Obstruktives Schlafapnoesyndrom erhöht das Risiko für Herz und Gefäße

Obstruktive Schlafapnoe, Schlafapnoesyndrom – anatomische Konzept. © decade3d - anatomy online / shutterstock.com

Obstruktive Schlafapnoe, Schlafapnoesyndrom – anatomische Konzept. © decade3d - anatomy online / shutterstock.com

Patienten mit einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom haben ein erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie, zerebralen Insult und Herzinsuffizienz.

Das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS) kommt bei 4 % der männlichen Bevölkerung bei 2 % der Frauen vor. Die Inzidenz dieser Erkrankung steigt mit dem Alter und dem Body Mass Index. Männliches Geschlecht und eine positive Familienanamnese erhöhen zusätzlich die Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Die wichtigsten Folgeerkrankungen des obstruktiven Schlafapnoesyndroms sind die arterielle Hypertonie, der zerebrale Insult und die Herzinsuffizienz. Bei Personen mit Herzinsuffizienz und (unbehandeltem) Schlafapnoesyndrom besteht eine deutlich erhöhte Mortalität.

Patienten mit obstruktiven Schlafapnoesyndrom verursachten in den letzten fünf Jahren vor der Diagnosestellung 23–50% höhere Kosten durch Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte als die Vergleichsbevölkerung, wie eine Studie von Smith aus dem Jahr 2002 im Chest Magazin zeigt.

Nicht zu vergessen ist auch das erhöhte Unfallrisiko, das vor allem Kraftfahrer, aber auch andere Personen mit risikoreichen Berufen betrifft. Daher sind Früherkennung und lebenslange Therapie von großer Bedeutung. Interessant ist auch, dass eine Diskrepanz zwischen dem Frauen­anteil der OSAS-Patienten in klinischen Studien und Untersuchungen, welche die Gesamtbevölkerung betreffen, besteht.

In der Gesamtbevölkerung liegt das Verhältnis Frauen : Männer bei 1 : 2–4, in klinischen Studien mit behandelten Patienten allerdings 1 : 6 oder höher. Valipour et al. haben in einer im Sleep Journal veröffentlichten Studie 2007 herausgefunden, dass Frauen eher atypische Symptome wie Depression, Restless legs oder Schlaflosigkeit angeben, während Männer meist über die klassischen Symptome, wie Schnarchen, Tagesmüdigkeit und chronische Schläfrigkeit klagen.

Dies führt dazu, dass ein obstruktives Schlafapnoesyndrom bei Frauen offensichtlich zu selten erkannt und behandelt wird. Die klassischen Fragebögen, wie der Epworth Sleepiness Scale (ESS) sind also unter Umständen bei Frauen nicht immer zielführend, bzw. bedarf es einer ausführlicheren Anamnese, wenn Risikofaktoren für ein obstruktives Schlafapnoesyndrom vorhanden sind.


Wann besteht der Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoesyndrom?

Risikofaktoren:


Typische Symptome:


Häufige, unspezifische Symptome bei obstruktivem sSchlafapnoesyndrom:


Wann besteht eine Indikation für eine n-CPAP-Beatmung?


Neue nichtinvasive Beatmungsgeräte und Beatmungsmodalitäten

Die neueren CPAP-Geräte haben einige Verbesserungen bei der Druck- und Flussgenerierung zu bieten, die vor allem die Compliance des Patienten erhöhen sollen:

Bei Problemen mit subjektiv zu hohem Ausatmungsdruck oder hohem Druckbedarf bieten einige Geräte einen Zusatzmodus an, der eine Absenkung des Beatmungsdrucks um wenige mbar zu Beginn der Exspiration ermöglicht (z.B. C-Flex von Respironics, EPR von Resmed). Der vorgegebene CPAP-Druck wird bis zum Beginn der nächsten Inspiration wieder erreicht.

Der Auto CPAP ist ein Beatmungsmodus, der bedarfsorientierte Druckwechsel durchführt. Dieses Gerät wurde primär für die Auto-Titration im Schlaflabor entwickelt. Vor einer unkritischen Anwendung oder gar »Selbsteinstellung« ohne Kontrolle im Schlaflabor ist jedoch zu warnen, da diese Geräte zwar die Erkennung von obstruktiven Schlafapnoen beherrschen, aber Probleme bei der Differenzierung und/oder Erkennung von zentralen Apnoen, Hypopnoen und Flusslimitierungen haben und somit für komplexe Schlaf­apnoe nicht ohne vorherige Austestung im Schlaflabor geeignet sind.

Als weitere Nachteile werden in Studien die Störung des Schlafes durch Druckwechsel, aber vor allem die schlechtere Compliance bei Primäreinstellung und zu hohen unteren oder oberen Grenzwerten durch Auto-CPAP genannt. Befürworter des Auto CPAP bringen Argumente wie bessere Therapiecompliance, bessere Elimination von Flusslimitierungen und geringere Nebenwirkungen wegen durchschnittlich niedrigerem Beatmungsdruck.

Eine Indikation zur Bilevel-Beatmung im S-Modus (Spontaneous Modus) ist dann gegeben, wenn eine Überbrückung von zentralen oder gemischten Atempausen gewünscht wird sowie beim hyperkapnischen Patienten, oder wenn, zum Beispiel beim adipösen Patienten, ein Druck über 15 bis 20 mbar erforderlich ist. Dabei besteht die Möglichkeit, im ST-Modus (spontaneous/timed) zu beatmen, wobei der Patient jeden Atemzug selbst triggert, aber vom Gerät zusätzliche Atemzüge appliziert bekommt, wenn innerhalb eines definierten Zeitraumes keine Triggerung erfolgt.

 

Es gibt dabei auch Geräte mit Zusatzfunktionen

ST-Modus mit Zielminutenvolumen (Resmed Autoset CS): Dabei wird versucht, durch Drucksteigerungen des IPAP ein Zielminutenvolumen einzuhalten – bei Adipositas, hohem erforderlichen Beatmungsdruck. ST-Modus mit Zielatemzugvolumen (Airox Smartair ST): Bei diesem Modus wird durch IPAP-Druck­steigerung das Zugvolumen innerhalb weniger Atemzüge auf das eingestellte Maß erhöht. Dabei wird ein höherer Spitzendruck toleriert. Auto SV Modus mit »flow target« (Respironics Auto SV): Durch IPAP-Drucksteigerung wird der Inspirationsfluss auf einen Zielfluss-Wert adaptiert.

Der Einsatz erfolgt vorwiegend bei OSAS mit sekundärer zentraler Schlafapnoe. Eine Sonderform der Bilevel-Beatmung, die in den letzten Jahren entwickelt wurde, ist die »Auto Adaptive Servoventilation«: Bei diesem Modus werden ein minimaler und ein maximaler IPAP definiert, zwischen dem sich der aktuelle IPAP bewegen kann, um den gewünschten Zielwert (meist ein vorgegebenes oder automatisch bestimmtes Ziel­atemzug- oder Atemminutenvolumen) einzuhalten. Diese Beatmungsform wird in der Literatur besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz empfohlen.

Zielführend ist sie auch bei Patienten mit hohem Druckbedarf. Bei Cheyne Stokes Atmung ist sie anderen therapeutischen Methoden überlegen. Wenn man die gesamte Bandbreite der oben genannten Neuerungen optimal für die Therapie des Patienten ausnutzt, ist es möglich, eine Patienten-Compliance von 80–90% zu erreichen.

 

Untersuchungsmöglichkeiten bei Obstruktivem Schlafapnoesyndrom

Im Grunde genommen Grundsätzlich gibt es die ambulante Polygrafie (zu Hause, unüberwacht, Respiratorische Parameter ohne Aufzeichnung von EEG-Parametern) sowie die stationäre Polysomnografie (im Schlaflabor, überwacht, alle Parameter komplett inklusive EEG-Parameter). Die Zahl der niedergelassenen Lungenfachärzte mit Geräten für ambulante Polygrafie ist im Steigen begriffen.

Es sollte daher die Zuweisung bei Verdacht auf ein Schlaflabor primär zum Lungenfacharzt erfolgen, da die Wartezeiten für ein Schlaflabor oft sehr lang sind, und da durch das ambulante Monitoring der respiratorischen Parameter zu Hause die Indikation zur Einstellung auf ein nasales Beatmungsgerät im Schlaflabor schnell und sicher gestellt werden kann.

Ebenso sind die jährlichen Kontrolluntersuchungen bei Patienten mit nCPAP-Therapie auf diese Weise schnell und rasch zu bewerkstelligen, was vor allem wertvolle Polysomnografie-Termine im Schlaflabor einspart. Werden bei der Untersuchung zu Hause pathologische Befunde erhoben, so kann der Patient rasch und gezielt einem Schlaflabor zugewiesen werden.


Literatur:

Patel SR. Obstructive Sleep Apnea. Ann Intern Med. 2019 Dec 3;171(11):ITC81-ITC96. doi: 10.7326/AITC201912030. PMID: 31791057.

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