Kinderkrankheit Scharlach: noch immer häufige Infektion bei Kindern

Die Kinderkrankheit Scharlach war früher oft mit einer Quarantäne verbunden, typisches Symptom ist der rote Ausschlag bei Kindern mit seiner Sandpapier-Struktur. © Anton Watman / shutterstock.com

Die Kinderkrankheit Scharlach ist nach wie vor weit verbreitet, typisches Symptom der Kinder-Infektionskrankheit ist der rote Hautauschlag mit Sandpapier-Struktur.

Scharlach ist normalerweise eine milde, selbstlimitierende Krankheit, die allerdings wieder häufiger auftritt. Im Grunde genommen hat sich die Situation in den letzten Jahrzehnten aber verbessert. Die Kinderkrankheit Scharlach kommt heute seltener vor als vor 50 Jahren und verläuft nicht so dramatisch. Scharlach lässt sich heutzutage mit Antibiotika effektiv behandeln. Deswegen muss aktuell praktisch kein Kind mehr an dieser Krankheit sterben, so wie es früher öfters der Fall war. Das typische Symptom der Haut bei Scharlach bei Kindern ist der rote Ausschlag mit seiner Sandpapier-Struktur.

Menschen können zwei bis drei Wochen nach Auftreten der Symptome infektiös sein. Es sei denn, sie werden früher erkannt und behandelt. Jedenfalls minimieren Antibiotika das Risiko für Komplikationen und eine Weitergabe der Infektion. In seltenen Fällen entwickeln sich invasive Streptokokken-Infektionen der Gruppe A wie Meningitis, Lungenentzündung und septische Arthritis

 

Die Kinderkrankheit Scharlach brachte dramatische Epidemien in früheren Zeiten

Die Infektionskrankheit ist früher epidemisch aufgetreten. In früheren Jahrhunderten war sie in ihrer Gefährlichkeit mit Pest, Typhus und Cholera vergleichbar. Die Sterberate betrug in manchen Epidemien 20 Prozent, teilweise starben sogar mehr als 50 Prozent der mit Scharlach angesteckten Kinder. Selbst in die Literatur fand die Krankheit Eingang: Nachdem zwei seiner zehn Kinder an Scharlach gestorben waren, schrieb der Dichter Friedrich Rückert um 1830 seine „Kindertotenlieder“, die später von Gustav Mahler vertont worden sind. Auch Mahlers Tochter Maria Anna („Putzi“) wurde mit fünf Jahren Opfer einer kombinierten Scharlach-Diphtherie-Infektion.

 

Scharlacherreger

Die Scharlacherreger sind Bakterien, die sogenannten Streptokokken der Gruppe A. Davon gibt es rund 80 verschiedenen Typen, die normalerweise eine Streptokokken-Angina, also eine Halsentzündung, verursachen. Der Scharlach ist eine Sonderform der Streptokokken-A-Infektion, der durch spezielle Streptokokken-Typen hervorgerufen wird. Sie sind in der Lage, ein spezielles Scharlach-Gift zu produzieren, das den typischen Scharlachausschlag auslöst. Im Grunde ist Scharlach also eine Streptokokken-Angina mit Ausschlag.

 

Gestärktes Immunsystem nach Scharlach-Erkrankung

Die Abwehrkräfte des Kindes produzieren Antikörper gegen diesen Giftstoff, so dass es anschließend gegen Scharlach immun ist. Da es aber mindestens vierScharlacherreger gibt, erkranken manche Kinder mehrmals an Scharlach. Eine derartige zweite Erkrankung hat nichts damit zu tun, ob das Kind mit Penicillin behandelt worden ist.

 

Wie man sich mit Scharlach ansteckt

Scharlach-Epidemien treten meist in der kalten Jahreszeit auf, besonders bei relativ trockenem und windigem Wetter. Die Scharlacherreger werden meistens durch Tröpfchen aus dem Atem übertragen, aber auch durch Wäsche, Kleidung, Spielzeug und Bücher. Gelegentlich verbreiten sie sich auch über verunreinigte, schlecht gekühlte Lebensmittel.

Obwohl schon Babys vom sechsten Monat an infiziert werden können (vorher haben sie noch einen „Nestschutz“ von der Mutter), tritt Scharlach oft erst zwischen dem dritten und achten Lebensjahr auf, mit einem Gipfel im vierten Lebensjahr. Mit zehn Jahren nimmt die Ansteckungsgefahr ab, erlischt aber nie völlig.

Eine Schutzimpfung gegen Scharlach gibt es nicht. Wichtig zu wissen ist, dass auch gesunde Menschen manchmal Träger von Streptokokken sind. Diese können in seltenen Fällen ebenfalls die Bakterien beim Husten und Niesen weitergeben.

Die Inkubationszeit bis zur Ausbrütung der Krankheit beträgt drei bis fünf Tage, Schwankungen von ein bis sieben Tagen sind möglich. Später als acht Tage nach dem Kontakt mit einem Scharlachkranken ist aber kaum noch mit einer Ansteckung zu rechnen.

 

Charakteristischer Scharlachausschlag

Der Scharlachausschlag besteht aus winzigen, höchstens stecknadelkopfgroßen, dicht beieinander liegenden Flecken. Wenn man mit der Handfläche über die Haut streicht, fühlt sie sich an wie Sandpapier oder eine leichte Gänsehaut. Die Erhebungen des Ausschlags sind zunächst zart rosa, später flammend rot (eben scharlachrot). Die Gesichtshaut dagegen ist glatt, aber intensiv gerötet. Die Mund- und Kinnpartie bleibt jedoch wie ein Milchbart von der Rötung ausgespart.

Der Rachen des Kindes ist düster rot. Die Zunge zeigt zunächst einen weißgelben Belag, der nach ein bis zwei Tagen abgestoßen wird. Danach ist die Oberfläche der Zunge auffallend gerötet und geschwollen und sieht wie eine Erdbeere aus. Nach einigen Tagen beginnt die Haut, sich besonders an den Handinnenflächen und den Fußsohlen zu schuppen.

Weil die Krankheit heute meist leicht verläuft, ist der Scharlachausschlag am Körper oft nur blass rosa und tritt lediglich wenige Stunden lang auf. Es gibt sogar Fälle, die völlig ohne Ausschlag verlaufen. Das Kind hat nur Schluckbeschwerden. Erst nach einigen Tagen zeigt das Abschuppen seiner Haut, dass die Kinderkrankheit Scharlach der Grund für die Beschwerden war.

 

Kinderkrankheit Scharlach mit Antibiotika behandeln

Bekommt ein Kind hohes Fieber und zeigt Scharlach-Symptome, sollten die Eltern auf jeden Fall mit einem Kinder- und Jugendarzt Kontakt aufnehmen. Diagnostiziert der Arzt Scharlach, wird er dem Kind in aller Regel Penicillin verordnen. Sollte dieses Antibiotikum nicht anschlagen oder nicht gut vertragen werden, kann auf ein anderes Antibiotikum, z. B. auf orale Cephalosporine ausgewichen werden.

Sehr wichtig ist die unbedingte Einnahme des vom Arzt verordneten Antibiotikums, so lange, wie es vom Arzt vorgeschrieben ist, also in den meisten Fällen 10 Tage lang. Mit Hilfe der Penicillin-Behandlung geht es dem Kind zwar schon nach 24 bis spätestens 48 Stunden wieder gut. Das Verschwinden der Beschwerden bedeutet aber nicht, dass damit auch die Bakterien eliminiert sind! Die Behandlungsdauer von zehn Tagen ist notwendig, um alle Bakterien abzutöten. Bleiben Reste im Organismus, könnte die Krankheit wieder aufflackern. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Erreger an das Antibiotikum gewöhnen, also eine Resistenz entwickeln.

In Ausnahmefällen kann Penicillin auch in einer einzigen Injektion verabreicht werden. Diese Spritze in den Muskel ist jedoch ziemlich schmerzhaft und wird deshalb Kindern nur ungern zugemutet. Penicillin beeinträchtigt übrigens nicht die Fähigkeit des Organismus, gegen die Scharlacherreger Antikörper zu bilden.

Antibiotika sind keine harmlosen Medikamente und sollten deshalb nicht bei jedem fieberhaften Infekt verordnet werden. Bei schweren bakteriellen Infektionen wie bei der Kinderkrankheit Scharlach haben sie aber große Bedeutung. Die Hauptvorteile der Penicillin-Behandlung für das Kind sind:

 

Scharlach-Risiko wird oft unterschätzt und Antibiotika verweigert

Die erfolgreiche Behandlung hat dazu geführt, dass die gefährlichen Folgen der Kinderkrankheit Scharlach zunehmend in Vergessenheit geraten sind. Im Glauben, der samtartige Ausschlag sei eine mehr oder weniger harmlose Kinderkrankheit, lehnen manche Eltern eine Antibiotika-Behandlung ab – zum Nachteil der kleinen Patienten, denn die Krankheitserreger lösen manchmal auch Komplikationen aus. Beispielsweise schmerzhafte Entzündungen des Mittelohrs oder der Nebenhöhlen, Schwellungen der Lymphdrüsen und gefährliche Abszesse in den Rachenmandeln.

Besonders gefürchtet sind die Folgekrankheiten. Mit einer Verzögerung von drei bis fünf Wochen nach der eigentlichen Ansteckung kann das akute rheumatische Fieber ausbrechen. Es führt zu Gelenkveränderungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.

Ein besonders ernsthaftes Risiko ist das so genannte Scharlachherz, eine Entzündung des Herzmuskels und der Herzinnenhaut, manchmal auch der Herzklappen. Auch akute Nierenentzündungen sind möglich. Eine übertriebene Angst vor Antibiotika ist deshalb gerade bei dieser Krankheit völlig unangebracht, warnen Experten.

 

Quarantäne? Wann das Kind andere ansteckt

Früher – bevor es Antibiotika gab – hatten es scharlachkranke Kinder schwer: Sie wurden sechs Wochen lang völlig isoliert. Die Wohnung musste gründlich desinfiziert werden, ebenfalls alle Gegenstände, die das kranke Kind benutzt hat. Bücher und Spielsachen mussten verbrannt werden. Ein mit Penicillin behandeltes Kind ist dagegen schon am Tag nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend.

Wenn es sich wieder wohl fühlt, kann es meist schon nach wenigen Tagen wieder in den Kindergarten oder zur Schule. Offiziell gilt, dass eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen bei einer Antibiotika-Behandlung und ohne Krankheitszeichen ab dem zweiten Tag erfolgen kann, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.

Scharlach kranke Kinder ohne Penicillin- bzw. Antibiotika-Behandlung gelten dagegen drei Wochen lang als „infektiös“ und dürfen den Kindergarten oder die Schule so lange nicht besuchen, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Das ist erst nach etwa drei Wochen der Fall.

 

Wie Scharlach verläuft

1. Tag:
Völlig unvermittelt bekommt das Kind Fieber, Hals und Kopfschmerzen. Oft muss es auch erbrechen. Sein Hals tut weh, das Schlucken wird beschwerlich.

2. bis 4. Tag:
Die Temperatur steigt auf 39 bis 40 Grad und bleibt ohne Penicillin einige Tage auf etwa gleicher Höhe. Antibiotika dagegen senken das Fieber innerhalb von 24 Stunden. Etwa zwei Tage nach Beginn der Halsschmerzen tritt der Ausschlag auf: Er fängt in den Achselhöhlen und an den Innenseiten der Oberschenkel an. Von dort greift er auf den ganzen Körper über. Die anfangs weiß belegte Zunge wird rot und sieht wie eine Erdbeere aus. Der Rachen ist düster rot verfärbt. Der rote Scharlach-Ausschlag hat eine Struktur wie Sandpapier.

5. bis 7. Tag:
Die „Erdbeerzunge“ wird von der „Himbeerzunge“ abgelöst: Die Schleimhaut der Zunge schuppt sich allmählich ab und die Zungenoberfläche ist auffallend gerötet und geschwollen.

Auch die Lymphknoten im Kieferwinkel sind vergrößert und druckempfindlich. Das Gesicht ist gerötet, um Mund und Nase bleibt die Haut jedoch blass.

Vom 7. Tag an:
Der Ausschlag geht zurück, die Haut beginnt sich abzuschälen, zunächst am Hals und dann auch am restlichen Körper. An Händen und Füßen lassen sich oft ganze Fetzen abziehen, während sich am Bauch feine Schuppen ablösen. Dieses Abschuppen dauert drei, manchmal aber auch mehrere Wochen.


Literatur:

Drug and Therapeutics Bulletin. Managing scarlet fever. BMJ. 2018;362:k3005. Published 2018 Aug 30. doi:10.1136/bmj.k3005

Yu D, Liang Y, Ma Y, Shen X, Zheng Y, Yang Y. Changes in M types of Streptococcus pyogenes in Chinese children with scarlet fever. Lancet Infect Dis. 2020;20(7):780. doi:10.1016/S1473-3099(20)30441-2

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Watts V, Balasegaram S, Brown CS, et al. Increased Risk for Invasive Group A Streptococcus Disease for Household Contacts of Scarlet Fever Cases, England, 2011-2016. Emerg Infect Dis. 2019;25(3):529-537. doi:10.3201/eid2503.181518

Sixty seconds on … scarlet fever. BMJ. 2016;352:i1658. Published 2016 Mar 23. doi:10.1136/bmj.i1658


Quellen:

Lena Abensberg. Kinderkrankheit Scharlach weit verbreitet. MEDMIX online 2018

http://www.kindergesundheit.de

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