Rheuma-Gelenke und Darm: neue Erkenntnisse zu Zusammenhang

Zusammenhang Darm, Gelenke und Rheuma. © peterschreiber.media / shutterstock.com

Zusammenhang Darm, Gelenke und Rheuma. © peterschreiber.media / shutterstock.com

Zusammenhang Darm und Rheuma-Gelenke: Rheumatische und gastrointestinale Erkrankungen sind eng miteinander verbunden.

Gelenke und der Darm bilden innere Oberflächen, die bei einer Barrierestörung zu entzündlichen Veränderungen neigen. Klinisch ist der Zusammenhang zwischen Darm und Rheuma beziehungsweise Gelenke schon lange bekannt. Insbesondere dass infektiöse Enteritiden sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen Arthritis auslösen können.

Einerseits sind bei Patienten mit Spondyloarthritis chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehäuft. Andererseits finden sich bei diesen beiden Darmerkrankungen vermehrt muskuloskelettale Beschwerden wie entzündlicher Rückenschmerz, Arthralgien und Arthritis. Dabei sind die Zusammenhänge zwischen Gelenken und Darm nur unzureichend verstanden. Aber von besonderer Bedeutung, da darin unter anderem ein Schlüssel zum Verständnis der Rolle von Ernährung auf die Arthritis liegt.

 

Dem Zusammenhang Darm und Rheuma-Gelenke auf der Spur

In den letzten Jahren konnten zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden, in welchem Zusammenhang Darm und Rheuma-Gelenk stehen. So zeigten Untersuchungen, dass die Zusammenstellung der Darmbakterien („intestinales Mikrobiom“) sich schon sehr früh im Rahmen der Entwicklung einer Arthritis verändert. Diese Veränderungen gehen mit einer Verschiebung der Produktion von Metaboliten der Darmbakterien einher, die die Barrierefunktion des Darms und Entzündungen regulieren.

Unter diesen Metaboliten spielen kurzkettige Fettsäuren wie Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure eine große Rolle. Diese sind entzündungshemmend und verstärken die Barrierefunktion des Darms. Interessanterweise ist die Produktion dieser Fettsäuren in hohem Maße durch die Ernährung reguliert, denn Fasern („Ballaststoffe“) in der Nahrung werden durch die Darmbakterien in diese Fettsäuren fermentiert. Derartige Barrierefunktionsstörungen tragen zur Rheuma-Entwicklung von Arthritis bei, wobei gezeigt werd

en konnte, dass Immunzellen aus dem Darm in das Gelenk einwandern. Somit sind Darm und Gelenk durch Immunzellen funktionell miteinander verbunden. Ein weiterer interessanter Aspekt der Barrierefunktion ist, dass bei deren Verlust kommensale Bakterien aus dem Darm in Organe einwandern können. Dieser Prozess wurde mit der Bildung von Autoimmunerkrankungen assoziiert, wobei bakterielle Antigene mit Autoantigenen kreuzreagieren und so den Bruch der Toleranz begünstigen.

 

Fazit

Zusammenfassend legen alle diese neuen Erkenntnisse nahe, wie eng Darm-Funktion und Rheuma-Erkrankungen verbunden sind. Die Daten zeigen auch, dass Ernährung durch Beeinflussung der Funktion der Darmbakterien tatsächlich einen substanziellen Einfluss auf die Entwicklung von Arthritis ausüben dürfte.


Quelle:

STATEMENT » Rheuma und Darm «. Professor Dr. med. Georg Schett Kongresspräsident der DGRh, Direktor der Medizinischen Klinik 3, Rheumatologie und Immunologie, Universitätsklinikum Erlangen. 49. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Der 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Der Wissenschaftlichen Herbsttagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR). September 2021.

Die mobile Version verlassen