungsaufnahme und Energiereserven neu adjustieren.

Zudem wird der Organismus mit unterschiedlichen Erregern konfrontiert, die immunologische Abwehrreaktionen auslösen.

Der Mensch braucht den Schlaf für die Gedächtniskonditionierung, Wissen, Eindrücke sowie neue Erkenntnisse des Tages werden im Schlaf verarbeitet und richtig zugeordnet – ähnlich einem digitalen Speichermedium wird im Schlaf die menschliche Festplatte defragmentiert.

So soll beispielsweise die hormonelle Regulation im Schlaf gleichzeitig das Gedächtnis für tags zuvor Gelerntes verbessern, die Blutzuckerregulation stabilisieren und immunologische Funktionen der Antikörperbildung verbessern.

 

Zusammenhang von Schlafstörungen mit Schlafmangel und Übergewicht nicht völlig geklärt

Epidemiologische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Schlafdauer sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen im letzten halben Jahrhundert abgenommen hat, während gleichzeitig die Rate von Übergewicht und Adipositas gestiegen ist. Rezente Daten deuten auf einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf, Schlafmangel und einer höheren Gewichtszunahme sowie Übergewicht und Adipositas hin. Denn es bestehen Auswirkungen des Schlafes auf die Nahrungsaufnahme oder körperliche Aktivität. Zudem besteht auch die Möglichkeit einer umgekehrten Verursachung, da Übergewicht und Fettleibigkeit zu vielen Komorbiditäten führen, die Schlafstörungen und Schlafmangel mit sich bringen, einschließlich Schlafapnoe.

Der Zusammenhang von Schlafstörungen und Übergewicht ist nicht restlos geklärt. Im Grunde genommen möchte die Forschung herausfinden, warum Schlaf auch das Körpergewicht regelt. Es verdichten sich aber auch die Hinweise, dass Schlafstörungen wichtige Risikofaktoren für Übergewicht sind.

In Europa haben 20 Prozent, in den USA sogar über 30 Prozent der Bevölkerung an Übergewicht. Bei Kindern drohen pandemische Ausmaße. Bei Personen, die an Schlafstörungen leiden, werden meistens nur seitens der behandelnden Ärzte mit Schlafmitteln behandelt – aber auf die Ursache zu wenig eingegangen. Frauen über 40 klagen übrigens vermehrt über Schlafstörungen.

Man hat dieses Phänomen im Schlaflabor untersucht, wobei sich allerdings ein differenziertes Bild ergab. Es zeigte sich, dass Frauen einen gesünderen Schlaf als Männer haben. Männer haben jedoch subjektiv ihren Schlaf als besser empfunden.


Literatur:

Ogilvie RP, Patel SR. The epidemiology of sleep and obesity. Sleep Health. 2017 Oct;3(5):383-388. doi: 10.1016/j.sleh.2017.07.013. Epub 2017 Aug 15. PMID: 28923198; PMCID: PMC5714285.

Cappuccio FP, Miller MA. Sleep and Cardio-Metabolic Disease. Curr Cardiol Rep. 2017;19(11):110. Published 2017 Sep 19. doi:10.1007/s11886-017-0916-0

Knutson KL. Does inadequate sleep play a role in vulnerability to obesity?. Am J Hum Biol. 2012;24(3):361–371. doi:10.1002/ajhb.22219


Quellen: Schlafstörungen und Übergewicht. MEDMIX 04/2007

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