Rauchen und Lunge – Zusammenhang mit COPD, Asthma bronchiale, Bronchuskarzinom etc.

Rauchen und Lunge © vitstudio / shutterstock.com

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Zum Thema Rauchen und Lunge sollte jeder Arzt die Rauchgewohnheiten seiner Patienten kennen und eine geeignete Raucherentwöhnungstherapie vorschlagen.

Rauchen und Lunge stehen nicht nur bei COPD, Asthma bronchiale und Lungenkrebs in starkem Zusammenhang, wobei jeder Arzt die Rauchgewohnheiten seiner Patienten kennen und eine geeignete Raucherentwöhnungstherapie vorschlagen sollte. Ausserdem sollte er eine Lungenfunktionsanalyse durchführen beziehungsweise veranlassen.

Der Rauch einer brennenden Zigarette, Zigarre oder Pfeife kann zu einer Reihe von kardiovaskulären, gastroenteralen, metabolen, immunologischen und zentralnervösen Störungen führen. Hier sollen aber die wichtigsten Schäden an der Eintrittspforte des Übels – im bronchopulmonalen System – kurz angerissen werden.

Wie bei allen umweltbedingten chronischen Krankheiten mediiert eine genetisch bedingte Suszeptibilität –Empfindlichkeit – die Dosis-Wirkungs-Relation auch des inhalierten Tabakrauchs (pack years). Während eindeutige statistische Ergebnisse für das Aktivrauchen vorliegen und nicht bestritten werden, gehen immer wieder wegen der massiven Unterschiede der Schadstoffkonzentrationen, denen der Passivraucher ausgesetzt ist, die Wogen hoch.

Einerseits ist es also nur eine Dosisfrage, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Nichtraucher durch Passivrauch krank wird. Andererseits finden sich zunehmend Angaben über höhere Toxizität des Nebenstromrauches wegen geringerer Temperatur währen der Tabakverbrennung.

 

Rauchen und COPD als Erkrankung der Lunge

Etwa 30% aller Raucher leiden an einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) – meist mit einem Lungenemphysem. Weil die Erkrankung im Bereich der Bronchiolen beginnt wo der Luftstrom schon langsam fließt, entstehen die Symptome – neben dem Rauchhusten vor allem Belastungsdyspnoe – schleichend und erst dann wenn schon beträchtliche Schäden angerichtet wurden.

Die Lungenfunktionsanalyse ist die wichtigste diagnostische Maßnahme und hat bei jedem Raucher über 40 routinemäßig durchgeführt zu werden. Es ist nachgewiesen, dass nach 15 bis 20 py die Wahrscheinlichkeit eine relevante COPD zu erleiden sprunghaft steigt.

Eine COPD kann gut therapiert werden, Voraussetzung ist allerdings eine frühzeitige Diagnose und dass Betroffene mit dem Rauchen aufhören.

 

Rauchen und Lunge: Problem Asthma bronchiale

Während zwei Drittel der Raucher mit niedriger bronchialer Reaktivität das Glück haben können, nicht an einer relevanten COPD zu erkranken, entkommt ein Asthmatiker – also ein Patient mit erhöhter bronchialer Empfindlichkeit – dem Schicksal einer relevanten Lungenfunktionsverschlechterung nicht.

Trotzdem finden sich immer wieder Patienten, die asthmatisch sind und zusätzlich an einer Nikotinabhängigkeit erkranken. Diese haben eine besonders schlechte Prognose. Eine frühzeitige Invalidisierung ist die Folge.

 

Rauchen und Lunge: Gefahr Bronchialkarzinom

Zigarettenrauch induziert Veränderungen am Bronchialepithel die über Metaplasien zum Bronchialkarzinom führen. Während dieses am Beginn des vorigen Jahrhunderts noch eine Rarität darstellte, ist es seit Jahren das häufigste zum Tode führende Karzinom des Mannes.

Frauen holen aber auf. Derzeit liegt das Lungenkarzinom an dritter Stelle der Mortalitätsstatistik für Frauen. Es ist aber abzusehen wann es bei den Frauen nach dem Mammakarzinom die zweite Stelle einnimmt. Vor allem bei jüngeren Frauen ist in den letzten Jahrzehnten eine Verdreifachung der Mortalitätsrate zu beobachten gewesen.

Jedenfalls gilt das Rauchen als Risikofaktor Nummer eins für die Krebssterblichkeit, wobei 15 bis 20% der starken Raucher an Lungenkrebs erkranken.

 

Weitere assoziierte Erkrankungen zu Rauchen und Lunge

Neben den häufigen Tabakrauch assoziierten Erkrankungen – Bronchialkarzinom, COPD und chronisches Asthma bronchiale – gibt es aber eine Reihe weiterer Krankheiten der Lunge, die ohne das Rauchen von Zigaretten wesentlich seltener wären.

Die außerhalb des Spitals aquirierte Pneumonie führt bei Rauchern signifikant häufiger zu einem Spitalsaufenthalt als bei Nichtrauchern.

Die respiratorische Bronchiolitis mit der Bronchiolitis assoziierten interstitiellen Lungenkrankheit, die desquamative interstitielle Pneumonie das eosinophile Granulom und auch idiopathische Lungenfibrosen sind rauchassoziiert.

Raucherinnen – vor allem die auch orale Kontrazeptiva nehmen – erleiden wesentlich häufiger eine Thromboembolie der Lunge als Nichtraucher.

 

Fazit

Unter dem Strich kann man zusammenfassend feststellen, dass die primäre Prävention mit Maßnahmen der Gesundheitspolitik zum Thema Rauchen und Lunge  sowie die Raucherentwöhnung die wesentlichsten pneumologischen Maßnahmen gegen COPD. Asthma bronchiale und sowie einem Bronchialkarzinom und vielen anderen Lungenerkrankungen sind. Dazu ist es allerdings nötig dass jeder Arzt die Rauchgewohnheiten jedes Patienten kennt, die Raucher darauf hinweist welches Risiko sie eingehen, ihnen eine Raucherentwöhnungstherapie vorschlägt und gegebenenfalls auch eine Lungenfunktionsanalyse durchführt bzw. veranlasst.


Literatur:

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Quelle: Rauchen und Lunge. Univ.-Prof. Dr. Hartmut Zwick. MEDMIX 05/2007

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