Radiochemotherapie bei fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs

HPV – das Humane Papillomavirus – kann neben Gebärmutter- auch Kopf-Hals-Tumoren auslösen. © Kateryna Kon / shutterstock.com

Die Radiochemotherapie bleibt Standard in der Therapie bei fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs. Die neoadjuvante Chemotherapie brachte keine Vorteile.

Eine rezente Studie untersuchte, ob bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom, eine der Standard-Radiochemotherapie vorgeschaltete Chemotherapie das Rückfallrisiko senkt. Und ob die Behandlung auch das Überleben verbessert. Jedoch war das Gegenteil der Fall. Denn die zusätzliche neoadjuvante Therapie brachte sogar ein schlechteres progressionsfreies 3-Jahres-Überleben. Deswegen bleibt weiterhin die Radiochemotherapie der Behandlungsstandard bei fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs.

 

Gebärmutterhalskrebs durch HP-Viren

Bei den meisten betroffenen Patientinnen entdeckt man den Gebärmutterhalskrebs im Alter zwischen 40 und 59 Jahren. In etwa neun von zehn Fällen ist eine Infektion mit HP-Viren (Humane Papillomviren) der Auslöser dieser Krebserkrankung. Wobei es ein vorbeugende Impfung gegen die auslösenden HP-Viren gibt. Diese empfehlen Experten allen Kindern beziehungsweise Jugendlichen. Und zwar im Alter von 9 bis 14 Jahren und für Mädchen und Jungen. Wobei das auch eine Kassenleistung ist.

Die Virusübertragung erfolgt über die Mund- und Genitalschleimhaut. Der Frauenarzt kann bei der Früherkennungsuntersuchung die Krebsvorstufen und Frühformen oft schon im Alter von 20 bis 40 Jahren entdecken. Meistens gelingt dann die vollständige Heilung.

Bei einem in das Gewebe bereits eingewachsenen (invasiven) Zervixkarzinom liegt die 5-Jahres-Überlebensrate auch noch bei ca. 69%. Das bedeutet, dass fünf Jahre nach der Diagnose der Spätstadien fast 7 von 10 Patientinnen leben.

 

Operation und Radiochemotherapie bei Gebärmutterhalskrebs

In Frühstadien (IA bis IIA) wird beispielsweise in Deutschland in der Regel operiert. Gemäß den Leitlinien entsprechen die Therapieergebnisse der Radiochemotherapie denen der Operation. Um das Rückfallrisiko zu senken, wird im Rahmen der Radiochemotherapie parallel zur Bestrahlung das Zytostatikum Cisplatin als sogenannter Radiosensitizer verabreicht, das heißt es macht die Krebszellen strahlensensibler.

In den lokal etwas fortgeschritteneren Stadien IB und II sind sowohl die Operation als auch die Radiochemotherapie möglich. Denn beide Therapieverfahren führen dann zu prinzipiell gleichwertigen Langzeitergebnissen. Ab dem Stadium IIB wird auch in Deutschland immer eine Radiochemotherapie als Ersttherapie empfohlen. Jedenfalls ist Zielsetzung der Behandlung eine Heilung der Patientin. Auch in den lokal fortgeschrittenen Stadien (ab Stadium III) sowie bei Lymphknotenbefall oder Inoperabilität wird die Radio(chemo)therapie als erste Therapieoption eingesetzt.

 

Neoadjuvante Chemotherapie versus Standard-Radiochemotherapie bei Gebärmutterhalskrebs

Nun untersuchte eine aktuell publizierte Phase-II-Studie die Wirksamkeit und Sicherheit einer zusätzlichen neoadjuvanten Chemotherapie. Das heisst die Behandlung ist der Standard-Radiochemotherapie vorgeschalten. Die Forscher sind dabei von einer Rezidivrate von 40% in den FIGO Stadien IIB-IVA ausgegangen. Und dazu haben sie den Effekt der zusätzlichen neoadjuvanten Chemotherapie zur Standard Radiochemotherapie randomisiert untersucht.

107 Patientinnen mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor (Stadium IIb bis IVa oder Lymphknotenbefall) wurden randomisiert. Sie erhielten entweder die Standard-Radiochemotherapie (n=52, Kontrollgruppe) oder vorab drei Therapiezyklen einer neoadjuvanten Chemotherapie mit Cisplatin/Gemcitabin (n=55). Und zwar gefolgt von der Standardradiochemotherapie mit einer wöchentlichen Cisplatin-Gabe plus der Beckenbestrahlung.

Primärer Endpunkt war das progressionsfreie 3-Jahres-Überleben. Sekundäre Endpunkte waren die Ansprechrate, die lokal-regionale Tumorkontrolle über drei Jahre und das 3-Jahres-Gesamtüberleben sowie Therapiesicherheit und Lebensqualität. Die Nachbeobachtungszeit lag median bei 31,7 Monaten.

 

Enttäuschende Ergebnisse

Die vorgeschaltete (neoadjuvante) Chemotherapie verschlechterte jedoch die Therapieergebnisse der Radiochemotherapie. Das progressionsfreie 3-Jahres-Überleben wurde von 60,4% bei der Radiochemotherapie auf 40,9% durch die zusätzliche neoadjuvante Chemotherapie signifikant gesenkt (p= 0.03). Dies führte dazu, dass die neoadjuvante Chemotherapie außerdem mit einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert (60,7% versus 86,8% ; p=0.006) war.

Ein komplettes Therapieansprechen betrug mit neoadjuvanter Chemotherapie und Radiochemotherapie 56,3% und 80,3% in der Kontrollgruppe mit alleiniger Radiochemotherapie. Die Nebenwirkungsrate war insgesamt in beiden Gruppen ähnlich; in der Gruppe mit neoadjuvanter Chemotherapie gab es jedoch häufiger einen Abfall des Magnesiumspiegels im Blut sowie chemotherapiebedingte Neuropathien, d. h. eine Schädigung peripherer Nerven (besonders in den Beinen, die typischerweise mit Kribbeln, Schmerzen und/oder Sensibilitätsausfällen einhergeht).

Die zitierte Studie unterstreicht wie bei anderen soliden Tumoren zum Beispiel in der Kopf-Hals-Region oder dem Bronchialkarzinom den Stellenwert einer frühzeitig eingeleiteten lokalen Radiochemotherapie. Eine vorgeschaltete Chemotherapie verbesserte nicht die Therapieergebnisse und sollte daher nicht eingesetzt werden.

Es ist natürlich notwendig, Untersuchungen durchzuführen, um Therapieverbesserungen zu erreichen. Diese werden aber vermutlich nicht durch eine vorgeschaltete Chemotherapie gelingen, sondern andere Therapiestrategien wie zum Beispiel eine zusätzliche adjuvante Immuntherapie müssen evaluiert werden.


Literatur:

Da Costa SCS, Bonadio RC, Gabrielli FCG et al. Neoadjuvant Chemotherapy With Cisplatin and Gemcitabine Followed by Chemoradiation Versus Chemoradiation for Locally Advanced Cervical Cancer. A Randomized Phase II Trial. J Clin Oncol 2019 Aug 26:JCO1900674. doi: 10.1200/JCO.19.00674. [Epub ahead of print]


Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO) – http://www.degro.org

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/gebaermutterhalskrebs/definition-und-haeufigkeit.html

S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom. Version 1.0 – September 2014 https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-033OLl_S3_Zervixkarzinom_2014-10.pdf

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