Bessere Therapie bei Psoriasis Arthritis durch Biologika

Bei bis zu 50% der Psoriasis-Patienten kommt es zu Psoriasis Arthritis mit Gelenkbeteilung. © Lightspring / Hriana / Kassaraporn / G Croitoru / shutterstock.com

Im Gegensatz zu den früheren Therapie-Optionen führen bei Psoriasis Arthritis heute Biologika meist zu einem Stillstand der Entzündung und Gelenkzerstörung.

Speziell die Entwicklung der neuen Biologika hat zu einer Revolutionierung der Therapie von Psoriasis Arthritis geführt. Die modernen Medikamente können entweder als Infusion oder subcutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden. Wichtig ist es jedenfalls, dass man möglichst schnell die Diagnose Psoriasis Arthritis stellt und sofort diese Medikamente zur Therapie verschreibt, denn Biologika können die Entzündung und die Gelenkzerstörung anhalten. Oft sind die Patienten schon nach kurzer Zeit schmerzfrei.

 

Psoriasis, Schuppenflechte

Psoriasis – auch als Schuppenflechte bekannt – ist seit jeher eine gefürchtete Erkrankung. Die roten schuppenden Flecken an der Haut sowie die Kopfschuppen stellen ein massives kosmetisches Problem dar.

Weil ihnen die Hautveränderungen peinlich sind, ziehen sich Betroffene vor anderen Menschen nicht mehr aus, vermeiden den Besuch des Schwimmbades und weitere ähnlich starke Einschränkungen der Lebensqualität. Die Folge sind soziale Isolierung und psychische Schwerbelastungen.

Hinzu kommt das Jucken, Beißen und Nässen der befallenen Hautstellen. Da häufig auch der Intimbereich von der Psoriasis betroffen ist, leidet auch das Sexualleben und die Beziehung zum Partner.

 

Psoriasis Arthritis mit Gelenk- und Kreuzschmerzen

Darüber hinaus geht Psoriasis häufig mit Gelenk- und Kreuzschmerzen, geschwollenen Gelenken sowie Sehnen- und Muskelschmerzen einher. Diese Kombination von Psoriasis und Gelenkentzündung (= Arthritis) ist seit mehr als 200 Jahren bekannt – man spricht von Psoriasis Arthritis.

Bei bis zu 50% der Patienten kommt es zu dieser Psoriasis Arthritis mit Gelenkbeteilung. Vor allem bei schweren Hautveränderungen und einem Befall der Finger- und Zehennägel sind Gelenkentzündungen besonders häufig.

Die Psoriasis Arthritis (PsA) kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Meist beginnen die Beschwerden zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.

Die Psoriasis Arthritis als eine Erkrankung von Haut und Gelenken ist nur möglich, da das Immunsystem gestört ist und Entzündungen im Körper zulässt. Man spricht deswegen bei der Psoriasis Arthritis von einer Autoimmunerkrankung, wobei zusätzlich auch innere Organe wie Darm, Nieren oder Augen von der Entzündung mitbetroffen sein können.

 

Symptome der Psoriasis Arthritis

Bei folgenden typischen Symptomen sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen:

Bei manchen Patienten zeigen sich auch Veränderungen an den Augen wie Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündungen, Entzündungen der Harnwege oder chronische Darmentzündungen. Bei Blutuntersuchungen sind hohe Entzündungswerte (Blutsenkung, CRP) auffällig. Der Rheumafaktor selbst ist meist negativ. Dafür kann in vielen Fällen der genetische Marker HLA-B27 nachgewiesen werden. Wird die Psoriasis Arthritis nicht rechtzeitig behandelt, kommt es zu starken Gelenksverformungen und Dauerschmerzen.

 

Immuntherapie bei Psoriasis Arthritis

Ursache der Psoriasis Arthritis ist eine Störung unseres Immunsystems, welches überaktiv ist und sich gegen unseren eigenen Körper richtet. Über diese Fehlsteuerung wird eine Entzündung in unseren Gelenken und der Wirbelsäule ausgelöst.

Durch die Gabe sogenannter „Basismedikamente“ gelingt es den Ärzten das überaktive Immunsystem auf ein normales Niveau herunterzufahren. Dabei kommt es zu einem Stillstand der Entzündung in Gelenken, Wirbelsäule und inneren Organen. Entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und die Bewegungseinschränkung lassen nach. Traditionelle Basismittel wie Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid oder Cyclosporin A stehen seit Jahren zur Verfügung.

 

Biologika gegen Psoriasis Arthritis

Speziell die Entwicklung von neuen Substanzen, die die entzündlichen Botenstoffe unseres Immunsystems direkt blockieren – wie die TNF-Alpha-Blocker, hat zu einer Revolutionierung der Therapie von Psoriasis Arthritis geführt. Diese neuen Mittel werden mit dem Namen „Biologika“ bezeichnet und können entweder als Infusion oder subcutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden.

Im Gegensatz zu den bislang bei Psoriasis Arthritis zur Verfügung stehenden Therapien führen Biologika meistens zu einem völligen Stillstand der Entzündung und Gelenkzerstörung. Die Patienten sind oft schon nach kurzer Zeit schmerzfrei. Gleichzeitig kommt es auch zu einer wesentlichen Verbesserung oder zum Verschwinden der Schuppenflechte. Neben den TNF-Blockern ist auch die Blockade anderer Botenstoffe wie Interleukin 12, 17 und 23 zur Behandlung der Psoriasis Arthritis zunehmend interessant.


Folgende Wirkstoffe – Biologika – werden derzeit gegen Psoriasis Arthritis eingesetzt:

Adalimumab (Humira®), der erste vollständig humane monoklonale Antikörper, der den Botenstoff TNF-Alpha bindet und damit inaktiviert. Er wird alle zwei Wochen subcutan (40mg) injiziert, wobei neben der Fertigspritze auch ein Pen zur Verfügung steht.

Infliximab (Remicade®), ein chimerer monoklonaler Antikörper gegen TNF. Nach einer Aufsättigungsphase von drei Infusionen (Woche 0, 2 und 6) erhält der Patient eine Infusion dieses Antikörpers alle sechs bis acht Wochen (3 – 7,5mg/kg KG).

Golimumab (Simponi®), ein weiterer Anti-TNF-Antikörper, steht als Fertigspritze (50mg und 100mg) oder als vorgefüllter Injektor zur Verfügung und wird einmal im Monat subcutan injiziert. Die intravenöse Applikation wird getestet.

Certolizumab-Pegol (Cimzia®), ebenfalls ein monoklonaler Antikörper gegen TNF-Alpha, wurde pegyliert, das heißt mit einer chemischen Substanz beschichtet, wodurch das Arzneimittel langsamer vom Körper abgebaut wird und damit seltener verabreicht werden muß. Die Anfangsdosis liegt bei 400mg subcutan als Fertigspritze in Woche 0, 2 und 4. Danach gibt man eine Erhaltungsdosis von 200mg alle zwei Wochen.

Heilbar ist die Psoriasis Arthritis nicht. Jedoch stehen hochwirksame Arzneimittel zur Verfügung. Jedoch kann die Therapie mit Biologika den Patienten mit Psoriasis Arthritis bei sehr geringen Nebenwirkungen ein nahezu beschwerdefreies Leben bringen.

Etanercept (Enbrel®), ein rekombinantes TNF-Alpha-Rezeptor-Fusionsprotein. Die Substanz wird ein- bis zweimal wöchentlich (je nachdem ob 25 oder 50mg) subcutan injiziert und ist auch als Pen verfügbar. Dieses Medikament blockiert die Rezeptoren, an die TNF normalerweise bindet und hemmt die Entzündung.

Ustekinumab (Stelara®) ist ein monoklonaler Antikörper gegen die Zytokine IL 12 und 23. Wobei der Wirkstoff zur Behandlung der Psoriasisarthritis und der schweren Psoriasis zugelassen ist. Die 45mg oder 90mg Injektionslösung in der Fertigspritze wird subcutan alle drei Monate gespritzt. Zur Aufsättigung erfolgen die ersten beiden Applikationen im Vierwochenabstand.

Secukinumab (Cosentyx®), ein monoklonaler Antikörper gegen IL-17A ist seit 2015 zur systemischen Therapie für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis oder mit Psoriasis-Arthritis zugelassen. In einer Vergleichsstudie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Secukinumab und Adalimumab waren die Ergebnisse ähnlich trotz unterschiedlicher Wirkmechanismen der beiden Biologika.

Ixekizumab (Taltz®) wurde ursprünglich zugelassen zur systemischen Therapie für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. Seit Januar 2018 kann man Ixekizumab jedenfalls auch den Patienten mit Psoriasis-Arthritis verschreiben. Und zwar, wenn bei den Patienten eine Behandlung mit klassischen antirheumatischen Arzneimitteln oder Biologika nicht ausreichend wirkt. Oder wenn die Patienten diese Therapie nicht vertragen.


Small Molecules gegen Psoriasis Arthritis

Darüber hinaus ist eine weitere neue Generation von Rheumamedikamenten verfügbar. Das sind die „Small Molecules“. Darunter versteht eine Gruppe neuer Medikamente mit kleiner Molekülmasse, die man oral verabreichen kann.

Im Gegensatz zu den bisher zur Verfügung stehenden Biologika (als Infusion oder subcutan), die nur einzelne Botenstoffe (Zytokine) oder ganze Zellpopulationen des Immunsystems angreifen, um die rheumatischen Entzündungen zu stoppen, greifen die Small Molecules in den Zellen (intrazellulär) verschiedene Informationswege an. Deswegen sind sie auch breiter aufgestellt. Mit diesen Arzneien können jedenfalls auf einmal sehr viele Zytokine blockiert werden.

Der erste bei uns zugelassene Vertreter der neuen Medikamente war „Apremilast (Otezla®)“ zur Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis Arthritis. Der selektive Phosphodiesterase 4 (PDE-4)-Inhibitor wird zweimal täglich als 30mg Tablette oral eingenommen.

 

Individuelle Behandlung der Psoriasis Arthritis

Jeder Rheumapatient ist anders und braucht natürlich sein individuelles Therapieschema. Auf den Einsatz von Schmerzmitteln wie Antirheumatika kann man bei einer Gelenkentzündung, zumindest zeitweilig, meist nicht verzichten. Bei akuten Schüben hat sich die Gabe von antirheumatischen Mischinfusionen in Kombination mit hochdosierten Vitaminen besonders bewährt. Auch die Injektion von kleinen Kortisonmengen in die Gelenke führt zu einem raschen Abklingen der Entzündung.

Sind die Gelenke durch die Entzündung bereits abgenützt, kann man durch einen gezielten Knorpelaufbau die Funktion wieder verbessern. Manche Präparate wie die Hyaluronsäure, eine künstliche Knorpelschmiere, spritzt der Arzt dabei direkt in das Gelenk. Andere nimmt der Patient hingegen oral ein. Schließlich ergänzen auch verschiedene physikalische Therapien, Kurmaßnahmen sowie auch die Alternativmedizin die klassische Schulmedizin. Im Grunde genommen helfen sie dabei, das Wohlbefinden zu steigern.

 

Aussicht

Dank neuester Medikamente und einem breiten Therapieangebot kann heute fast jeder Patient mit einer Psoriasis Arthritis gut behandelt werden. Die Anwendung solcher Medikamente erfolgt nach strengen ärztlichen Kriterien und gehört ausschließlich in die Hand eines erfahrenen Spezialisten. Eine schnelle Diagnose sowie der sofortige Beginn einer effizienten Therapie sind dabei besonders wichtig.


Literatur:

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