Primär stechende Kopfschmerzen – Eispickelkopfschmerz

Schmerzen @ afcom.at

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Primär stechende Kopfschmerzen treten meist anfallsartig und einseitig mit sehr kurzen, schlagenden und stechenden Schmerzen auf, normalerweise maximal 100-mal am Tag.

Primär stechende Kopfschmerzen gehören zu den relativ seltenen Kopfschmerzsyndromen, die oft einseitig auftreten. Man spricht auch von Eispickelkopfschmerz, periodischer Ophthalmodynie oder Jabs and Jolts-Syndrom. Diese sind oft begleitende Kopfschmerzen bei Clusterkopfschmerz, Spannungskopfschmerz oder Migräne und erinnern an Nadelstiche. In seltenen Fällen kam es auch gleichzeitig zu Bindehautblutungen und dem Verlust des Sehvermögens. Wichtig ist jedenfalls eine sorgfältige Bewertung möglicher zugrunde liegender Ursachen. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kann auch eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-Cov-2 sowie eine Covid-19-Erkrankung verschieden Arten von Kopfschmerzen wie auch Ophthalmodynie verursachen.

 

Wie sich primär stechende Kopfschmerzen klinisch präsentieren

Primär stechende Kopfschmerzen treten unter dem Strich immer unvermittelt und anfallsartig (paroxysmal) auf. Dabei dauern die Kopfschmerzattacken ultrakurz einen Bruchteil einer Sekunde bis hin zu einigen Sekunden auf. Stechende Kopfschmerzen sind wie eingangs erwähnt zudem fast immer einseitig. Weiter können die Anfälle einzeln bis hin zu einer Reihe von Attacken auftreten sowie manchmal nur eine bestimmte Region oder Stelle betreffen.

Im Grunde genommen treten primär stechende Kopfschmerzen etwa 100-mal am Tag auf. Dabei kommt es immer wieder zu Wiederholungen – allerdings in unregelmäßigen Abständen. Wobei übrigens Speiseeis oder kalte Getränke Auslöser der Beschwerden sein können.

 

Eispickelkopfschmerz

Primär stechende, idiopathische Kopfschmerzen bezeichnet man auch als Eispickelkopfschmerz, der meisten Stirn und Schläfe betrifft. Übrigens leiden vorwiegend Frauen daran. Oft kommt es auch zu Übelkeit, Erbrechen, Photophobie sowie Schwindel.

Hingegen stehen sekundäre stechende Kopfschmerzen häufig im Zusammenhang mit Herpes zoster, Meningeome (Tumoren mit Ursprung in den Meningealzellen), Schlaganfall sowie Multiple Sklerose. Eispickelkopfschmerz ist einer „auf Indometacin reagierender Kopfschmerz“. Allerdings haben bis zu 35% der Patienten mit der Indometacin-Behandlung keinen signifikanten Nutzen. Weitere Möglichkeiten der Behandlung sind Gabapentin, Cyclooxygenase-2-Hemmer, Melatonin und externe Handerwärmung.

 

Verschiedene medikamentöse und alternative Behandlungsmöglichkeiten

Unter dem Strich brauchen primär stechende Kopfschmerzen normalerweise keine Therapie. Allerdings können manchmal die Anfälle sehr häufig sowie auch sehr heftig sein. Und zwar bis zu 200 mal pro Tag. Damit beeinträchtigen die Beschwerden auch die Gesamtlebensqualität der betroffenen Person massiv und man muss natürlich etwas dagegen unternehmen.

Dann sollte der behandelnde Arzt eine Behandlung mit dem NSAR Indometacin einleiten, die in mehr als 65% der Fälle wirksam ist. Die geeignete Dosis beträgt dabei 25 bis 50 mg täglich, wobei sich als Magenschutz beispielsweise die Protonenpumpenhemmer bewährt haben.

Wirksam kann zudem auch das Gabapentin sein, wenn das Indometacin nicht ausreichend hilft. Und zwar in Schritten von 300 mg, bis die Stichkopfschmerzen verschwinden.

Allerdings reagiert gerade ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen mit Kopfschmerzen gar nicht nicht auf Medikamente. Schuld daran sind häufig psychische Probleme, die nicht erkannt und auch richtig behandelt wurden. Auch deswegen kommt es zu sehr negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität der jungen Patienten. Hierzu kann die Kognitive Verhaltenstherapie und Achtsamkeitsübungen die Situation der Betroffenen verbessern.

Weiter schwören viele Patienten aber auch Experten auf Koffein als ein effektives Mittel gegen Kopfschmerzen. Denn das Koffein sorgt im Gehirn für eine bessere Durchblutung. Manche Betroffene trinken auch gerne einen Ingwer-Tee. Interessant sind auch die Anwendung von Melatonin sowie thermische Biofeedbackverfahren (Handwärmung).

Übrigens zeigen jüngste Untersuchungen, dass Indomethacin als starkes Analgetikum vor allem bei ambulanten, nicht-kritischen Covid-19-Patienten ohne Anzeichen eines Zytokinsturms eine wichtige Ergänzung zu einer antiviralen Therapie darstellt.


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