Kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen und Schlaflosigkeit, der Insomnie

Schlaflose Menschen haben haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und vor allem psychische Störungen. © www.afcom.at

Schlaflose Menschen haben haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und vor allem psychische Störungen. © www.afcom.at

Die kognitive Verhaltenstherapie bringt gegen Schlafstörungen und Insomnie, der Schlaflosigkeit, gute Wirkung und Therapie-Ergebnisse.

Unter dem Strich hat die kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen und Schlaflosigkeit – medizinisch Insomnie – eine große Bedeutung. Schlaflosigkeit ist meist mit Schlafstörungen wie Ein- und Durchschlafstörungen sowie vorzeitigem Erwachen vergesellschaftet. Chronische Schlaflosigkeit kann kognitive Probleme, Angstzustände und Depressionen, eine schlechte Arbeitsleistung und verminderter Lebensqualität verursachen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar die Gesamtsterblichkeit ist höher. Zudem müssen Patienten mit Bewegungsstörungen – wie beispielsweise das Restless-Legs-Syndrom und periodische Bewegungsstörung der Gliedmaßen –, zirkadiane Rhythmusstörungen sowie Atemstörungen wie beispielsweise die obstruktive Schlafapnoe identifiziert und angemessen behandelt werden. Zu den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen und zur Therapie der Insomnie setzen Schlafspezialisten einerseits Techniken ein, die auf eine Strukturierung des Schlaf-Wach-Rhythmus abzielen. Und andererseits kommen kognitive Techniken zur Anwendung, die dysfunktionale Gedankenprozesse reduzieren. Als Behandlungsgrundlage wird die sogenannte Psychoedukation angesehen, die die Betroffenen mit Schlafberatung und gut verständlichen Informationen unterstützt.

 

Stimuluskontrolle – Strukturierung des Schlaf-Wach-Rhythmus

Die Stimuluskontrolle gehört zu den wesentlichen therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie. Es kommt dabei zur Beeinflussung des beobachtbaren oder verdeckten Verhaltens durch geplantes Aufsuchen, Vermeiden oder Verändern der Reizbedingungen, die dem Zielverhalten vorausgehen. Sie basiert im Zusammenhang mit Schlaflosigkeit auf der Annahme, dass Schlafstörungen durch Lernvorgänge entstehen und dadurch auch aufrecht erhalten werden können. Dementsprechend sollen insbesondere Aktivitäten, die die Schlaflosigkeit fördern, mit Hilfe verschiedener Techniken wieder verlernt werden. Ziel der Stimuluskontrolle ist, dass das Bett stark mit Schlafen assoziiert wird, dass das Bett nur noch zum Schlafen genutzt wird. Folgende Techniken helfen bei der Stimuluskontrolle:

Die Stimuluskontrolle bringt meist rasch eine Verbesserung der Einschlafzeit und zu einer Verringerung des nächtlichen sowie frühmorgendlichen Erwachens.

 

Schlafrestriktion

Mittels Schlafrestriktion soll es zu einem rascheren Einschlafen, einem tieferen Schlaf und zur Verringerung der Aufwachzeiten kommen. Bei der Schlafrestriktion wird die im Bett verbrachte Zeit konsequent verkürzt, damit Schlaf­effizienz und Schlafkontinuität verbessert werden. Weiters wird durch Verringerung der Wachliegezeit das nächtliche Grübeln unterbrochen.

Dazu führen die Betroffenen Schlaf-Tagebücher, in denen mehrere Wochen lang die individuelle Liegezeit, die Dauer bis zum Einschlafen und die allgemeine Schlafdauer dokumentiert werden. Daraus wird dann die Schlafeffizienz und die durchschnittliche Bettzeit ermittelt, die dann die Grundlage für die Behandlung bildet.

Wenn bei der Berechnung des Durchschnitts aus den letzten 5 Tagen ein Anstieg der Schlafeffizienz zu verzeichnen ist, so wird dann auch die Bettzeit um eine Viertelstunde verlängert. Die vermehrte Wachzeit erhöht den Schlafdruck, was die Zeit bis zum Einschlafen verkürzt und die Schlaftiefe fördert. Mit Hilfe der Schlafrestriktion wird vor allem die Schlaf­effizienz verbessert.

 

Kognitive Verhaltenstherapie als Schlaftherapien gegen Schlafstörungen und Insomnie

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Schlaftherapien sollen bei Schlaflosigkeit sowohl Schlafqualität als auch das Tagesempfinden verbessern. Insbesondere der Abbau dysfunktionaler Gedanken in Bezug auf den Schlaf sowie die Verringerung damit verbundener Ängste und von emotionalen Stress spielen dabei eine wichtige Rolle. Spezielle verhaltenstherapeutische Techniken wie Gedankenstopp, kognitives Umstrukturieren und Neubewerten dysfunktionaler Gedanken werden eingesetzt. Ressourcenaktivierung, Umgang mit Spannung und Entspannung sowie Aktivitätsaufbau ergänzen die Behandlungsstrategie. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Schlaftherapien konnten ihre Wirksamkeit in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nachweisen. So konnten nicht nur Veränderungen der Schlafarchitektur, sondern auch mittel- und langfristige Effekte gezeigt werden.

 

Paradoxe Intention

Die Paradoxe Intention stellt ein weiteres Verfahren in der Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit dar. Paradoxe Intention hat das Ziel, die insbesondere bei Insomnien vorherrschende Erwartungsangst vor der Schlaflosigkeit sowie den daraus resultierenden Teufelskreis zu verringern und zu durchbrechen. Durch das so lange wie möglich Wachliegen soll eine durch Angst ausgelöste Erregung vermindert und so das Schlafen gefördert werden. Dementsprechend ist diese Technik der Verhaltenstherapie vor allem für Betroffene, die Angst vor dem Einschlafen haben, gut geeignet. Wobei die paradoxe Intention in Abhängigkeit von Persönlichkeitsfaktoren der betroffenen Person als wirksam gilt.

 

Kombinierte Methoden der Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen und Insomnie

In den letzten Jahrzehnten wurden immer öfter kombinierte Methoden der Verhaltenstherapie angewandt. Meist werden dabei Verfahren zur Schlaf-Wach-Rhythmus-Strukturierung mit unterschiedlichen Entspannungsverfahren sowie Psychoedukation und Schlafhygiene kombiniert. Dabei zeigten sich sehr positive Effekte auf die verschiedenen Parameter zur Schlaflosigkeit wie Einschlaflatenz, Einschlafzeiten, sowie nächtliche Wachzeiten und Schlaftiefe.


Literatur:

Maness DL, Khan M. Nonpharmacologic Management of Chronic Insomnia. Am Fam Physician. 2015 Dec 15;92(12):1058-64. PMID: 26760592.

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