Adjuvante Chemotherapie beim ­Rektumkarzinom

Rektumkarzinom

Die adjuvante Chemotherapie beim Rektumkarzinom soll nach erfolgreicher OP mit vollständig entferntem Tumor die Rückfallrate verringern.

Etwa die Hälfte der Patienten mit Rektumkarzinom entwickelt ein Lokalrezidiv oder Metastasen. Heutzutage ist der Stellenwert der adjuvanten Chemotherapie beim Rektumkarzinom nach einer Rektumresektion ohne präoperative Bestrahlung gesichert ist. Das ergab unlängst eine Cochrane-Metaanalyse. Hingegen beurteilen Experten allerdings eine adjuvante Chemotherapie per se nach einer kombinierter Radiochemotherapie oder Kurzzeitradiatio und TME-Chirurgie durch aus kontrovers.

Das kolorektale Karzinom ist in Europa das zweit­häufigste Malignom, wobei etwa 30% der Patienten zum Diagnosezeitpunkt bereits in einem kurativ nicht mehr resektablen Zustand sind. Eine adjuvante Chemotherapie kann jedenfalls zur weiteren Senkung des Rückfallrisikos beitragen.

 

Kolorektales Karzinom oder Darmkrebs

Krebserkrankungen des Dick­darms (Kolon) und Mastdarms (Rektum) werden zusammen als kolorektales Karzinom oder Darmkrebs bezeichnet. Zu den Symptomen, die zur Entdeckung dieser Tumoren bei den Patienten führen, gehören besonders Änderungen der Stuhlgangsgewohnheiten sowie Blut im Stuhl.

Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann das Risiko, an Darmkrebs zu versterben, gesenkt werden. Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen unter anderem die Untersuchung des Stuhls auf nicht-sichtbares Blut sowie Darmspiegelungen (Koloskopie). Die Therapie erfolgt – abhängig von der Ausdehnung der Erkrankung – durch Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapie.

 

Rektumkarzinom – adjuvante Chemotherapie nach der Operation

Eine adjuvante Chemotherapie beim Rektumkarzinom sollte nach Ansicht mancher Experten außerhalb von Studien nur nach einer Rektumresektion ohne präoperative Bestrahlung erfolgen.

Beispielsweise konnten unlängst Forscher in einer Metaanalyse weder einen Vorteil bei der krankheitsfreien noch bei der Gesamtüberlebenszeit entdecken. In ihrer Arbeit hatten sie allerdings vor allem Studien mit Bolus-Applikation von 5-FU untersucht. Wenngleich diese Metaanalyse methodisch sehr kritisiert wurde, so zeigte sie doch, dass Bolus-Schemata nicht mehr angewandt werden sollten.

Nach heutigem Ermessen sollte am ehesten eine Capecitabin-Monotherapie gegeben werden sollte. Schließlich ist auch der Stellenwert der postoperativ adjuvanten Radio-Chemotherapie nach totaler Mesorektumentfernung (TME) nicht eindeutig geklärt.

Im Grunde genommen sollte das jeweilige konkrete therapeutische Procedere individuell mit dem Patienten diskutiert und umgesetzt werden. Im Falle einer Chemotherapie sollten dieselben Regime wie beim Kolonkarzinom zur Anwendung gelangen.

 

Therapieoptionen

Schließlich stehen auch alternative Therapieoptionen wie die präoperative Kurzzeitbestrahlung und die kombinierte präoperative Radiochemotherapie zur Verfügung. Nicht zu rechtfertigen ist derzeit ein genereller Einsatz von Oxaliplatin in der adjuvanten Chemotherapie. Allerdings sollten Ärzte ihre jüngeren Patienten mit einem erhöhten Rezidivrisiko über die Möglichkeit einer zusätzlichen Oxaliplatin-Therapie beraten.

Übrigens kann eine Kombination von Protonenpumpen-Inhibitoren mit einer Capecitabin-haltigen Therapie negative Effekte auf die Capecitabin-Wirksamkeit verursachen.


Literatur:

Dr. med. Heike Pietge, Dr. med. Andreas Rickenbacher, Prof. Dr. med. Matthias Turina, 
PD Dr. med. Benjamin Misselwitz. Ein klinischer Überblick: Das kolorektale Karzinom. Schweiz Med Forum 2017;17(44):943-952. https://medicalforum.ch/de/article/doi/smf.2017.03091/

Gaedcke J, Liersch T, Hess C, Becker H, Rödel C, Ghadimi BM: Rektumkarzinom: Aktueller Stand der multimodalen Therapie – wann und wie? Zentralbl Chir 136:334-342, 2011. DOI:10.1055/s-0031-1271581. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21863511

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