Schlafstörungen als Frühsymptom für Demenz-Erkrankungen

Es mehren sich die Hinweise, dass Schlafstörungen Demenz vorhersagen könnten. © Pretty Vectors / shutterstock.com

Es mehren sich die Hinweise, dass Schlafstörungen Demenz vorhersagen könnten. © Pretty Vectors / shutterstock.com

Immer mehr Studien zu Schlaf zeigen, dass Schlafstörungen als Frühsymptom die Entwicklung von Demenz-Erkrankungen anzeigen könnten.

Ausreichender und natürlicher Schlaf ist eine Voraussetzung für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, jetzt mehren sich die Hinweise, dass Schlaf eine wichtige Rolle bei Demenz spielen soll. Deswegen haben Forscher unlängst in einer Studie untersucht, ob Schlafstörungen ein Frühsymptom sein könnten, das auf die Entwicklung einer Demenz hinweist. Im Fokus standen eine lange Schlafdauer von über 9 Stunden, eine mittlere von 6 bis 9 Stunden oder eine kurze Schlafdauer unter 6 Stunden.

im Grunde genommen wollten die Wissenschaftler insbesondere wissen, ob die Schlafdauer eine Demenz beeinflusst und daher ein Frühsymptom für eine bevorstehende Erkrankung ist. Dabei fanden sie heraus, dass eine Verlängerung der Schlafdauer ein Anzeichen für die Entwicklung einer Demenz sein kann, wobei die Änderung der Schlafdauer schon länger als ein Jahrzehnt vor Ausbruch der Gedächtnisstörungen auftreten kann. Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass nicht nur die Schlafdauer sondern auch Schlafstörungen Demenz-Erkrankungen andeuten.

 

Schlaf, Kognition und Demenz

Jedenfalls ist fast die Hälfte der zu Hause lebenden Senioren über 65 Jahre mit ihrem Schlaf unzufrieden. Wobei fast zwei Drittel der Bewohner von Pflegeheimen an Schlafstörungen leiden. Die Zusammenhänge zwischen Schlaf, Schlafstörungen und Demenz sind allerdings kompliziert. Das Krankheitsbild der Alzheimer-Krankheit (AD) ist beispielsweise nachweislich mit Schlafmerkmalen verbunden.

Im Grunde genommen gehen chronische und tiefgreifende Schlafbeschwerden und Schlafstörungen gehen häufig mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit einher. Infolgedessen können Beeinträchtigungen der Kognition, vermindertem Intellekt, schlechtem Gedächtnis, Verwirrung und psychomotorischer Retardierung auftreten. In diesem Sinne können alle diese Symptome von schlechten Schlaf und Schlafstörungen als eine Demenz fehlinterpretiert werden.

Wobei zu den wichtigsten Schlafstörungen, die Patienten mit Demenz betreffen, Schlaflosigkeit, Hypersomnolenz, Fehlausrichtung des zirkadianen Rhythmus sowie schlafbezogene Atmungsstörungen gehören. Weiter gehören motorische Schlafstörungen wie periodische Störungen der Beinbewegung im Schlaf und Restless-Legs-Syndrom dazu sowie Parasomnien. Und zwar meist in Form von Rapid Eye Movement (REM), Schlafverhaltensstörungen (RBD).

 

Fokus Amyloid-Plaques: Schlaf, Schlafstörungen, Demenz

Nachts wird der Flüssigkeitsaustausch im Gehirn verstärkt, um schädliche Stoffwechselprodukte zu entsorgen. Wie Proteinablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques, die eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Demenz spielen. Aber nur im Tiefschlaf arbeitet dieses Reinigungssystem auf Hochtouren. Hingegen funktioniert bei gestörtem Schlaf der Amyloid-Abbau nicht.

 

Könnten also als Frühsymptom Schlafstörungen Demenz-Erkrankungen anzeigen? Bedeuten Schlafstörungen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko?

Im Grunde genommen zeigen Patienten mit Demenz schon in leichten und mittleren Krankheitsstadien spezifische Veränderungen des Schlafes. Diese treten bereits sehr früh im Krankheitsverlauf auf, noch bevor eine Demenz erkennbar ist, und gehen mit der Ablagerung von Amyloid im Gehirn schon vor dem Krankheitsausbruch ein. Diese können ein Biomarker für eine sich später entwickelnde Demenz sein.

In Tierversuchen konnten Forscher zeigen, dass die Konzentration an Amyloid im Gehirn mit dem Tag-Nacht-Rhythmus schwankt. Bei Schlafentzug oder längerem Schlafmangel zeigten sich verstärkte Amyloid-Ablagerungen, die bei natürlichem, erholsamem Schlaf wieder abgebaut werden. Auch Unterbrechungen des Schlafes gingen mit einem 1,5-fach erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz einher.

Diese Ergebnisse weisen eindeutig auf die wichtige Bedeutung des Schlafs für die Entstehung und fortschreitende Entwicklung einer Demenz hin. Auch angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung einer Demenz muss man deswegen die Medizin im Zusammenhang mit Schlaf dringend in die Versorgung von Patienten mit Demenz einbinden.


Literatur:

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Quelle: www.dgsm.de

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