Rückenmarkstimulation gegen Rückenschmerzen

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Innovative Methoden der Rückenmarkstimulation gegen das FBS-Syndrom bringen mehr Elektroden-Reihen zum Einsatz und lindern so besser Rückenschmerzen.

Das so genannte Krankheitsbild Fail-back-Surgery-Syndrom verursacht massive Schmerzen am unteren Rücken. Dabei nehmen diese nach einer Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperation eher zu statt ab. Außerdem können die Schmerzen in die Leistenregion sowie in die Beine ausstrahlen. Gegen das Fail-back-Surgery-Syndrom (FBSS) samt seinen unangenehmen neuropathischen Ausprägungen könnte sich laut Schmerzspezialisten eine weiterentwickelte Form der Rückenmarkstimulation als wirksame Therapie etablieren. Bei dieser implantiert der Spezialist die Elektroden-Konfigurationen zur Rückenmarkstimulation nicht mehr linear, sondern mehrreihig angeordnet. Das und eine verbesserte Programmierung der implantierten Pulsgeneratoren sollen die Behandlung erheblich verbessern.

 

Bei Failed Back Surgery Syndrome oft hartnäckige Rückenschmerzen trotz Rückenmarkstimulation

Die elektrische Rückenmarkstimulation aktiviert schmerzhemmende Neurone im Hinterhorn des Rückenmarks in der sogenannten Substantia gelatinosa. Dadurch wird ein Kribbeln, die Parästhesie, hervorgerufen, was die Schmerzempfindung überlagert. Zahlreiche Studien haben bereits nachgewiesen, dass die epidurale Rückenmarkstimulation gegen viele Beschwerden im Zusammenhang mit dem komplexen Fail-back-Surgery-Syndrom wirkt. Doch ausgerechnet Rückenschmerzen erwiesen sich als hartnäckig und ließen sich auch durch Neurostimulation nicht in den Griff bekommen. Die Betroffenen empfanden ihre Schmerzen nach wie vor als Handicap bei alltäglichen Verrichtungen und litten unter schlechter Lebensqualität.

 

Deutliche Schmerzlinderung durch mehrreihige Rückenmarkstimulation

Mit der nächsten Generation der Rückenmarkstimulation soll das anders werden. Die großangelegte französische ESTIMET-Studie (Roulaud et al) stellt beispielsweise die klinische Wirksamkeit und den gesundheitsökonomischen Nutzen der weiterentwickelten Therapie im Vergleich zur herkömmlichen Neurostimulation auf den Prüfstand. Erste, vielversprechende Ergebnisse haben die Forscher 2015 vorgestellt.

Die wissenschaftliche Fachöffentlichkeit setzte sehr hohe Erwartungen in die Ergebnisse, denn schon zuvor konnte eine französisch-kanadische Studie (Rigoard et al) mit einer kleineren Untersuchung bei 76 Patientinnen und Patienten zeigen, dass die Rückenmarkstimulation mit mehrreihigen Pol-Konfigurationen sich dazu eignet, chronische Rückenschmerzen infolge des Fail-back-Surgery-Syndrom zu behandeln. Die mehrreihige Anordnung der Elektroden erwies sich als effektiver als die einreihige.

Bei der Mehrzahl der Patienten löste zumindest eine der getesteten Konfigurationen eine Parästhesie in den unteren Extremitäten aus. Nach sechs Monaten empfanden drei Viertel (75,4 Prozent) der Patienten, die mit einer mehrreihigen Stimulation behandelt worden waren, zumindest eine 30-prozentige Reduktion ihrer Rückenschmerzen. Schließlich konnte die neue Methode bei mehr als 42 Prozent den Schmerz sogar um die Hälfte reduzieren.

 

40 Millionen mögliche Kombinationen

Um die innovative Form der Rückenmarkstimulation erfolgreich anwenden zu können, sind aber ein Reihe von Faktoren entscheidend. Einerseits muss man die geeigneten Patienten nach strengen Kriterien auswählen, um jene zu identifizieren, die von der Methode profitieren könnten. Notwendig sind Technologien der neuesten Generation und eine fortschrittliche Programmierung, um ein elektrisches Feld für die optimale Stimulation zu bilden. Nicht zuletzt müssen sehr erfahrene Spezialisten die wirksamste Einstellung für die Anwendung je nach Patient finden. Denn bei einer dreireihigen Anordnung mit jeweils 16 elektronischen Kontakten gibt es theoretisch in Summe 40 Millionen mögliche Kombinationen.

Quellen:

XXII World Congress of Neurology, Santiago – Chile 2015, Abstract 105: Roulaud, M. et al: Multicolumn Spinal Cord Stimulation in Failed Back Surgery Syndrome: Design of a national, multicentre, randomized, controlled Health Economics Trial (ESTIMET Study);

Rigoard, P., et al (2014), An Algorithmic Programming Approach for Back Pain Symptoms in Failed Back Surgery Syndrome Using Spinal Cord Stimulation with a Multicolumn Surgically Implanted Epidural Lead: A Multicenter International Prospective Study. Pain Practice, 15:195–207.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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