Wirkung von Resveratrol: Anti-Aging und Lebensverlängerung

Durch die besondere Kelterungsverfahren ergeben sich im Rotwein 10 bis 20 mal höhere Konzentrationen an Resveratrol als im Weißwein. © africa studio / shutterstock.com

Anti-Aging, Lebensverlängerung: Der Naturstoff Resveratrol, reich in Trauben und Wein enthalten, bringt viele gesunde Wirkungen und hilft beim Abnehmen.

Bestimmte Völker wie Franzosen, Spanier, Italiener und Griechen weisen aufgrund ihrer Ernährung beziehungsweise spezieller darin enthaltener sekundärer Pflanzenstoffe eine bessere Gesundheit und höhere Altersstruktur als etwa Briten und Amerikaner auf. Dafür verantwortlich ist neben verschiedenen anderen Naturstoffen auch Resveratrol – vor allem bekannt als gesunder Pflanzenwirkstoff in Wein, Rotwein und Trauben – mit seiner positiven Wirkung für das Herz-Kreislauf-System. Resveratrol hilft deswegen beispielsweise zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weiter unterstützt Resveratrol den Fett- und Cholesterinstoffwechsel und hilft bei der Vorbeugung von Krebs sowie gegen entzündliche Prozesse. Schließlich soll Resveratrol auch zur Lebensverlängerung auf die Zellen positive Wirkung bringen und als Anti-Aging-Mittel dienen.

Eine Studie zeigte übrigens, dass Resveratrol eine starke Wirkung gegen Rotaviren ausübt. Und zwar kann es die Replikation des Virus hemmen. Diese hemmende Wirkung konnte eine rezente Studie auch für Resveratrol-Derivate gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 nachweisen.

 

In Rotwein und Trauben

International berühmt wurde Resveratrol in den 1990er-Jahren durch die mögliche Erklärung für das »Französische Paradoxon« und weltweit Aufsehen erregenden Aussagen zur positiven Wirkung von Wein beziehungsweise Rotwein des berühmten französischen Herzspezialisten Christaan Barnard, dem 1967 mit seinem Transplantationsteam erstmals eine Herztransplantation am Menschen gelang.

Bekannt ist also, dass Resveratrol als Wirkstoff im Rotwein beziehungsweise in Trauben vorkommt. Dort ist Resveratrol vor allem in der Traubenschale aber auch in Traubenkernen sowie Stielen, Reben und Wurzeln des Weinstocks zu finden. Weniger bekannt ist, dass Resveratrol auch in Erdnüssen und Beeren vorkommt. Es hat sehr hohe Konzentrationen in Blaubeeren, Maulbeeren, Brombeeren und eben in der Schale von roten Trauben.

Den höchsten Gehalt an Resveratrol hat übrigens der japanische Knöterich – lateinisch Polygonum cuspidatum. In der traditionellen japanischen Medizin ist er unter dem Namen Ko-jo-kon bekannt, in der indischen Ayurveda-Medizin wird die Heilpflanze als Darakchasava bezeichnet.

 

Vielfältige positive pharmakologische Wirkungen von Resveratrol

Resveratrol ist wissenschaftlich wegen seiner vielfältigen positiven pharmakologischen Wirkungen und nicht zuletzt wegen des erwähnten  „französischen Paradoxons“ bekannt, das in der NANCY-Studie bestätigt wurde.

„Ein Tag ohne ein Glas Wein ist ein Gesundheitsrisiko“, betonten weiland Herzspezialisten kurz vor der Jahrtausendwende und dokumentierten so eine damals aktuell veröffentlichte Langzeitstudie aus Dänemark, die bestätigte, dass Weintrinker bei geringer, mittlerer und selbst bei hoher Alkoholzufuhr eine niedrigere Herzinfarkt- und Gesamtsterblichkeit als Abstinente und vor allem als Bier- und Spirituosenliebhaber haben.

Dies bestätigte auch die Beobachtung, dass Franzosen – speziell die Weinbauern aus den Weingebieten – eine wesentlich geringere Rate (< 40%) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch den regelmäßigen Genuss von Rotwein, der Resveratrol und weitere interessante Polyphenole wie Proanthocyanidine (OPC) und Anthocyane enthält, aufweisen.

Im Auftrag der WHO ergaben sich in einer Zehnjahresstudie (MONICA-Studie), durchgeführt in 41 Städten auf der ganzen Welt, extreme Abweichungen in den Ländern mit geringem oder sehr hohem Weinkonsum. So war in den USA sowie Kanada und England das Infarktrisiko im Schnitt 3mal (Männer) bis sogar 12mal (Frauen) höher als im Weinland Frankreich.

 

1 bis 2 Gläser Wein für Frauen und 2 bis 3 Gläser für Männer pro Tag

Bei den Biertrinkern gab es nur eine geringe Reduktion und bei Spirituosen sogar eine Erhöhung des Risikos für einen Herzinfarkt. Manche Experten befürworten sogar 1 bis 2 Gläser Wein für Frauen und 2 bis 3 Gläser für Männer pro Tag zur Gesundheitsvorbeugung. Dazu gibt es aber widersprüchliche Studienergebnisse bezüglich Schädlichkeit einer solchen Alkoholmenge.

Eine vergleichbare Menge (ca. ¼ Liter) an hochwertigen Rotweinen wie Amarone, Bordeaux und Pinot noir enthält in der Regel zwischen 0,4 mg und 2 mg trans-Resveratrol. Der Gehalt variiert je nach Traubensorte, Anbaugebiet, Verarbeitung und vor allem klimatischen Bedingungen und kann zwischen weniger als 0,05 mg bis 10 mg pro Liter Rotwein betragen.

Der Durchschnittsgehalt an trans-Resveratrol liegt bei ca. 1 mg/l. Resveratrol wird von der Pflanze bei erhöhter Belastung (Stress) wie Ozonbildung, UV-Strahlung, Insekten- und Pilzbefall, Infektionen sowie Schadstoffbelastung in den roten und weißen Traubenschalen als Schutzfaktor gebildet.

Es ist jedoch hauptsächlich nur im Rotwein enthalten, da dieser im Gegensatz zu Weißwein gemeinsam mit der Schale vergoren wird. Durch dieses besondere Kelterungsverfahren, bei dem die Schalen-Maische bis zu einer Woche gelagert wird, ergeben sich im Rotwein 10 bis 20 mal höhere Konzentrationen an Resveratrol als im Weißwein.


Welche pharmakologische Wirkungen Resveratrol bringt


 

Antioxidans gegen oxidativen Stress

Resveratrol gehört zu den besonders hoch wirksamen Radikalfängern aus der Natur und ist daher in der Lage, oxidativen Stress zu minimieren. Zudem besitzt es die Eigenschaft eines ambiphilen Antioxidans, da es sowohl fett- als auch wasserlöslich ist. Aufgrund der vielseitigen pharmakologischen Wirkungen von Resveratrol werden Risikofaktoren betreffend Herz, Gefäße, Blutdruck, Demenz und entzündlichen Prozessen vermindert.

Auch konnte in Tiermodellen und Zellkulturen gezeigt werden, dass eine Karzinomentstehung verhindert werden kann. Resveratrol hemmt die Aktivität des Proteins NF-kappa B, welches den programmierten Zelltod induziert und zudem wird wahrscheinlich die Sensitivität des Tumornekrosefaktors-alpha (TNF-a) erhöht.

Da trans-Resveratrol sowie auch dimere (e-Viniferin) und oligomere Resveratrol-Verbindungen chemisch Stilbenderivate darstellen, werden sie wie Isoflavone in die Gruppe der Phytohormone gereiht. Eine schwache östrogene Wirkung vergleichbar mit 40 mg Isoflavonen (Genistein) ist beim Menschen jedoch erst ab einer Dosierung von 200 mg trans-Resveratrol zu erwarten.

 

Anti-Aging

Neben diesen vielseitigen positiven Eigenschaften hat Resveratrol in jüngster Zeit als natürlicher Anti-Aging-Faktor wissenschaftliches Interesse erweckt. In verschiedenen Untersuchungen (siehe Literatur unten) konnten Forscher zeigen, dass es die Lebenserwartung verschiedener Organismen deutlich erhöht, indem es unter anderem den Alterungsprozess in den Zellen verlangsamt.

Beispielsweise wurde die Lebensspanne von Fruchtfliegen um 30 % und jene von Hefezellen um 60 bis 80 % verlängert. Diese Entdeckung hat Resveratrol in den Brennpunkt der Forschung zur Altersprävention gestellt. Es aktiviert ebenso wie bei einer kalorischen Restriktion (Dinner-Cancelling, Dürreperioden bei Pflanzen, Hungersnöte) bestimmte Enzyme, sogenannte Sirtuine, die lebensverlängernde Funktionen in Gang setzen.

Durch Verlangsamung des Zellmetabolismus und einer Verstärkung der Zellatmung wird dem Körper geholfen sich an ein heilsames Überlebensprogramm anzupassen um Reparaturmechanismen wie die Behebung von DNA-Schäden in Gang zu setzen. Sirtuine verlängern die Zellzeit, um Schäden zu reparieren (Gen-Silencing). Dadurch kann man indirekt altersbezogenen Erkrankungen vorbeugen.

 

Präventive Dosierungen und Bioverfügbarkeit

Zur Gesundheitsvorbeugung beziehungsweise als tägliche Nahrungsergänzung helfen Dosisbereiche von 0,5 bis 2 mg Resveratrol, wie sie mit der Nahrung, Wein, Rotwein und Weintrauben, zugeführt werden. Eine höhere tägliche Gabe liegt nicht mehr in einem von der Natur dargebotenen Dosisbereich als Genussmittel. Mengen von 10 bis 40 mg Resveratrol sollten längerfristig nur nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden. Kurzfristig verabreicht man etwa in der Krebstherapie sogar Dosen bis 1 g trans-Resveratrol ohne toxikologische Nebenwirkungen.

Auch sehr hohe Dosen (25 mg) oral verabreichtes trans-Resveratrol werden noch mit etwa 70 % absorbiert. Die Plasmahalbwertszeit beziehungsweise seiner bekannten Metaboliten liegt bei durchschnittlich 9 Stunden. Nur ein geringer Anteil von Resveratrol bleibt dabei unverändert im Plasma. Diesbezüglich dürften potenziell aktive, zum Teil unbekannte Metaboliten für die vielseitigen pharmakologischen Wirkungen verantwortlich sein.

Übrigens enthalten Wein, Rotwein und Weintrauben sowie Traubenschalenextrakte auch noch andere pharmakologisch wertvolle Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Proanthocyanidine (OPC) und Anthocyane.

Im Grunde genommen zeichnet sich Resveratrol durch eine hohe Stabilität aus. Die häufige Behauptung, dass es sich bei Resveratrol um eine flüchtige und oxidationsempfindliche Verbindung handelt, ist chemisch falsch.

 

Meta-Analyse bestätigt positiven Einfluss einer Resveratrol-Supplementierung auf Nierenfunktion und Blutdruck bei Menschen mit Typ-2-Diabetiker unter hypoglykämischer Therapie

Die Evidenz zu den vorteilhaften Wirkungen einer Resveratrol-Supplementierung auf kardiovaskuläre Krankheitsprofile bei Patienten mit Typ-2-Diabetes  ist widersprüchlich, ähnliches gilt für die Wirkungen auf die Nierenfunktion und den Blutdruck bei Diabetes-Patienten.

Die aktuelle Metaanalyse fokussierte deswegen mehrere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), in denen über die Wirkungen der Resveratrol-Supplementierung auf die Marker der Nierenfunktion und des Blutdrucks bei Patienten mit Typ-2-Diabetes berichtet wurde. Wobei alle Patienten Blutzucker senkende Medikamente einsetzten, in den meisten Fällen Metformin als Monotherapie oder Metformin in Kombination mit anderen hypoglykämischen Arzneimitteln.

Obwohl die Resveratrol-Supplementierung den Kreatinin- oder Harnstoffspiegel nicht beeinflusste, verringerte sich bei den Patienten der Gesamtproteingehalt. Insgesamt verbesserte die Resveratrol-Supplementierung im Rahmen der hypoglykämischen Therapie die Glukosekontrolle und zeigte zudem Wirkung zur Senkung des Blutdrucks. Bezüglich der Wirkung von Resveratrol auf die Nierenfunktion bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ergaben sich keine eindeutigen Daten.


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Quelle: Pharmakologischer Überblick zu Resveratrol. MEDMIX 3/2006

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