Rotes Fleisch erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2

Rotes Fleisch von Rind, Lamm und Schwein erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2. © DIfE

Rotes Fleisch von Rind, Lamm und Schwein erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2. © DIfE

Blutanalysen sprechen dafür, dass rotes Fleisch in zu großen Mengen konsumiert das Risiko für Diabetes Typ 2 erhöht, die Ursachen dafür sind jedoch noch nicht geklärt.

Unter dem Strich zeigen Studien, dass Menschen, die viel rotes Fleisch essen, ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2 haben. Die Ursachen für diese Risikobeziehung sind jedoch noch nicht geklärt. Ein Forscherteam hat unlängst Biomarker im Blut von Studienteilnehmern identifiziert, die erste Hinweise auf die Stoffwechselmechanismen geben, die der Risikobeziehung zugrunde liegen könnten und somit für einen kausalen Zusammenhang sprechen. Übrigens konnte eine Studie in Korea keinen Nachweis bringen, dass rotes Fleisch essen das Risiko für Diabetes Typ 2 erhöht. Möglicherweise könnte der bei koreanischen Erwachsenen mittleren Alters niedrige durchschnittliche Konsum von rotem Fleisch dafür verantwortlich sein.

 

Rotes Fleisch erhöht Risiko für Diabetes Typ-2

Große Langzeit-Beobachtungsstudien kommen weltweit zu dem Ergebnis, dass rotes Fleisch essen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 2 verbunden ist. Das heißt somit Rind-, Schweine- sowie Lammfleisch. Im Grunde genommen zeigen Daten, dass der tägliche Verzehr von 150 Gramm rotem Fleisch mit einem um etwa 80 Prozent erhöhten Risiko für Diabetes einher. Eine ähnliche Risikoerhöhung beobachteten die Wissenschaftler auch in Verbindung mit dem Rauchen von mehr als 20 Zigaretten pro Tag. Weiter gilt das auch für die Zunahme des Taillenumfangs um 7,6 cm. Zudem besteht ein Zusammenhang mit einer erblichen Vorbelastung durch Mutter oder Vater. Welche Stoffwechselprozesse der Risikobeziehung zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Typ-2-Diabetes zugrunde liegen und ob bestimmte im Fleisch enthaltene Stoffe wie Eisen hierfür eine Rolle spielen, ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

 

Biomarker im Blut

Um mehr über die Zusammenhänge zu erfahren, analysierten Forscher beispielsweise die Blutproben der 2.681 Potsdamer EPIC-Studienteilnehmer. Von diesen waren 688 im Verlauf der Studie an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Ernährungsgewohnheiten und den Fleischverzehr der Studienteilnehmer erfassten die Wissenschaftler mit Hilfe von Fragebögen.

Insgesamt überprüften die Forscher 127 verschiedene Biomarker im Blut der Teilnehmer. Wobei 21 dieser Marker sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Fleischverzehr in Beziehung standen. Bei sechs dieser Biomarker waren die beobachteten Konzentrationsänderungen zudem mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden. So hatten Studienteilnehmer mit einem hohen Ferritinspiegel und einem niedrigen Spiegel des Eiweißbausteins Glyzin ein erhöhtes Diabetesrisiko.

Das Ferritin (lat. ferrum, ‚Eisen‘), auch Depot-Eisen, ist bekanntlich ein Proteinkomplex, der in Tieren, Pflanzen und Bakterien vorkommt. Dabei dient Ferritin als Speicherstoff für Eisen. Bei gesunden Menschen sind übrigens etwa 20 Prozent des gesamten Eisens in Ferritin gespeichert. Die Konzentration von Ferritin im menschlichen Blutserum ist ein aussagekräftiges Maß für den gesamten Eisenspeicher des Organismus.

Ebenso waren bei diesen Teilnehmern die Werte von vier Lipiden. Und zwar solchen, die von der Leber ans Blut abgegeben werden. Wobei man als Lipide ganz oder zumindest größtenteils wasserunlösliche Stoffe bezeichnet. Diese sind dabei in verschiedene Klassen unterteilt sind. Im menschlichen Körper werden sie beispielsweise zum Aufbau von Zellmembranen als Baustoffe verwendet. Zudem dienen sie als Energiespeicher sowie als Botenstoffe.

In einer rezenten Studie identifizierten Forscher weiter Phospholipide, die in Zellmembranen und frei im Blut vorkommen. Sie üben vermutlich wichtige Funktionen als Botenstoffe aus. Außerdem könnten sie mit dem Verzehr von rotem Fleisch assoziierte Risiko für Diabetes zusammenhängen.

 

Rotes Fleisch erhöht über den Stoffwechsel das Risiko für Diabetes

Vorliegende Ergebnisse lassen somit annehmen, dass nicht eine einzelne Substanz, die im roten Fleisch enthalten ist, in Zusammenhang mit dem Risiko für Diabetes steht. Hingegen scheint der gewohnheitsmäßig hohe Verzehr von rotem Fleisch den Stoffwechsel über verschiedene Wege in einer Weise zu beeinflussen, die langfristig die Entstehung eines Diabetes Typ-2 begünstigt.

Die Ergebnisse der EPIC-Studie lieferten jedenfalls nicht nur neue Ansatzpunkte, um die Effekte des Fleischkonsums in Studien gezielter und detaillierter zu untersuchen. Sie stützen auch die aktuelle Ernährungsempfehlung. Und zwar in diesem Sinne weniger rotes Fleisch zu konsumieren, um einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung vorzubeugen.


Literatur:

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Würtz AML, Jakobsen MU, Bertoia ML, Hou T, Schmidt EB, Willett WC, Overvad K, Sun Q, Manson JE, Hu FB, Rimm EB. Replacing the consumption of red meat with other major dietary protein sources and risk of type 2 diabetes mellitus. A prospective cohort study. Am J Clin Nutr. 2021 Mar 11;113(3):612-621. doi: 10.1093/ajcn/nqaa284. PMID: 33094800; PMCID: PMC7948828.

Son J, Lee Y, Park K. Effects of processed red meat consumption on the risk of type 2 diabetes and cardiovascular diseases among Korean adults. The Korean Genome and Epidemiology Study. Eur J Nutr. 2019 Sep;58(6):2477-2484. doi: 10.1007/s00394-018-1799-6. Epub 2018 Aug 1. PMID: 30069618.

Wittenbecher C, Mühlenbruch K, Kröger J, Jacobs S, Kuxhaus O, Floegel A, Fritsche A, Pischon T, Prehn C, Adamski J, Joost HG, Boeing H, Schulze MB. Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes. Am J Clin Nutr. 2015 Jun;101(6):1241-50. doi: 10.3945/ajcn.114.099150. Epub 2015 May 6. PMID: 25948672.


Quellen:

Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE)

http://www.dzd-ev.de

http://www.leibniz-gemeinschaft.de

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