Schlafapnoe-Syndrom bei Menschen mit Asthma bronchiale

Schlafapnoesyndrom, chronische Entzündungsreaktion der Bronchien, gastroösophagealer Reflux und jegliche Obstruktion der oberen Atemwege wie allergische Rhinitis haben eine zusätzlich negative Auswirkung auf die Schlafqualität bei Patienten mit Asthma bronchiale. © decade3d - anatomy online / shutterstock.com

Schlafapnoesyndrom, chronische Entzündungsreaktion der Bronchien, gastroösophagealer Reflux und jegliche Obstruktion der oberen Atemwege wie allergische Rhinitis haben eine zusätzlich negative Auswirkung auf die Schlafqualität bei Patienten mit Asthma bronchiale. © decade3d - anatomy online / shutterstock.com

Ein Schlafapnoe-Syndrom wirkt ebenfalls negativ auf die Qualität beim Schlafen und somit auf die Lebensqualität von Menschen mit Asthma bronchiale.

Es treten verschiedene Beschwerden und Symptome auf, wie auch das Schlafapnoe-Syndrom, die sich negativ auf die Qualität beim Schlafen und damit auch auf die Lebensqualität der Patienten mit Asthma bronchiale auswirken. Dazu zählen auch eine chronische Entzündungsreaktion der Bronchien, ein gastroösophagealer Reflux und jegliche Beeinträchtigung der oberen Atemwege (beispielsweise allergische Rhinitis).

 

Schlaf­apnoe-Syndrom

Das Schlaf­apnoe-Syndrom ist ein etabliertes Krankheitsbild, das durch Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall und Schnarchen charakterisiert ist. Man unterscheidet das obstruktive und das zentrale Schlaf­apnoe-Syndrom. Beim ersteren führt ein Tonusverlust der Rachenmuskulatur zu einem Kollaps des Oropharynx und dadurch zu einer Unterbrechung des Atemflusses. Beim zentralen Schlafapnoesyndrom kommt es zur passageren Unterbrechung der Stimulation der Atemmuskel durch das Atemzentrum in der Medulla oblongata.

Ursächlich für das zentrale Schlaf­apnoe-Syndrom scheinen Schwankungen im CO2-Partialdruck zu sein. Ein erniedrigter CO2 Wert kann zu einem zentralen Schlaf­apnoe-Syndrom führen.

Ein vermeintlich viel »banaleres« und leider zu oft unterschätztes Problem ist das upper airway resistance syndrome. Hierbei kommt es durch Verengung der oberen Atemwege etwa bei Nasenseptumdeviation, Polypen oder nasaler Obstruktion im Rahmen der allergischen Rhinitis zu Flusslimitierung, Schnarchen und signifikanten Schlafstörungen.

Ist das obstruktive Schlafapnoesyndrom hauptsächlich ein Problem der Erwachsenen, so betrifft das upper airway reststance syndrom bereits Kinder.

 

Wie beeinflusst Asthma bronchiale den Schlaf, gibt es bei den Betroffenen ein Schlafapnoe-Syndrom?

Es ist ein allgemein bekanntes Problem, dass Asthma bronchiale den Schlaf stören kann. Bereits bei der Einteilung der Schweregrade der Erkrankung spielt die nächtliche Symptomatik eine Rolle.

Generell gelten Asthmatiker mit nächtlichen Beschwerden als schwerer erkrankt, auch orientiert sich die Gabe von langwirksamen Betamimetikern an der nächtlichen Symptomatik. Warum Asthmatiker nächtliche Beschwerden zeigen, ist ein vielschichtiges Problem.

Es gibt keine Hinweise, dass das Schlafapnoe-Syndrom bei Menschen mit Asthma bronchiale häufiger ist als bei Nicht-Asthmatikern. Und das obwohl Asthmatiker häufiger schnarchen.

Eine CPAP-Therapie zeigt nur dann bei Menschen mit Asthma bronchiale mit nächtlichen Symptomen Erfolg, wenn sie auch an einem Schlafapnoe-Syndrom leiden. Interessanterweise zeigen einige Patienten mit OSAS eine bronchiale Hyperreaktivität welche nach einigen Monaten CPAP-Therapie abnimmt.

 

Verschiedene Risikofaktoren und Symptome für Asthmatiker

Jedenfalls ist auch Adipositas ein Risikofaktor für das Entstehen von einem Schlafapnoesyndrom. Zudem konnte man auch durch Gewichtsabnahme eine Verbesserung der Lungenfunktionsparameter bei Asthmatiker beobachten.

Bei Patienten mit nächtlichem Asthma bronchiale führt gastroösophagealer Reflux zu einer Aggravation der Symptomatik, der Therapieerfolg mit H2-Blockern und Protonenpumpeninhibitoren ist allerdings nicht immer erfolgreich. Bekannt ist, dass die Lungenfunktion bei Patienten mit Asthma bronchiale ausgeprägteren Variationen als bei Normalpersonen unterliegt. Aufgrund tageszeitlicher Schwankungen erreicht der Peakflow gegen vier bis sechs Uhr morgens seinen tiefsten Wert.

 

Nächtliche Symptome bei Asthma

Nach einer älteren, 1988 publizierten Studie an 7.729 Asthmatikern hatten 75% der Patienten einmal pro Woche nächtliche Symptome. Durch die Einführung der langwirksamen Betamimetika konnte der Prozentsatz der gestörten Nächte von 77% auf 28% reduziert werden. Die Einwanderung von eosinophilen Granulozyten in die Bronchialschleimhaut ist mit Inflammation und Bronchokonstriktion assoziiert.

Asthmatiker mit nächtlicher Symptomatik zeigten ausgeprägte zirkadiane Schwankungen ihres Gehaltes an Eosinophilen in den kleinen Atemwegen und Alveolen. Um 4 Uhr am Morgen wird ein signifikant erhöhter Spiegel an eosinophilen Granulozyten verglichen mit 16 Uhr erreicht.

Eine Zunahme der eosinophilen Granulozyten ist mit der Zunahme der nächtlichen Symptomatik und dem Abfall des FEV1 assoziiert. Auch die Cysteinyl-leukotrienspiegel zeigen einen signifikanten Anstieg um 4 Uhr morgens.

Vergleicht man ACTH und Cortisolspiegel bei Patienten mit Asthma bronchiale, die an nächtlichen Symptomen leiden, mit Asthmatikern, die keine nächtlichen Symptome haben, so sieht man, dass nächtliche Asthmatiker zwar deutlich erhöhte ACTH Spiegel haben, aber der Cortisolspiegel nicht adäquat ansteigt.

Eine erniedrigte ACTH-Sensitivität der Nebennieren wird als Ursache diskutiert. Gegenüber gesunden Kindern wurden bei asthmatischen Kindern erniedrigte Serumcortisolspiegel gefunden.

 

Medikation zu unterschiedlichen Zeiten

Eine 1992 publizierte Studie an Patienten mit nächtlichem Asthma bronchiale zeigte, dass die Gabe von oralem Steroid (50mg Prednison) um 15 Uhr zu einer signifikanten Verbesserung des nächtlichen FEV1 führte (10,4% ± 4,5% versus 28,2% ± 7,3%).

Zudem zeigte sich ein Abfall der eosinophilen Granulozyten im peripheren Blut. Wenn man das Steroid um 8 Uhr morgens oder 8 Uhr abends einsetzte, dann konnte man diesen Effekt nicht sehen.

Auch beim obstruktivem Schlafapnoesyndrom diskutieren Experten eine systemische Inflammationskomponente. Denn dazu konnte man erhöhte Spiegel an Interleukin 1-β, Interleukin 6, TNF-α, C-reaktives Protein und Adhäsionsmoleküle nachweisen.

Interessanterweise zeigten jene Patienten mit obstruktivem Schlafapnoesyndrom eine deutliche Abnahme ihrer Tagesmüdigkeit, die einen TNF-α-Antagonist (Etanercept) einsetzten.

Melatonin, ein proinflammatorisches Hormon, welches mit einer Verbesserung der Schlafqualität nach Langstreckenflügen assoziiert wird, führt zu Anstieg von Interleukin 1, Interleukin 6 und TNF-α. Hohe Melatoninspiegel korrelieren mit erhöhtem nächtlichen FEV1-Abfall.

 

Entzündungsreaktionen beeinflussen die Schlafqualität

Chronische Entzündungsreaktionen scheinen jedenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Schlafqualität zu haben. Wobei der regelmäßige Schlaf die Funktion unseres Immunsystems zu erhalten scheint. Eine konsequente antiinflammatorische Therapie bei Asthma bronchiale ist essentiell, um eine optimale Schlafqualität sowie somit eine optimale Lebensqualität zu ermöglichen.

Die suffiziente Therapie von Obstruktionen der oberen Atemwege darf mann ebenso nicht vernachlässigt werden, denn 80% der Patienten mit allergischem Asthma bronchiale leiden auch an allergischer Rhinitis.

Im Grunde genommen ist eine frühzeitige Therapie der allergischen Rhinitis mit spezifischer Immuntherapie nach wie vor die einzige kausale Therapie der Allergie. Das bietet die Option, die Entstehung eines allergischen Asthma bronchiale zu verhindern.

 

Fazit: das Schlafapnoe-Syndrom ist ein zusätzlicher negativer Faktor bei Asthma bronchiale und beeinträchtigt Schlafqualität und Lebensqualität!

Zusammenfassend haben das Schlafapnoe-Syndrom, die chronische Entzündungsreaktion der Bronchien, der gastroösophagealer Reflux, jegliche Obstruktion der oberen Atemwege wie zum Beispiel die allergische Rhinitis eine zusätzlich negative Auswirkung auf die Schlafqualität und somit auf die Lebensqualität der Menschen mit Asthma bronchiale.

Schließlich ist eine übergreifende Diagnostik in Form von Allergietestung, Lungenfunktion, HNO-Durchuntersuchung sowie eine Polysomnographie im Schlaflabor angezeigt. Darauf folgt eine entsprechende spezifische Therapie. Wichtig ist jedenfalls die Aussage in der Anamnese »ich schlafe schlecht – ich bin am Tag nicht ausgeschlafen« bereits ab dem Kindes-/Schulalter wichtig. Dadurch kann der Arzt eine effektive Behandlung einleiten. Damit kann er dann den Patienten mit Asthma bereits in frühen Jahren beim Schlafen helfen und so deren Lebensqualität verbessern.


Literatur:

Kavanagh J, Jackson DJ, Kent BD. Sleep and asthma. Curr Opin Pulm Med. 2018;24(6):569‐573. doi:10.1097/MCP.0000000000000526

Madama D, Silva A, Matos MJ. Overlap syndrome–Asthma and obstructive sleep apnea. Rev Port Pneumol (2006). 2016;22(1):6‐10. doi:10.1016/j.rppnen.2015.08.005

Michel Alkhalil, Edward Schulman, Joanne Getsy. Obstructive Sleep Apnea Syndrome and Asthma: What Are the Links? J Clin Sleep Med. 2009 Feb 15; 5(1): 71–78.


Quelle: Schlaf, Schlafstörungen und Asthma bronchiale. Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke. MEDMIX 03/2006; 18-19.

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