Schieloperation, Strabismus: Schielen schonend operativ behandeln

Strabismus – Schielen – kann man in jeden Alter operativ behandeln. © Jmarchn / GFDL / Creative Common / wikimedia

Schielen kann man in jedem Alter operativ behandeln. Auch für Kinder steht eine minimal-invasive, schonende Schieloperation zur Verfügung.

Bei etwas mehr als 50 Prozent lässt sich der Strabismus schon mit der richtigen Brille korrigieren, die andere Hälfte benötigt eine Schielbehandlung. Manchmal sollte man Schielen auch operativ behandeln. Diese operative Behandlung von Strabismus, dem Schielen, ist in jedem Alter möglich. Und zwar kann die Schieloperation auch minimal-invasiv und äußerst schonend bereits im Kindesalter erfolgen. Übrigens schielen rund vier Prozent aller neugeborenen Kinder.



 

Mit Weitsichtigkeit geboren

Im Grunde genommen kommen so gut wie alle Kinder weitsichtig auf die Welt, mit plus 1,5 Dioptrien. Diese Weitsichtigkeit wächst sich bei den meisten Kids mit den Jahren aus und das Auge wächst in die Länge. Wenn aber eine höhere Weitsichtigkeit besteht, dann ist dies der bedeutendste Risikofaktor für das Auftreten von Schielen. Das ist ab etwa plus 3,5 Dioptrien der Fall. Hier ist bereits im ersten Lebensjahr eine Brillenverordnung unumgänglich.

Die zweite Gruppe von Kindern hat bei der Geburt zu schwache Augenstellreflexe. Eine Schielstellung verursacht meist eine Schwachsichtigkeit eines Auges.

Diese muss unbedingt im ersten bis zweiten Lebensjahr diagnostiziert und mit konsequenter Augenokklusion, die bekannten ‚Piratenpflaster‘ an einem Auge, vermieden werden, sonst bleibt eine lebenslange Sehschwäche.“

 

Frühzeitige Abklärung durch einen Kinderaugenarzt

Bis Anfang der achtziger Jahre war es üblich, Schielen operativ nicht vor dem fünften oder sechsten Lebensjahr zu behandeln. Denn man hatte vor allem Respekt vor den Risiken bei der Kindernarkose. Seither hat sich einerseits aber die Kinder-Anästhesie deutlich verbessert.

Zudem bekam im Jahr 1981 das amerikanisch-schwedische Wissenschaftler-Duo David Hunter Hubel und Torsten Nils Wiesel den Nobelpreis für Physiologie und Medizin für die Entdeckung, dass sich beidäugiges Sehen und die Informationsverarbeitung im Sehwahrnehmungssystem bereits grundlegend im 1. Lebensjahr entwickelt.



Daher ist eine frühzeitige Abklärung durch einen Kinderaugenarzt ratsam. Vor allem, wenn Schielen in der Familie erblich ist, wenn andere Verdachtsmomente bestehen oder bei Frühgeburten. Bei Kleinkindern schafft man mit einer korrekten Behandlung volle Sehkraft mit beiden Augen. Das fördert die Entwicklung des räumlichen Sehens und garantiert dann bleibenden Erfolg.

 

Schielen auch bei Erwachsenen operativ behandeln

Jedes Auge wird von sechs äußeren Augenmuskeln bewegt. Wenn ein deutliches Ungleichgewicht im Muskelzug besteht, oder wenn die Fusionsfähigkeit des Gehirns nicht ausreicht, die beiden Bilder, die die Augen ans Gehirn „senden“, zu überlagern, dann tritt eine Schielstellung auf.

Bei einer Schieloperation wird durch Verlagerung oder Faltung der Augenmuskeln wieder ein Gleichgewicht im Muskelzug hergestellt. Und zwar ohne Eingriff ins Innere des Auges.

Die Sehnenansätze befinden sich unter der Bindehaut und sind durch einen kleinen, minimal-invasiven Bindehautschnitt in der Augenhöhle zugänglich. Eine Schieloperation dauert rund 30 bis 60 Minuten.

Auch im Erwachsenenalter sind Schielbehandlungen sehr wichtig. Etwa bei Phorien, so bezeichnet man eine starke Fehlstellung der Augen etwa bei Müdigkeit. Oder wenn auf Grund von Hirnnervenausfällen ein Lähmungsschielen mit Doppelbildern auftritt. Das kann oft eine Folge von schlecht behandeltem Diabetes, Bluthochdruck sowie Arteriosklerose sein.



 


Literatur:

Asproudis I, Kozeis N, Katsanos A, Jain S, Tranos PG, Konstas AG. A Review of Minimally Invasive Strabismus Surgery (MISS): Is This the Way Forward? Adv Ther. 2017 Apr;34(4):826-833. doi: 10.1007/s12325-017-0498-7. Epub 2017 Mar 1.


Quelle: Medizinische Universität Wien

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