Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in zahlreichen Untersuchungen im Fokus. © bignai / shutterstock.com

Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in engem Zusammenhang – allen voran bei koronarer Herzkrankheit, akutem Myokardinfarkt oder plötzlichem Herztod.

Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Jährlich sterben hunderttausende Menschen an den Folgen des Zigarettenrauchens. So sind etwa 30 bis 40% der kardiovaskulären Todesfälle durch Tabakkonsum verursacht, wobei sich die kardialen Folgen des Rauchens vorwiegend als koronare Herzkrankheit, akuter Myokardinfarkt oder plötzlicher Herztod manifestieren. So ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden bei rauchenden Männern zwischen 35 und 50 Jahren dreifach erhöht, bei Frauen sogar sechsfach. Durch Nichtrauchen könnten bei Männern 60%, bei Frauen sogar 75% der Herzinfarkte verhindert werden.

 

Kardiovaskulär wirksame Rauch­inhaltsstoffe

Der Rauch einer Zigarette enthält mehr als 4.000 Chemikalien, darunter Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle, radioaktive Substanzen, Nitrosamine, Blausäure und Pestizidrückstände. Die gefäßschädigenden Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs sind vorwiegend Kohlenmonoxid, aber auch viele andere Substanzen und freie Radikale. Sie haben einen sehr raschen Wirkungseintritt und führen dosis­unabhängig zu einer Abnahme der NO- und Endothelin-1-Synthese und damit zu einer akuten endothelialen Dysfunktion. Zusätzlich nimmt die Anzahl und Aktivität der zirkulierenden Endothel-Vorstufen ab, die Thrombozyten sind proaggregatorisch verändert und der oxidative Stress führt zu vaskulärer Entzündung.

Abgesehen von den direkten Schädigungen der Gefäßwand führt Zigarettenrauch auch über die adrenerge Stimulation durch Nikotin, die autonome Dysfunktion sowie die Lipidveränderungen und über die – bei Frauen relevante – antiöstrogene Wirkung zu einer vaskulären Risikosituation. Allerdings dürften die Gefäßveränderungen nach mehrjähriger Tabakabstinenz zumindest teilweise reversibel sein. In einer aktuellen irischen Studie (Dr. Noor Jatoi et al., Hypertension 49, 2007, 1) waren die Arterien jener Teilnehmer, die seit mehr als zehn Jahren rauchabstinent waren wieder ebenso elastisch wie jene der Nichtraucher.

 

Rauchen und Herz – auch problematisch für Passiv- und Wenigraucher

Selbst wenige Zigaretten täglich erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen – das Risiko für Tod durch KHK ist bereits bei nur ein bis vier Zigaretten täglich verdreifacht. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass auch Passivrauchen die Gefäßhomöostase negativ beeinflusst. Die häufigste Todesursache aufgrund von Passivrauchen sind Herz- und Gefäßerkrankungen, gefolgt von Lungenkrebs. Dies gilt in besonderem Maße auch für Patienten mit Diabetes Typ-2.

 

Dem Risiko Rauchen und Herz-Erkrankungen begegnen

Mehrere Studien zeigen, dass Zigarettenabstinenz das kardiovas­kuläre Risiko schon nach einigen Wochen senkt, und dieses nach etwa fünf Jahren auf dem Niveau eines Nichtrauchers liegt. Rauchstopp ist daher eine der wichtigsten Präventivmaßnahmen.

Besonders Patienten mit hoher körperlicher Abhängigkeit – mit einer hohen Punktezahl im Fagerström-Test – profitieren von einer Nikotinersatztherapie (NRT). Laut den Richtlinien der American Heart Association ist die Nikotinersatztherapie bei diesen Patienten selbst bei Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung mit keinem erhöhten Risiko für akute Ereignisse wie kardiale Dekompensation oder Rhythmusstörungen verbunden, wenn die Alternative das Weiterrauchen des Patienten wäre, da die Nikotinersatztherapie die Chance auf erfolgreiche Entwöhnung verdoppelt. Bei neu aufgetretener oder instabiler kardialer Erkrankung sollte jedoch der Facharzt konsultiert werden.

Für Patienten mit hoher Nikotin­abhängigkeit und vergeblichen Entzugsversuchen trotz Nikotinersatztherapie, ist der Einsatz von Bupropion zu überlegen. Dies sollte ausschließlich von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, da klare Kontraindikationen und das Risiko für Krampfneigung bestehen. Bupropion verdoppelt ebenfalls die Chance einer erfolgreichen Entwöhnung.

Ein weitere Alternative ist Vareniclin – ein partieller Acetylcholin-Rezeptor­agonist, der die Bindung von Nikotin blockiert. So werden einerseits der Belohnungs- und Verstärkungseffekt des Tabakkonsums verringert und andererseits Entzugssymptome gelindert. Mit Vareniclin schafften im Vergleich zu Placebo mehr als doppelt so viele Raucher den Ausstieg aus der Sucht.


Literatur:

An J, Nichols GA, Qian L, Munis MA, Harrison TN, Li Z, Wei R, Weiss T, Rajpathak S, Reynolds K. Prevalence and incidence of microvascular and macrovascular complications over 15 years among patients with incident type 2 diabetes. BMJ Open Diabetes Res Care. 2021 Jan;9(1):e001847. doi: 10.1136/bmjdrc-2020-001847. PMID: 33397671.

Conklin DJ, Schick S, Blaha MJ, Carll A, DeFilippis A, Ganz P, Hall ME, Hamburg N, O’Toole T, Reynolds L, Srivastava S, Bhatnagar A. Cardiovascular injury induced by tobacco products: assessment of risk factors and biomarkers of harm. A Tobacco Centers of Regulatory Science compilation. Am J Physiol Heart Circ Physiol. 2019 Apr 1;316(4):H801-H827. doi: 10.1152/ajpheart.00591.2018. Epub 2019 Feb 1. PMID: 30707616; PMCID: PMC6483019.


Quelle: Rauchen und Herz. Dr. Darko Stamenov, Michaela Schieder. MEDMIX 6/2007.

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