Restless Legs Syndrom: L-DOPA, Levodopa, gegen ­ruhelose Beine effektiv

Täglich und jahre- bis jahrzehntelang finden Patienten mit Restless Legs Syndrom wenig Hilfe, das Beschwerdebild weist nicht immer den richtigen Weg. © blambca / shutterstock.com

Täglich und jahre- bis jahrzehntelang finden Patienten mit Restless Legs Syndrom wenig Hilfe, das Beschwerdebild weist nicht immer den richtigen Weg. © blambca / shutterstock.com

Ruhelose Beine beim Restless Legs Syndrom verursachen den quälenden Drang, Beine sowie oft auch Arme zwanghaft bewegen zu müssen, Hilfe bietet L-DOPA, Levodopa.

Das Restless Legs Syndrom (RLS-Syndrom) ist ein weitgehend unbeachtetes neurologisches Syndrom. Man bezeichnet es auch als Wittmaack-Ekbom-Syndrom oder Willis-Ekbom disease. Die genaue Ursache ist noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings vermutet die Wissenschaft aber mit großer Sicherheit einen Zusammenhang zwischen Eisen und dem Neurotransmitter-Dopamin-System. Dementsprechend drängt sich eine Verwandtschaft zum Morbus Parkinson auf. Das lasst auch die Wirkung von L-DOPA, Levodopa, gegen die Ruhelosen Beine und Arme beim Restless Legs Syndrom vermuten. Allerdings sind ruhelose Beine kein Risikofaktor für die Parkinson-Krankheit.

Wenngleich die Forschung in der Ätiologie, der Diagnose und dem Management vom Restless Legs Syndrom in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt, leiden die Patienten dennoch ständig unter Fehldiagnosen. Deswegen erhalten sie oft mehrfach unnötige Überweisungen. Eine rezente Meta-Analyse bestätigte dazu den Zusammenhang zwischen Migräne und Restless Legs. Andere Studien konnten zeigen, dass die Zinkspiegel im Serum und im Gehirn bei Patienten mit RLS-Syndrom erhöht sind.

 

Volkskrankheit

Das Restless Legs Syndrom ist jedenfalls eine Volkskrankheit. Wobei die Patienten täglich an den Beschwerden leiden. Dementsprechend finden betroffene Personen oft jahrelang, teilweise jahrzehntelang, wenig Hilfe. Denn das Beschwerdebild zeigt oft nicht den richtigen Weg.

Im Grunde genommen leiden Patienten mit Restless Legs Syndrom häufiger an depressiven Symptomen, Depressionen sowie Suizidgedanken. Infolgedessen ist auch das Risiko für einen Selbstmord erhöht. Meist stehen diese Symptome in Zusammenhang mit Schlaflosigkeit und einem schweren Verlauf der RLS-Erkrankung. Rezente Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die RLS-Symptome früh genug zu erkennen und zu behandeln. Und zwar insbesondere bei jungen Frauen, um das RLS-Management zu verbessern.

Übrigens können auch Kinder betroffen sein. Zudem treten bei 25% der Menschen mit Restless Legs Syndrom weitere Krankheitsfälle in der Familie auf. Am häufigsten betroffen sind jedenfalls menopausale Frauen. Und zwar nämlich bis zu 40%.

 

Beschwerdebild und ­Diagnose

Die Hauptcharakteristika beim RLS-Syndrom sind ein Bewegungsdrang – vergesellschaftet mit Gefühlsstörungen in den betroffenen Extremitäten bei stärkerem Auftreten am Abend (aber auch in Ruhephasen am Tag). Zu einer Besserung der Beschwerden kommt es durch aktive Bewegung. Ruhe und Entspannung wirken hingegen kontraproduktiv. Sekundärfolgen bei Restless Legs – wie Depressionen – werden oft falsch als Grunderkrankung vermutet.

Die Diagnose stellt der Experte zunächst klinisch – beginnend mit einer ausführlichen und aufmerksamen Anamneseerhebung. Apparative Zusatzuntersuchungen sind meist unnötig: evozierte Potenziale, Nervenleitgeschwindigkeit und EEG sind definitionsgemäß unauffällig.

Eine pathologische Nervenleitgeschwindigkeit hilft zur Abgrenzung von Polyneuropathie, eine Ultraschalluntersuchung zur venösen Insuffizienz. Meist präsentiert sich das Restless Legs Syndrom als idiopathische Form vor, allerdings müssen symptomatischen Formen zur Diagnose ausgeschlossen werden.

Urämische Stoffwechsellage, Diabetes mellitus und Schwangerschaft sind ­bekannte Auslöser von einem symptomatischen Restless Legs Syndrom. Außerdem verstärken Folsäure- und Vitamin-B-Mangel die Symptome.

Eisenmangel ist allerdings der häufigste Auslöser, bereits bei einem Ferritinwert unter 40μg/ml sollte eine Supplementierung erfolgen. Die Eisenwerte sind meist im unteren Normbereich, das Transferrin oft erhöht.

Sollten die Diagnosekriterien nicht eindeutig erfüllt sind und eine komplexe Schlafstörung vorliegen sowie die Therapien nicht in erwarteter Weise Besserung bringen, bietet das Schlaflabor die Möglichkeit, Restless Legs nachzuweisen, die polygraphische Schlafableitung erlaubt die Sicherung der Diagnose.

Es werden neben dem EEG ein EOG (Elektrookulogramm) zur Registrierung der REM (rapid eye movements) und zur Bestimmung des Schlafstadiums und ein EMG (Elektromyogramm) abgeleitet.

Das Elektromyogramm erlaubt die Klassifikation unwillkürlicher Bewegungen (periodic limb movements, PLM), die mehrere hundert Male pro Nacht auftreten können (PLMS – periodic limb movements in sleep) und auch als Maß der Wirksamkeit einer Therapie dienen. Als Maß für die Aktivität wird der PLM-Index berechnet (= Anzahl der PLMS pro Stunde Ableitung).

 

L-DOPA, Levodopa, beim Restless Legs Syndrom

Beim Restless Legs Syndrom zeigt sich das L-DOPA, Levodopa, als sehr effektiv. Dabei kann bereits eine abendliche Gabe von 100 bis 200mg Levodopa plus Benserazid ausreichend sein. Manchmal ist. Auch eine Adaptation der Therapie zu mehrfach täglicher Anwendung erforderlich.

Im Grunde genommen ist L-DOPA in Tablettenform ist rasch und gut wirksam. Der Patient kann das L-DOPA als Probebehandlung über drei Tage zur Diagnose-Sicherung verwenden. Durch die rasche Wirksamkeit ist die orale L-DOPA Darreichungsform auch als Bedarfsmedikation bestens geeignet. In 85% der Fälle hilft den Betroffenen mit Restless Legs Syndrom diese Therapie mit Levodopa.

 

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Das Restless Legs Syndrom kann auch mit Dopaminagonisten behandelt werden, wobei deutlich niedrigere Dosen als bei der Parkinson-Behandlung ausreichen und mit der ersten Dosierung bei 75% der Betroffenen die Symptome verschwinden. Nachteilig ist, dass eine Dauertherapie notwendig ist, da beim Absetzen zu Wiederauftreten der Beschwerden. Dopaminagonisten kommen eher bei schweren Formen zum Einsatz.

Als weitere Möglichkeiten zur Behandlung hat man auch bereits Opioide sowie Antiepileptika eingesetzt. Zusätzliche Gaben von schlafanstoßenden Mitteln oder Muskelrelaxantien können in sehr schweren Fällen erwogen werden – sie verbessern die Schlafdauer und Schlafzufriedenheit, beeinflussen aber die Kontrolle unwillkürlicher Bewegungen kaum.

Ungeeignet und zum Großteil die Symptome verstärkend sind Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva wie SSRI, Antiemetika mit dopaminantagonistischer Wirkung, Entspannungsmethoden sowie Magnetfelder.

 

Verhaltensregeln für Patienten mit RLS-Syndrom

Dementsprechend machen es die durch Veränderungen des Stoffwechsels ausgelösten symptomatischen Formen vom Restless Legs Syndrom notwendig, bestimmte Para­meter zum Stoffwechsel zu beachten und zu bilanzieren. Wobei auch Konsumgüter diese Beschwerden auslösen oder verstärken können. Deswegen sollten Betroffene ihre Einnahme besonders abends vermeiden. Dazu zählen Alkohol, Nikotin, Schokolade, Koffein, Kohlen­säure, Glutamat sowie Aspartam.

Weiter können eine gute Schlaf­hygiene mit regelmäßiger Schlafenszeit, stets gleichem Einschlafritual, Vermeiden von Mittagsschlaf und abendlichen Aufregungen oder Arbeit sinnvoll sein. Ein abendlicher Spaziergang kann ebenfalls den Beschwerden vorbeugen.

Patienten mit leichten bis moderaten Beschwerden arrangieren sich häufig mit ihrem Restless Legs Syndrom. Und infolgedessen verändern sie dementsprechend ihre Lebensgewohnheiten.


Literatur:

Chenini S, Barateau L, Guiraud L, Denis C, Rassu AL, Lopez R, Jaussent I, Dauvilliers Y. Depressive Symptoms and Suicidal Thoughts in Restless Legs Syndrome. Mov Disord. 2022 Jan 5. doi: 10.1002/mds.28903. Epub ahead of print. PMID: 34985142.

Chen P, Bornhorst J, Patton S, Bagai K, Nitin R, Miah M, Hare DJ, Kysenius K, Crouch PJ, Xiong L, Rouleau GA, Schwerdtle T, Connor J, Aschner M, Bowman AB, Walters AS. A potential role for Zinc in Restless Legs Syndrome. Sleep. 2020 Nov 11:zsaa236. doi: 10.1093/sleep/zsaa236. Epub ahead of print. PMID: 33175142.

Wang J, Gao Y, Liu L, Xu W, Zhang P, Liu Y, Qian X, Yu S. The association between migraine and restless legs syndrome: an updated systematic review and meta-analysis. Sleep Med. 2019 Feb 2;57:21-29. doi: 10.1016/j.sleep.2019.01.027. [Epub ahead of print]

Muth CC. Restless Legs Syndrome. JAMA. 2017 Feb 21;317(7):780. doi: 10.1001/jama.2016.21375. PMID: 28241358.

Klingelhoefer L, Bhattacharya K, Reichmann H. Restless legs syndrome. Clin Med (Lond). 2016 Aug;16(4):379-82. doi: 10.7861/clinmedicine.16-4-379. PMID: 27481386; PMCID: PMC6280211.


Quellen:

Restless Legs Syndrom – ruhelose Beine. Prim. Dr. Dieter Volc. MEDMIX 03/2006; 50-51.

Restless Legs Syndrome Fact Sheet http://www.ninds.nih.gov/disorders/restless_legs/detail_restless_legs.htm

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