Psilocybin bei Patienten mit Krebs stark wirksam gegen Angst und Depression

Den Wirkstoff Psilocybin konnte man urspünglich aus dem Zauberpilz Psilocybe mexicana gewinnen. © Alan Rockefeller / CC BY-SA 3.0

Den Wirkstoff Psilocybin konnte man urspünglich aus dem Zauberpilz Psilocybe mexicana gewinnen. © Alan Rockefeller / CC BY-SA 3.0

Psilocybin – die psychaktive Substanz in Magic Mushrooms – wirkt sehr rasch gegen Angst und Depression bei Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium.

Unter dem Strich kann der Einsatz des zur Gruppe der Trypatamine gehörenden Wirkstoffs Psilocybin bei Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium eine sofortige Reduktion von Angst und Depression. Und zwar mit einer einzigen hohen Dosis in einem Zeitraum von bis zu acht Monaten. Wobei die Substanz vor allem für seine psychoaktive Wirkung in Magic Mushrooms – den Zauberpilzen – bekannt ist.

Die Forscher zweier US-Studien zeigten sich unlängst durch die bemerkenswerten Ergebnisse zu Psilocybin begeistert. Die teilnehmenden Patienten hatten durch den den Einsatz der psychoaktiven Substanz zutiefst sinnvolle und spirituelle Erfahrungen. Die meisten von ihnen dachten intensiv über Leben und den Tod nach, konnten so ihre Verzweiflung überwinden, was zu einer starken Verbesserung ihrer Lebensqualität führte.

Psilocybine lindert psychischen Schmerz und unterstützt die Therapie

Psilocybin aus Magic Mushrooms – Zauberpilze, narrische Schwammerl – vor fast 70 Jahren untersucht

Obwohl die Auswirkungen der Zauberpilze bereits in den 1950er Jahren in der Psychiatrie von Interesse gewesen waren, wurden ab den 1970er Jahren durch eine neue Psychedelika-Klassifizierung und dem Anstieg des Drogenkonsums in der Hippie-Kultur enorme rechtliche und finanzielle Hindernisse geschaffen, um Studien zu Psilocybin durchführen zu können.

Durch Psilocybin kommt es zu körperlicher Leichtigkeit, Energiegewinn, zu unkontrolliertem Gelächter, Freude, Euphorie sowie veränderten visuellen Wahrnehmungen. Als Nebenwirkungen können Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Panikattacken auftreten, organische Schäden wurden nicht beobachtet. Wie bei anderen psychoaktiven Substanzen besteht aber auch Psilocybin durch die Gefahr, eine latent vorhandene Psychose auszulösen (Bad Trip).

Quelle: Arp / CC BY-SA 3.0 / wikimedia
Der Spitzkegelige Kahlkopf – Psilocybe semilanceata – enthält Psilocybin. © Arp / CC BY-SA 3.0 / wikimedia

„Psilocybin war Teil der Psychiatrie, verschwand und ist jetzt zurück gebracht worden „, sagte Dr. Stephen Ross, Direktor der Psychiatrie-Abteilung am NYU Langone Medical Center und leitender Prüfarzt der Studie.

Im Grunde genommen leiden etwa 40 bis 50% der neu diagnostizierten Krebspatienten an irgendeiner Art von Depression oder Angst. Die Wirkung von Antidepressiva ist meist zu gering. In diesem Sinne vor allem im Zusammenhang mit einer existenziellen Depression. Die Patienten empfinden dann ihr Leben als sinnlos. Schließlich kann das oft zu Selbstmord führen.

 

Studie zu Psilocybin bei Patienten mit Krebs gegen deren Angst und Depression

Die wichtigsten Ergebnisse der NYU-Untersuchung mit 29 Patienten mit Krebs und der größeren Studie der John Hopkins University mit 51 Patienten ergaben jedenfalls, dass eine Einzeldosis des Medikaments mit Psilocybin zur sofortigen Verringerung von Angst und Depression führt, wenn der Krebs die Ursache für die psychischen Symptome waren. Und zwar für einen achtmonatigen Zeitraum. „Die Ergebnisse sind beispiellos“, sagte Ross. „Wir haben nichts Vergleichbares.“

Die Detailergebnisse der Studien waren jedenfalls bei rund 80% der Patienten sehr ähnlich. Beispielsweise verbesserte sich das Wohlbefinden und / oder die Zufriedenheit mit dem Leben von mäßig bis stark. Und zwar bei einer einzigen hohen Dosis Psilocybin. Wobei zusätzlich eine Psychotherapie unterstützend zum Einsatz kam.

Professor Roland Griffiths war übrigens Studienleiter an der Abteilung für Psychiatrie und Neurowissenschaften an der Johns Hopkins University School of Medicine. Er betonte, dass er die bemerkenswerten Ergebnisse nicht erwartet hätte. „Ich bin grundsätzlich eher ein Skeptiker. Ich war am Anfang skeptisch. Denn die Patienten beschäftigten sich mit den tiefsten existentiellen Fragen, die einem Menschen begegnen können. Was ist die Natur des Lebens und des Todes? Was ist der Sinn des Lebens? Doch trotz ihrer enormen Verwundbarkeit und Stimmungsstörung durch die Krebs-Krankheit und im Anblick des Todes konnten die Teilnehmer ähnliche positive Erfahrungen machen, die zu positiven Veränderungen in ihrem Leben, ihrer Stimmung und in ihrem Verhalten führten.“

Psilocybe Pilze für körperliche und seelische Entspannung

Viele positive Kommentare

Jedenfalls waren auch die Kommentare zur Studie ebenfalls überwältigend. Professor David Nutt,  forderte in einem Leitartikel, dass es ernsthaft an der Zeit sei, psychedelische Behandlungen in der Psychiatrie und Onkologie einzusetzen. Denn so geschah es ja auch in den 1950er und 1960er Jahren. Prof. Nutt war übrigens ebenfalls an einer kleinen Lancet-Studie mit Psilocybin mit 12 Menschen mit schwerer Depression und Angst in Großbritannien beteiligt war.

Wenngleich weitere Forschungsarbeiten notwendig sind, ist doch der springende Punkt, dass die medizinische Verwendung von Psilocybin bei der Behandlung von schweren psychiatrischen Erkrankungen offensichtlich effektiver als herkömmliche pharmazeutische Ansätze sein könnte. Und zwar, ohne dass die Patienten täglich ein Medikament einnehmen zu müssen.


Literatur:

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Johnson MW, Griffiths RR. Potential Therapeutic Effects of Psilocybin. Neurotherapeutics. 2017 Jul;14(3):734-740. doi: 10.1007/s13311-017-0542-y. PMID: 28585222; PMCID: PMC5509636.

Ross S, Bossis A, Guss J, Agin-Liebes G, Malone T, Cohen B, Mennenga SE, Belser A, Kalliontzi K, Babb J, Su Z, Corby P, Schmidt BL. Rapid and sustained symptom reduction following psilocybin treatment for anxiety and depression in patients with life-threatening cancer. A randomized controlled trial. J Psychopharmacol. 2016 Dec;30(12):1165-1180. doi: 10.1177/0269881116675512. PMID: 27909164; PMCID: PMC5367551.

Robin L Carhart-Harris, Mark Bolstridge, James Rucker, Camilla M J Day, David Erritzoe. Mendel Kaelen, Michael Bloomfield, James A Rickard, Ben Forbes, Amanda Feilding, David Taylor. Steve Pilling, Valerie H Curran, David J Nutt. Psilocybin with psychological support for treatment-resistant depression: an open-label feasibility study. The Lancet Psychiatry. Published: May 17, 2016. DOI:https://doi.org/10.1016/S2215-0366(16)30065-7.

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