Rohe Kuhmilch schützt Säuglinge und Kinder besser vor Infektionen

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Säuglinge, die rohe Kuhmilch bekommen, sind besser vor Infektionen geschützt. Übrigens zeigen Kinder vom Bauernhof auch seltener allergische Reaktionen.

Rohe Kuhmilch schützt Säuglinge vor Atemwegsinfekten, Fieber und Mittelohrentzündung, wie eine europaweite Studie unlängst herausfand. Da rohe Kuhmilch für Säuglinge jedoch auch krankmachende Mikroorganismen enthalten kann und ihr Verzehr daher ein hohes gesundheitliches Risiko birgt, plädieren Experten für neue schonende industrielle Verfahren. Bei denen sollten dann die schützenden Inhaltsstoffe der unbehandelten Rohmilch erhalten bleiben.

 

PASTURE-Studie

Im Rahmen der Langzeitstudie PASTURE hielten rund 1000 Mütter Ernährung und Gesundheit ihres Kindes bis zum ersten Lebensjahr wöchentlich fest. Kinder, die unbehandelte Rohmilch tranken, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte, Fieber und Mittelohrentzündungen als Kinder die kommerziell hocherhitzte Milch tranken. Das Risiko, etwa an Atemwegsinfektionen zu erkranken, sank um bis zu 30 Prozent.

Dieser Effekt schwächte sich etwas ab, wenn die Milch von den Eltern erwärmt wurde. Pasteurisierte Milch, die industriell erhitzt wird, schützte noch vor fieberhaften Erkrankungen, während dieser Effekt bei H-Milch gar nicht mehr bestand. Die Ergebnisse sind der PASTURE-Studie zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren wie der Ernährung der Kinder.

 

Schutz durch rohe Kuhmilch im Säuglingsblut nachweisbar

Die unterschiedlich schützenden Effekte der Milchtypen beruhen vermutlich auf bestimmten hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen der Milch. Vor allem bei Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündung scheinen Inhaltsstoffe, die in Rohmilch vorkommen, aber nicht in erhitzter Milch, eine tragende Rolle zu spielen.

Den Kindern wurde im Alter von zwölf Monaten Blut abgenommen, das immunologisch untersucht wurde. Säuglinge, die rohe Kuhmilch getrunken hatten, zeigten dann niedrigere Normalwerte des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein), der auf Entzündungen im Körper hindeutet. Höhere Entzündungswerte hängen auch mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie Asthma und Übergewicht zusammen. Rohmilch für Säuglinge könnte somit sogar das Asthma-Risiko senken.

Bei der industriellen Verarbeitung erhitzt man die Milch beim Pasteurisieren auf Temperaturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius. Bei der Herstellung von H-Milch auf Temperaturen um 135 Grad Celsius. Zudem wird die Milch homogenisiert, damit sich das Fett verteilt und sich kein Rahm bildet. Beim Verzehr von Rohmilch ist aomit auch Vorsicht geboten.

Denn unbehandelte Rohmilch kann bakteriell belastet sein und verschiedene Krankheiten wie Listeriose, Tuberkulose und EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) basierte Durchfallerkrankungen und schwere Niereninsuffizienz auslösen. Wissenschaftler empfehlen, neue Verfahren bei der industriellen Milchverarbeitung zu entwickeln, um durch schonende Verfahren ein gesundheitlich unbedenkliches Milchprodukt erzeugen zu können, das einerseits die schützenden Inhaltsstoffe von Rohmilch enthält, aber nicht die krankmachenden Mikroorganismen.

 

Muttermilch und rohe Kuhmilch für Säuglinge

Im Grunde genommen liefert für Säuglinge die Kuhmilch neben Fett und Kohlenhydraten auch wichtige Proteine, die das Immunsystem beeinflussen können. Wobei die Zusammensetzung von Kuhmilch und Muttermilch in vielen Aspekten sehr ähnlich ist. Schon länger ist bekannt, dass Stillen Kinder vor Infektionen schützt.

Die Mechanismen, wie Mutter- oder Kuhmilch das Immunsystem der Säuglinge beeinflussen kann, um vor Infektionen zu schützen, sind noch ungeklärt. Möglich ist zum Beispiel, dass Inhaltsstoffe direkt mit Viren agieren oder dass sie einen Einfluss auf die Darmflora haben, wodurch sich das Immunsystem positiv entwickelt.

Die Gabe von Kuhmilch ist heute umstritten, weil Säuglinge und Kleinkinder auch allergisch darauf reagieren können. In der PASTURE-Studie hatten bis zum ersten Geburtstag allerdings nur zwei Prozent aller Kinder Allergien auf Kuhmilch oder andere Nahrungsmittel.

Mehrere Studien haben die positiven Effekte des Landlebens auf die Immunabwehr bereits bestätigt. Kinder, die auf einem traditionellen Bauernhof mit Milchvieh aufwachsen, sind am besten vor allergischen Reaktionen geschützt.

An der PASTURE Studie nahmen 1000 schwangere Frauen aus ländlichen Regionen in Bayern, Finnland, Frankreich, der Schweiz und Österreich teil, etwa die Hälfte lebt auf Bauernhöfen. Ihre Kinder werden bis zu ihrem zehnten Lebensjahr wissenschaftlich begleitet, um die Umwelteffekte bei der Entstehung von Asthma und Allergien zu untersuchen. Auch die Ernährung der Mütter während der Schwangerschaft hatten die Wissenschaftler berücksichtigt.

Literatur:

Loss et al. Consumption of unprocessed cow’s milk protects infants from common respiratory infections. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology. J Allergy Clin Immunol. 2015 Jan;135(1):56-62. doi: 10.1016/j.jaci.2014.08.044. Epub 2014 Oct 19.


Quelle:

http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/das_klinikum/zentrale-bereiche/weitere-informationen-presse/pressemeldungen/141020_milch/index.html

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Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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