Symptome beim Reizdarmsyndrom haben immer Saison

Das Reizdarmsyndrom ist eine der häufigsten gastroenterologischen Erkrankungen. © Sebastian Kaulitzky / shutterstock.com

Das Reizdarmsyndrom ist eine der häufigsten gastroenterologischen Erkrankungen. © Sebastian Kaulitzky / shutterstock.com

Das Reizdarmsyndrom, eine sehr häufige Magen-Darm-Erkrankung, kann Ursache für Symptome wie Durchfall, Verstopfung sowie Bauchweh sein.

Das Reizdarmsyndrom (Irritable Syndrome Syndrome – IBS) ist eine der am häufigsten diagnostizierten gastrointestinalen Erkrankungen, ohne andere Krankheit als Ursache kommt es dabei zu Bauchschmerzen sowie anderen Margen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und / oder Verstopfung. Das Reizdarmsyndrom gilt damit als der wichtigste Vertreter der »funktionellen gastrointestinalen Erkrankungen«, die durch chronische oder wiederkehrende, vom Magen-/Darmtrakt ausgehende Symptome charakterisiert sind. Wobei man keine morphologischen Veränderungen im Gastrointestinaltrakt nachweisen kann.

Etwa jeder zehnten Person in der Bevölkerung leidet somit an Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfungen. Das belastet sehr stark das Arbeitsleben der Betroffenen, mit solchen Beschwerden in Besprechungen zu sitzen oder Kundengespräche zu führen, ist eine enorme Belastung.

Beim Reizdarm-Syndrom sind die Darmbewegungen gestört, die Schmerzempfindlichkeit erhöht, und es gibt Störungen innerhalb der Achse Darm-Gehirn. Während bei manchen Menschen nur sporadisch Symptome auftreten, leiden andere Patienten mit Reizdarmsyndrom oft nahezu permanent darunter.

 

Symptome bei einem Reizdarmsyndrom

Beim Reizdarmsyndrom kommt es wie eingangs erwähnt vor allem zu den typischen Symptomen Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten wie Durchfall und Verstopfung. Die Lebensqualität der Patienten ist mitunter stark beeinträchtigt. Bei etwa 20% der Erkrankten tritt die Erkrankung nach einer akuten Gastroenteritis erstmals zu Tage. Auch eine genetische Veranlagung und psychischer Stress können bei manchen Patienten eine Rolle spielen. Laut neuesten Studiendaten aus Taiwan haben auch Patienten mit Blinddarmoperation (Appendektomie) ein höheres Risiko für Reizdarmsyndrom.

Man unterscheidet beim Reizdarmsyndrom nach den Symptomen

Neben Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten treten aber meist auch weitere Symptome und Beschwerden auf. Und zwar sind das Bauchkrämpfe, Blähungen, ein geblähter Bauch, ein Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung sowie Stuhldrang.

Die Diagnose erfolgt anhand der typischen Anamnese, einem unauffälligem klinisch physikalischen Status und unauffälligen Laborbefunden. Insbesondere ist vor Stellung der Diagnose auf Alarmzeichen, wie beispielsweise Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollte Gewichtsabnahme, zu achten. Denn diese Symptome können auf eine organische Ursache der Magen-/Darmbeschwerden hinweisen. Dann sind dringlich weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich.

Das Reizdarmsyndrom scheint aber auch eine bidirektionale Wechselwirkung sowohl mit depressiven als auch mit angstbezogenen Beschwerden zu haben. Es bleibt jedoch unklar, wie genau die psychischen Beschwerden auf individueller Ebene im Alltag mit somatischen Symptomen zusammenhängen. In einer rezenten Fallstudie zeigte sich bei einer Patientin, dass die Anwendung positiver Gedanken als Bewältigungsstrategie hilfreich war, auch um die Schmerzen zu lindern.

 

Ernährung und Behandlung

Beim Reizdarmsyndrom setzt man in der Behandlung verschiedene natürliche, pflanzliche Mittel sowie Medikamente und Maßnahmen ein, um die Symptome durch den Reizdarm zu lindern. Beispielsweise sollen Betroffene bei Verstopfung auf ausreichende Flüssigkeits- und Ballaststoffzufuhr achten. Bei Durchfall und Blähungen können hingegen Ballaststoffe die Beschwerden mitunter verschlechtern.

Bei der Ernährung sollten Patienten mit Reizdarmsyndrom auch darauf achten, dass

Ursachen für das Auftreten der Symptome des Reizdarmsyndroms sein oder diese verstärken können.

Medikamentöse Therapien sollten wenn nötig nur so kurzfristig wie möglich eingesetzt werden. Wobei je nach Beschwerdebild (osmotische) Laxantien oder Antidiarrhoika, krampflösende Medikamente sowie auch Antidepressiva zum Einsatz kommen können.

Weiter soll Pfefferminzöl die Darmmuskulatur entspannen und beruhigend auf den Darm wirken. Auch Probiotika sollen nützlich sein.

Die low-FODMAP-Diät ist inzwischen eine etablierte Behandlung für Menschen mit einem Reizdarm. Wobei die Ernährungsweise vorsieht, dass eine gesamte Lebensmittelgruppe ausgeschlossen wird. Das ist kompliziert und nicht für jeden geeignet.


Literatur:

Engel F, Stadnitski T, Stroe-Kunold E, Berens S, Schaefert R, Wild B. Pain and psyche in a patient with irritable bowel syndrome: chicken or egg? A time series case report. BMC Gastroenterol. 2021 Aug 3;21(1):309. doi: 10.1186/s12876-021-01879-2. PMID: 34344311.

Yang CY, Wu MC, Lin MC, Wei JC. Risk of irritable bowel syndrome in patients who underwent appendectomy. A nationwide population-based cohort study. EClinicalMedicine. 2020;23:100383. Published 2020 Jun 20. doi:10.1016/j.eclinm.2020.100383

Nicolas Patel; Karen S. Shackelford. Irritable Syndrome Syndrome. StatPearls [Internet]. Last Update: January 3, 2020.

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Holtmann GJ, Ford AC, Talley NJ. Pathophysiology of irritable bowel syndrome. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2016;1(2):133-146. doi:10.1016/S2468-1253(16)30023-1


Quelle: Reizdarm-Syndrom, Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer. MEDMIX 3/2009.

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