Pulsdruck im Blickpunkt

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Erhöhter Pulsdruck stellt einen isolierten Risikofaktor für kardio- und cerebrovaskuläre Ereignisse dar, seine effektive Behandlung ist meist durch eine Monotherapie nicht erreichbar.

Der Pulsdruck – im anglo­amerikanischen Bereich »pulse pressure« genannt – entspricht eigentlich der Blutdruck­amplitude. Er gibt den Abstand von systolischem und diastolischem Blutdruck an – man zieht einfach den diastolischen vom systolischen ab, um den Pulsdruck zu berechnen. Die Ursachen für einen erhöhten Pulsdruck liegen in der Regel in einer Abnahme der Windkesselfunktion und Elastizität der großen Gefäße als Folge einer fortgeschrittenen Atherosklerose.

Im Vergleich zum diastolischen Blutdruck korreliert vor allem bei älteren Patienten der systolische Blutdruck wesentich enger mit der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität. Schließlich wurde der Begriff der isolierten sys­tolischen Hypertonie, die letztlich Ausdruck eines erhöhten Pulsdruckes ist, als eigenständige Form der Hypertonie akzeptiert.

Ein erhöhter Pulsdruck stellt einen isolierten Risikofaktor für kardio- und cerebrovaskuläre Ereignisse, wie z.B. einen Myokardinfarkt oder einen Insult, sowie für die Entstehung einer Linkshypertrophie oder einer Niereninsuffizienz dar. Beson­ders deutlich kommt der Zusammenhang zwischen erhöhtem Pulsdruck und der Entwick­lung einer Herzinsuffizienz zur Darstellung. Hier ist praktisch eine lineare Korrelation gegeben.

 

Welche Patienten ­besonders unter erhöhtem Pulsdruck leiden

Sowohl bei normotensiven als auch bei hypertensiven Patienten zeigt der diastolische Blutdruck einen Anstieg bis etwa zur 6. Lebensdekade und danach eine Abnahme, während der systolische Blutdruck einen konti­nuierlichen Anstieg aufweist. Dadurch steigt der Pulsdruck mit dem Alter stetig an. Die isolierte systolische Hypertonie mit erhöhtem Pulsdruck ist somit ­eine typische Erkrankung des ­älteren Patienten.

 

Welche Grenzwerte von Bedeutung sind und welche ­ Behandlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben

Leider werden erhöhte systolische Blutdruck- und Pulsdruck­werte gerade bei älteren Patienten nach wie vor bagatellisiert und unzureichend oder gar nicht behandelt. Idealerweise sollte der systolische Blutdruck unabhängig vom Lebensalter unter 140 mm Hg liegen. Der ­diastolische Blutdruck sollte zwar weniger als 90 mm Hg betragen, jedoch nicht unter 70 mm Hg absinken. Der normale Pulsdruck beträgt 50 mm Hg, diesen Idealwert wird man aber in der Praxis nicht immer erreichen. Als erstes Therapieziel sollte man eine ­Reduktion des Pulsdruckes auf zumindest 65 mm Hg anstreben. Falls keine relevanten Begleit­erkrankungen vorliegen, werden für die medikamentöse Behandlung der isolierten systolischen Hypertonie langwirksame Kalziumantagonisten vom Dipyridamoltyp und Thiazid-Diuretika empfohlen.

Oft handelt es sich aber um Patienten mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen, sodass den Betablockern ein besonderer Stellenwert eingeräumt werden kann. Nachdem das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System eine wichtige Rolle spielt, könnten auch die ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptor-Blocker in die engere Wahl gezogen werden.

Betablocker leiden nach wie vor unter dem Ruf, einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel – speziell den Lipid- und Glucosestoffwechsel – auszuüben. Aus diesem Grund wird unglücklicherweise vielen Diabetikern die so wichtige Therapie mit einem Betablocker vorenthalten.

Wie bei der antihypertensiven Therapie ist auch die effektive Behandlung von erhöhten Pulsdruck meist durch eine Monotherapie nicht ausreichend. Um das Therapieziel erreichen zu können, nämlich den Pulsdruck wie oben erwähnt auf 65mmHg oder tiefer zu reduzieren, ist sehr oft die Kombination mehrerer antihypertensiver Substanzen angezeigt.

Quellen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2879196/

MEDMIX 6/2004 Interview mit Dr. Wolfgng Weihs, Abteilung für Innere Medizin, Department für Kardiologie und Intensivmedizin

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/?term=pulse+pressure

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