Die Rolle des Mineralstoffs Kalzium für den Körper bei Osteoporose

Milch und Milchprodukte enthalten sehr viel Kalzium – aber auch hartes Trinkwasser, Eier und verschiedenen Gemüsesorten sowie Pflanzen (Sesam) enthalten teilweise große Mengen Kalzium. © Ekaterina Markelova / shutterstock.com

Milch und Milchprodukte enthalten sehr viel Kalzium – aber auch hartes Trinkwasser, Eier und verschiedenen Gemüsesorten sowie Pflanzen (Sesam) enthalten teilweise große Mengen Kalzium. © Ekaterina Markelova / shutterstock.com

Kalzium ist für den Körper der mengenreichste und ein lebenswichtiger Mineralstoff, der bei Osteoporose eine maßgebliche Rolle einnimmt.

Im Grunde genommen ist Kalzium für den Körper allen vor an ein wichtiger Mineralstoff für den Knochenstoffwechsel. Weiter unterstützt er aber auch die Aktivierung verschiedene Funktionen von Enzymen und Hormonen. Damit Herz, Nieren und Lungen richtig arbeiten können. Wichtig ist Kalzium neben den Knochen auch für die Zähne, die Muskeln, die Nerven und die Blutgerinnung, zudem wirkt er stabilisierend für die Zellmembranen. Nachfolgend soll Kalzium vor allem im Sinne der Vorbeugung und Behandlung der Osteoporose betrachtet werden.

Kalzium ist der mengenreichste Mineralstoff im menschlichen Körper, der

am gesamten Körpergewicht beteiligt ist. 99 % davon liegen gebunden im Skelett und den Zähnen vor. Nur 1 % genügt für die Erfüllung wichtiger physiologischer Aufgaben innerhalb und außerhalb der Zellen (Kalzium-Homöostase).

 

Die Kalziumbalance

Das im Knochen gespeicherte Kalzium ist jedenfalls biologisch nicht aktiv. Hingegen jenes im Serum und den Zellen jedoch in höchstem Ausmaß. Der Serumspiegel wird durch das Zusammenspiel von Parathormon, Calcitonin und Calcitriol in engen Grenzen konstant gehalten.

Mit 55 % liegt der überwiegenden Anteil von Kalzium ionisiert vor, 40 % sind an Serumproteine und 5 % an organische Säuren gebunden. Ph-Wertverschiebungen führen auf der alkalischen Seite zu Konzentrationsabnahme, das heißt im Extremfall zu Tetanie, Azidose lässt den Kalzium-Spiegel im Blut ansteigen.

Die Regulation erfolgt durch Steuerung der Aufnahme aus dem Darm, Ausscheidung über die Niere und Mobilisierung aus dem Pufferspeicher Skelett.

 

Die Resorption von Kalzium

Die Resorption erfolgt im Dünn- und Dickdarm in schwach alkalischem bis neutralem Milieu, wobei mehrere Faktoren einen fördernden oder hemmenden Einfluss aufweisen.

Bei hoher Kalziumzufuhr gelangt es hauptsächlich durch Diffusion in den Organismus, weil solche Mengen den aktiven Transport inhibieren. Bei niedrigen Mengen der Zufuhr bestimmt vor allem der Vitamin D-abhängige aktive Transport durch den epithelialen Kalziumkanal die Aufnahmemenge.

 

Ausscheidung von Kalzium

Rund 50 % des Kalziums, das die Niere passiert, wird übrigens über die Nierentubuli sezerniert. Diese Menge geht jedoch nicht vollständig verloren, weil in den distalen Tubulusabschnitten wieder 70 % zurückgewonnen werden. Das Parathormon fördert in der Niere die Hydroxylierung von 25-Hydroxycolecalciferol zum 1,25-Dihydroxycolecalciferol, welches die Aufnahme aus dem Darm stimuliert. Bei Frauen fördern die Estrogene bis zur Menopause die ausreichende Aufnahme beziehungsweise Rückresorption von Kalzium aus dem Darm oder der Niere.

 

Kalzium und Vitamin K

Schließt das Schlagwort „Gefäßverkalkung“ Kalzium mit ein. Weichteilverkalkungen können nur auftreten, wenn eine hohe Zufuhr von Kalzium auf hohe Phosphatspiegel im Blut trifft. Das kann bei Niereninsuffizienz und Vitamin K-Mangel der Fall sein. Vitamin K-abhängige Proteine verhindern normalerweise die Kalzifizierung von Geweben außerhalb der Knochen. Daher sollten Patienten unter dem Vitamin K-Antagonisten Marcoumar nicht mehr als 1.000 bis 1.500 mg Kalzium täglich einnehmen.

Permanente Einnahme-Mengen von mehr als 2.000 bis 2.500 mg gelten als grenzwertig und stellen die Homöostase in Frage, vor allem im Zusammenhang mit Zusatzerkrankungen (beispielsweise Nebenschilddrüsenüberfunktion, Niereninsuffizienz).

 

Aufnahme von Kalzium über die Nahrung, als Supplementierung vor allem bei Osteoporose im Alter

Die Kalziumaufnahme in Form einer Supplementierung wird sich eher an der Darreichungsform und dem Geschmack orientieren, als am Gegenion. Die Aufnahmemenge hängt mehr vom Einfluss des Vitamin D und der Transportsysteme ab, als von der verwendeten organischen Säure. Das belegt die Schwankungsbreite der Resorption bei Erwachsenen zwischen 10 % und 60 %! Die derzeit häufigste Anwendung für Kalzium ist die Vorbeugung von altersbedingter Osteoporose.

Unter dem Strich liegt die Tagesdosis Kalzium von Erwachsenen bei etwa 800 bis 1000 Milligramm. Allerdings benötigen Kinder, Jugendliche in der Pubertät sowie ältere Menschen meist mehr davon. Schließlich haben auch Schwangere und Stillende einen erhöhten Bedarf an Kalzium.

Milch und Milchprodukte wie Butter und Käse enthalten sehr viel Kalzium. Weiters kommt Kalzium aber auch in hartem Trinkwasser, Eiern und verschiedenen Gemüsesorten und Pflanzen wie Sesam – teilweise in großen Mengen – vor. Zudem muss man auch auf das Verhältnis von Kalzium und Magnesium achten. Das sollte beispielsweise etwa 2:1 betragen.

 

Keine Angst vor Überdosierung

Vor einer Überdosierung an Kalzium braucht man grundsätzlich keine Angst haben, den ein etwaiger Überschuss des Mineralstoffs wird vom Körper einfach über den Stuhl ausgeschieden. Es kann allerdings zu Magendarm-Problemen (Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen) kommen. Weiter kann Flüssigkeitsmangel die Folge sein. Ein langfristig erhöhterer Kalziumspiegel – Hyperkalzämie – muss untersucht werden und kann vor allem durch Einnahme bestimmter Wirkstoffe wie Diuretika und Lithium aber auch Vitamin D entstehen. Im Sinne möglicher Gallen- und Nierensteine, Magengeschwüre sowie Nierenverkalkung ist dies problematisch.

Ein Kalziummangel – eine Hypokalzämie – kann schließlich in letzter Konsequenz zu brüchigen Knochen führen. Im Grunde genommen speichert unser Körper Kalzium in den Knochen. Und der Organismus gibt es dann von dort aus Kalzium ins Blut ab. Ein Mangel an Kalzium kann jedenfalls zu Osteoporose, Rachitis, grauem Star sowie Muskelschwäche führen. Zudem kommt es zu Muskelkrämpfen und Gefühlsstörungen.


Literatur:

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