Schlafmangel kann langfrisitig Schäden am Gehirn verursachen

Schäden durch Schlafmangel führen zu verändertem Gehirnvolumen. © www.afcom.at

Schäden durch Schlafmangel führen zu verändertem Gehirnvolumen. © www.afcom.at

Kurzfristige Schäden durch Schlafmangel sind Müdigkeit, schlechte Konzentration und gereiztes Verhalten, langfristig ändert sich das Volumen des Gehirns mit unabsehbare Folgen.

Unter dem Strich leben wir heute den Beruf, Reisen und die Familie immer intensiver. So bleibt immer weniger Zeit zum Schlafen. Viele sind sogar stolz darauf, mit möglichst wenig Schlaf auszukommen. Doch Schlaf ist ein essenzieller Teil unseres Lebens und dient auch als wichtige Regenerations- bzw. Reparaturphase für unser Gehirn. Schlafmangel kann hingegen verschiedene Schäden verursachen, einerseits sind das vor allem Müdigkeit, eine beeinträchtigte Konzentration sowie ein gereiztes Verhalten, andererseits können das langfristig auch das Gehirn betreffen.

 

Kurzfristige und langfrisitge Schäden durch Schlafmangel

Schlafmangel führt zu Müdigkeit, schlechter Konzentration und gereiztem Verhalten. Diese offensichtlichen Schäden durch Schlafmangel sind allerorts bekannt. Doch durch ein Wochenende mit reichlich Schlaf glauben Betroffenen, das wieder ändern zu können. Was dann meistens sogar auch stimmt.

Allerdings haben Forscher unlängst weitere Hinweise dafür entdeckt, dass anhaltender Schlafentzug – wie bei Schichtarbeitern –  irreversible Schäden durch Schlafmangel im Gehirn hinterlassen kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal Neurology. Schon in einer früheren Studie an Mäusen gingen durch Schlafmangel vermehrt Gehirnzellen in einem für Aufmerksamkeit und geistige Leistungen wichtigen Hirnareal zugrunde (Journal Neuroscience).

Zu wenig Schlaf bzw. Schlafstörungen können einen rascheren Rückgang des Gehirnvolumens begünstigen. Das unterstellen die Autoren in der aktuellen Studie, an der alle Altersgruppen teilnahmen.

 

Schäden bei allen Altersgruppen

Im Zuge der zitierten Studie wurden 147 Menschen der Altersgruppe 20 bis 84 untersucht. Ziel war es, einen potenziellen Zusammenhang zwischen vorhandenen Schlafstörungen (z.B. Probleme beim Ein- bzw. Durchschlafen) und der Erhaltung des Gehirnvolumens zu erforschen. Mittels Magnetresonanz untersuchten Experten die Gehirne der Teilnehmer in einem Abstand von 3.5 Jahren. Anschließend machten die Testpersonen detaillierte Angaben hinsichtlich ihrer Schlafgewohnheiten bzw. eventueller Probleme beim Ein- oder Durchschlafen.

 

Rascherer Abbau von Gehirnvolumen durch Schlafmangel

Etwa 35 Prozent der Teilnehmer litten unter mehr oder weniger stark ausprägten Schlafstörung. Dabei wurden unter anderem die durchschnittliche Einschlafzeit, die Schlafdauer sowie der potenzielle Einsatz schlaffördernder Medikamente in Betracht gezogen. Wie die Wissenschafter in ihrer Studie berichten, kam es bei diesen Teilnehmern zu einem wesentlich rascheren Abbau von Gehirnvolumen in bestimmten Gehirnregionen. Dieser Effekt war bei Teilnehmers der Altersgruppe 60+ besonders ausgeprägt.

“Ob ein langfristiges Schlafdefizit tatsächlich zu Veränderungen von Gehirnstrukturen führen kann, ist noch nicht eindeutig geklärt, ” erklärt Studienautorin Claire E. Sexton von der Universität Oxford. „Es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen. In Erfahrung zu bringen wäre, ob eine allgemeine Verbesserung der Schlafqualität den Verlust von Gehirnvolumen in bestimmten Regionen verlangsamen kann. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, könnte die Verbesserung der Schlafqualität eine effektive Möglichkeit zur Förderung bzw. Erhaltung der Gesundheit des Gehirns darstellen.“


Literatur:

Sexton CE, Storsve AB, Walhovd KB, Johansen-Berg H, Fjell AM. Poor sleep quality is associated with increased cortical atrophy in community-dwelling adults. Neurology. 2014;83(11):967–973. doi:10.1212/WNL.0000000000000774


Quelle: American Academy of Neurology, http://www.aan.com

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