Resveratrol – pro-oxidativ nicht antioxidativ gegen Alterung

Resveratrol aus roten Weintrauben wirkte nicht anti-, sondern eher pro-oxidativ. © marako85 / shutterstock.com

Resveratrol aus roten Weintrauben wirkte nicht anti-, sondern eher pro-oxidativ. © marako85 / shutterstock.com

Resveratrol wirkt pro-oxidativ gegen Alterung, fördert durch die Bildung freier Radikale eine gezielte Umprogrammierung der Zelle, um sie gegen Stress zu schützen.

Unter dem Strich ist das Resveratrol aus roten Weintrauben berühmt wegen seiner potentiell gesundheitsfördernden Wirkungen. Diese Effekte entstehen jedoch nicht wegen der antioxidativen Wirkung oder aufgrund der spezifischen Aktivierung bestimmter „Altersgene“, wie bisher angenommen. Vielmehr wirkt Resveratrol pro-oxidativ und fördert durch die Bildung freier Radikale eine gezielte Umprogrammierung der Zelle, um sie gegen Stress zu schützen.

 

Resveratrol nicht antioxidativ, sondern eher pro-oxidativ gegen Alterung

Resveratrol soll Effekte, insbesondere gegen Prozesse der Alterung, Herzkrankheiten sowie Alzheimer entfalten. Zahlreiche Ergebnisse aus Zellversuchen und klinischen Studien konnten jedoch nicht reproduziert werden. Deswegen ließen sie viele Fragen offen. Wissenschaftler haben nun eine mögliche Erklärung für die Wirkmechanismen von Resveratrol und die widersprüchlichen Ergebnisse gefunden.

Als die Forscher die Verhältnisse im Inneren des Körpers im Reagenzglas nachstellte, wirkte Resveratrol nicht anti-, sondern eher pro-oxidativ. Im Experiment entstanden geringe Mengen eigentlich schädlichen Sauerstoffs, der die Zellen unter leichten Stress setzt. Das eingesetzte Resveratrol zerfiel dabei schnell und fast vollständig.

In der Vergangenheit hat man sich stark auf mögliche Wechselwirkungen von Resveratrol mit bestimmten Genen und Proteinen, sowie auf dessen vermutete antioxidativen Eigenschaften konzentriert. Wobei antioxidative Substanzen aggressive Arten des Sauerstoffs –„freie Radikale“ – einfangen können. Die Versuche haben aber gezeigt, dass geringe Mengen an Resveratrol die Bildung von freien Radikalen sogar befördern.

In einem nächsten Schritt wurde die Wirkung von unterschiedlichen Mengen Resveratrol auf Kulturen menschlicher Hautzellen getestet, die auch für Tests von Kosmetika genutzt werden. In geringen Mengen wirkte Resveratrol auf die Zellen wie ein Stimulator, der sie gegenüber zusätzlichem oxidativen Stress trainierte und robuster als zuvor machte.

Weiter wurde beobachtet, dass durch Resveratrol bestimmte Gene gezielt aktiviert wurden. Diese Aktivierung führte dazu, dass die Zellen ihr intrazelluläres Milieu in einen antioxidativen und „jugendlicheren“ Zustand versetzten.

 

Der neu entdeckte Wirkmechanismus hatte sich laut den Wissenschaftlern bereits abgezeichnet – allerdings weitgehend unbemerkt.

Im Grunde genommen zeigten genauere Analysen in zahlreichen Studien den sogenannte Hormesis-Effekt. Und zwar positive Wirkung bei niedrigen, aber schädliche Effekte bei hohen Dosierungen. Dies fiel jedoch nicht auf, da man den zugrundeliegenden Mechanismus nicht erkennen konnte.

Diese Studie könnte einen Paradigmenwechsel in der Forschung zu Resveratrol einleiten. Die vorliegenden Ergebnisse können die bislang festgestellten Wirkmechanismen weitgehend erklären und viele der gegenwärtigen Kontroversen in der Pharmakologie von Resveratrol auflösen. Sie sind also Grundlage für zukünftige zielgerichtete Forschungen und Anwendungen des Stoffs – etwa auch, ob sich Alterungsprozesse im menschlichen Körper durch dermatologische Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel wirklich aufhalten lassen.


Literatur:

Plauth A, Geikowski A, Cichon S, Wowro SJ, Liedgens L, Rousseau M, Weidner C, Fuhr L, Kliem M, Jenkins G, Lotito S, Wainwright LJ, Sauer S. Hormetic shifting of redox environment by pro-oxidative resveratrol protects cells against stress. Free Radic Biol Med. 2016 Oct;99:608-622. doi: 10.1016/j.freeradbiomed.2016.08.006. Epub 2016 Aug 8. PMID: 27515816.


Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik (MPIMG)

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