Demenzerkrankung vorbeugen: mit gesundem Lebenstil Risiko verringern

Bei Demenz kommt es zu Defiziten der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. © AFCOM / Andrew Baldwin / flickr.com / Creative Commons

Ein gesunder Lebenstil ohne Rauchen, mit gesunder Ernährung und körperlicher Fitness verringert das Risiko für eine Demenzerkrankung und hilft beim Vorbeugen.

Unter dem Strich wirken sich mit steigendem Alter die zahlreichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch negativ auf die Hirnleistung aus. Wer allerdings im mittleren Alter auf seine Herzgesundheit achtet und körperlich fit bleibt, sich gesund ernährt, auf das Rauchen verzichtet sowie Bluthochdruck und hohe Blutfette behandeln lässt, kann so einer Demenzerkrankung vorbeugen sowie das Risiko dazu reduzieren. Auch Altersbedingten Hörverlust, der bei älteren Erwachsenen zu Kommunikationsschwierigkeiten, Isolation und kognitivem Verfall führen kann, haben Forscher in den letzten Jahren als potenziell veränderbares Risiko für eine Demenzerkrankung identifiziert.

In den letzten zehn Jahren leiteten jedenfalls vor allem europäische Initiativen die klinische Forschung zur Primärprävention von Demenzerkrankungen ein. Die finnische geriatrische FINGER-Interventionsstudie zur Verhinderung kognitiver Beeinträchtigungen und Behinderungen markierte einen Wendepunkt und zeigte, dass Prävention wirksam sein kann. Es zeigt sich beispielsweise, dass Vorbeugen mit gesunder Ernährung, reichlich Bewegung, kognitives Training und eine effektives kardiometabolisches Risikomanagement das Risiko für Demenzerkrankungen bei Menschen im Alter von 60 bis 77 Jahren verringern kann. Übrigens ist auch die Prävalenz von Demenz in Lateinamerika sehr hoch. Deswegen startet man dort jetzt die LatAm-FINGERS.

 

Keine Wirkstoffe zur Behandlung

Es gibt keine medikamentösen Interventionsmöglichkeiten, um eine Demenzerkrankung zu verhindern. Aber auch in zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass verschiedene Präventionsmöglichkeiten effektiv sein können. So haben beispielsweise Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein mehr als doppelt so hohes Risiko, eine Demenzerkrankung zu bekommen. Wer im Alter weiter raucht, riskiert innerhalb von einem Jahr messbar an Hirnleistung zu verlieren.

Es konnte auch nachgewiesen werden, dass ein nicht behandelter hoher Bluthochdruck sowie hohe Cholesterinwerte im mittleren Lebensalter das Risiko für eine Demenzerkrankung erhöhen. Deswegen sollten beide Erkrankungen unbedingt im mittleren Alter entsprechend behandelt werden, da im höheren Alter die gewünschte Wirkung von Medikamenten oft nicht gegeben ist.

 

Diabetes als Risiko für eine Demenzerkrankung

Menschen mit Altersdiabetes sind besonders gefährdet. Schätzungen zufolge sind bei Personen über 60 Jahre insgesamt sieben bis 13 Prozent der Demenzerkrankungen auf Diabetes zurückzuführen. Auch Depressionen und Angst im mittleren Alter oder eine Vereinsamung wirkten sich langfristig ungünstig auf die Gedächtnisfähigkeiten aus. Zudem entwickelten Menschen, denen es an sozialen Kontakten fehle, eher eine Demenz. Stress ist ebenfalls als möglicher Risikofaktor in der Diskussion. Denn dieser begünstigt einerseits die Ausschüttung des körpereigenen Hormons Cortisol. Andererseits fördert Stress langfristig die Entwicklung einer Demenz.

 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Risiko für Demenz

Besonders Demenz gefährdet sind Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt haben. Dazu gehört das Vorhofflimmern, das über einen Schlaganfall eine Demenz auslösen kann. Aber auch ohne Schlaganfall haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko, Hirnleistung einzubüßen.

Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen oder mit einer Pumpschwäche des Herzmuskels leiden ebenfalls häufiger unter einer Demenz. Die Patienten vergessen dann häufig, ihre Medikamente vorschriftsmäßig einzunehmen, was das Voranschreiten der Erkrankung weiter begünstigt.

Hausärzte sollten deshalb bei allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Hirnleistungsstörungen und einer Demenz suchen und die aktive Mitarbeit der Patienten sicherstellen.


Literatur:

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