Rosazea: ein Rhinophym, auch Säufernase, hat nichts mit Alkoholmissbrauch zu tun

Männer können in Rosazea-Stadium 3 ein Rhinophym – im Volksmund «Säufernase – entwickeln. © M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara / CC 2.0 / wikimedia

Männer können in Rosazea-Stadium 3 ein Rhinophym – im Volksmund «Säufernase – entwickeln. © M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara / CC 2.0 / wikimedia

Ein knollenförmiges, aufgedunsenes, von Äderchen durchzogenes Rhinophym ist keine Säufernase wegen Alkoholmissbrauch, sondern weist auf die Hautkrankheit Rosazea hin.

Die chronisch entzündliche Rosazea ist Volkskrankheit, die mit roten Flecken, sichtbaren Äderchen und Pusteln im Gesicht vergesellschaftet ist. Die genetisch bedingte chronische Gesichtsdermatose – auch als Rosacea, Gesichtsrose, Kupferrose, Kupferakne oder Acne rosacea bezeichnet – ist eine häufige, meist in Schüben auftretende Entzündung der Gesichtshaut, die bei den Betroffenen das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein sehr beeinträchtigen kann. Die typische gerötete, von blauen sowie roten Äderchen durchzogene Säufernase – eine knollenförmige Verdickung der Nasenspitze – nennt man medizinisch Rhinophym. Und zwar stellt die Hauterkrankung eine Sonderform, die phymatöse Rosazea, dar.

 

Entstehung

Anfangs kommt es zu schubweise auftretenden Erythemen (entzündlichen Hautrötungen). Unspezifische Reize wie beispielsweise Kälte, sehr hohen Temperaturen, UV-Strahlung aber auch falsche Ernährung können diese auslösen.

In Folge kann die Haut auch austrocknen, anschwellen und sich abschälen. Und zwar mit Brennen und Jucken als unangenehme Beschwerden. Meist tritt Rosazea im Alter zwischen 30 und 40 auf.

Rosazea-Patienten haben eine sehr empfindliche und leicht reizbare Gesichtshaut, wobei es viele Mischformen und sich in manchen Fällen auch Brust, Nacken und die Kopfhaut entzünden können. Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt, vermutet werden genetische und äußere Einflüsse wie Kälte, Hitze und Sonne sowie bestimmte Nahrungsmittel wie Alkohol, scharfe Gewürze und heiße Getränke.

Auch emotionaler Stress kann Krankheitsschübe auslösen. Als krankheitsverstärkend werden neben den erwähnten Faktoren auch Mikroorganismen, andere Emotionen und Irritanzien wie Seife und Kosmetika angesehen.

Die Entstehung und Entwicklung (Pathogenese) von Rosacea ist jedenfalls komplex. Bedeutung hat die Wechselwirkung zwischen genetischen und Umweltfaktoren, eine Fehlregulation des angeborenen Immunsystems, neurovaskuläre Veränderungen und die Wechselwirkung mit Hautbeginn. Das klinische Bild bei Kindern umfasst die teleangiektatische Form, papulopustuläre Rosacea, Augenrosacea, periorifizierende Dermatitis, granulomatöse Rosacea und idiopathisches aseptisches Gesichtsgranulom. Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Als topische Therapie bei Kindern setzt man in milden Fällen äußerlich angewendete Antibiotika und entzündungshemmende Mittel ein.

 

Die drei Stadien der Rosazea

Stadium I: Rosacea erythematosa (erythemato-teleangiectatica) – anfangs meist flüchtige Hautrötungen (Erytheme), Brennen, Jucken, Stechen und Teleangiektasien: die ersten Symptom einer Rosazea verschwinden zunächst wieder, bleiben im weiteren Verlauf aber bestehen. Neben den Hautrötungen erweitern sich die Äderchen dauerhaft und präsentieren sich als Teleangiektasien – feinen, kurzen roten Linien auf der Haut.

Stadium II: Rosacea papulopustulosa – zu den Stadium-1-Symptomen kommen Papeln und Pusteln dazu: auf den geröteten Gesichtsstellen – vor allem an Stirn, Wangen und Kinn – entwickeln sich zusätzlich entzündete Papeln und Pusteln, die über längeren Zeitraum nicht wieder verschwinden.

Stadium III: glandulär-hyperplastische Rosacea – mit Bindegewebs- und Talgdrüsenhyperplasien, Phyme wie Rhinophym, Gnatophym, Metophym, Blepharophym und Otophym): Die entzündete Haut bringt eine Vergrößerung der Talgdrüsen mit sich.

Es zeigen sich Knoten und vermehrtes Bindegewebe, in Folge entwickeln sich verschiedener Verdickungen , sogenannte Phyme, von denen besonders häufig die Nase betroffen. Das Rhinophym kann sich normalerweise nicht mehr spontan zurückbilden.

 

Rosazea behandeln, ein Rhinophym nicht schicksalshaft hinnehmen

Eine chronische Rosazea ist jedenfalls nicht ansteckend. Die Symptome präsentieren sich unterschiedlich an den Wangen, dem Kinn, der Stirn sowie der Nase. Vielen Rosazea-Patienten ist gar nicht bewusst, dass es verschiedene Therapieoptionen gibt, um Beschwerden und Entzündung lindern und Schüben vorbeugen zu können.

Hier kommt ein breites Spektrum an nichtmedikamentösen (Physikalische Therapie) und medikamentösen, topischen und systemischen Behandlungen zur Verfügung. Häufig muss man vor allem bei mittelschweren bis schweren Fällen orale systemische Mittel in Kombination mit einer topischen Therapie anwendung. Schließlich ist die Therapie oft auch längerfristig erforderlich.

Bei leichten Symptomen reicht oft eine gute Hautpflege aus. Weiter sollten Betroffene auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten, seifenfreie Reinigungsprodukte mit einem niedrigen pH-Wert verwenden und Reizstoffe vermeiden. Hochwertige, gut verträgliche Kosmetika sind durchaus sinnvoll zu verwenden, um unangenehme Stellen abzudecken.

Stärkere Hautveränderungen werden meist mit topisch mit Auftragen auf die Haut behandelt. Dazu kommen Cremes, Gels oder Lotionen mit den Wirkstoffen Azelainsäure, Brimonidin, Ivermectin oder dem Antibiotikum Metronidazol zur Anwendung. Hier ist für die Therapie-Wahl das jeweilige Rosazea-Stadium ausschlaggebend.

Im Grunde genommen sollen sich Rosazea-Patienten nicht ihrem Schicksal ergeben oder nur auf Selbstbehandlung setzen. In jedem Fall sollte ein fachkundiger Arzt die Behandlung begleiten.

 

Säufernase: Rhinophym chirurgisch behandeln

Während Rosazea-Patienten bei Frauen häufig meist nicht über Stadium 2 hinausgeht, entwickelt sich bei Männer vor allem in älteren Jahren häufig ein sogenanntes Rhinophym, im Volksmund auch als Säufernase genannt. Dabei vermehren sich die Talgdrüsen an der Nase, es kommt zur Bildung von zusätzlichem Gewebe.

Die Patienten müssen vor der Operation kein orales Isotretinoin bekommen. Die Forschung schlägt vor, dass man topisches Metronidazol einsetzt, um die Hautentzündung zu verringern.

Während Tetracycline für ihre bakteriostatischen Wirkungen bekannt sind, sind es ihre entzündungshemmenden Eigenschaften, von den Rosacea-Patienten profitieren. Allerdings bewirken sie bei Rhinophym nur wenig.

Solche betroffenen Rosazea-Patienten mit Rhinophym leiden meist unter sehr starker psychischer Belastung. Hier kann die sehr stark veränderte Nase mittels chirurgischen Maßnahmen behandelt beziehungsweise korrigiert werden.

Zur Rhinophym-Korrektur werden als chirurgische Verfahren die Dermabrasion oder eine Skalpellabtragung durchgeführt. Dermabrasion bedeutet das Verschmälern der Nase durch Abschleife oder mit einem CO²-Laser. Meistens werden dadurch sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielt.

Jedenfalls ist die Früherkennung und Intervention ein entscheidender Bestandteil der Behandlung. Unlängst haben Forscher ist zu diesem Thema einen ersten gemeldeten Fall von Rhinophym bei einer 62-jährigen Patientin berichtet, die man erfolgreich mit einer Sitzung mit fraktioniertem CO2-Laser-Resurfacing behandeln konnte. Dieser Fall unterstreicht den erfolgreichen Einsatz des fraktionierten CO2-Lasers zur Behandlung von Rhinophym speziell bei dunkleren Hauttypen (Fitzpatrick IV–VI) und unterstreicht das Potenzial für den zukünftigen Einsatz bei farbigen Patienten. J Medikamente Dermatol. 2021;20(7):772-775. doi:10.36849/JDD.C702.


Literatur:

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